Local Motors Strati Und es fährt doch

Der Strati von Local Motors ist das erste Auto aus dem 3-D-Drucker. Es soll Ende 2015 auf den Markt kommen.

(Foto: dpa)
  • Local Motors aus Arizona stellt mit dem Strati das erste Auto aus dem 3-D-Drucker her. Noch ist es ein Prototyp, Ende 2015 soll die Serienfertigung beginnen.
  • Das Serienauto soll zwischen 18 000 und 30 000 Dollar kosten, maximal 80 km/h schnell sein und eine Reichweite von 100 Kilometern haben.
  • Auf der Detroit Motor Show fertigt die Firma Exemplare das Autos vor Publikum. Nach 44 Stunden ist das Elektroauto fertig.
  • Local Motors arbeitet mit vielen Autoherstellern zusammen, die einzelne Teile liefern. Der Antriebsstrang des Strati stammt vom Renault Twizy.
  • Auf Crowdsourcing-Basis arbeiten derzeit 48 000 Menschen aus 130 Ländern an dem Auto aus dem 3-D-Drucker. In den kommenden zehn Jahren sollen bis zu 100 Mikrofabriken errichtet werden, in denen jährlich 3000 Autos entstehen.
Von Kathrin Werner, Detroit

Hier glänzen keine schicken Luxuslimousinen im Scheinwerferlicht. Es wummern keine Bässe. Keine leicht bekleideten Models lehnen sich über Sportwagen. Nach den Standards der Automesse in Detroit sieht es wenig glamourös aus, und doch drängeln sich die Menschen vor den Plexiglasfenstern des Kastens in der Größe eines Schiffscontainers. Denn hier in dieser Minifabrik passiert eine Revolution, mitten auf der Messe, direkt vor den Augen der alten Autoindustrie.

Ein Roboter rattert, der Kopf der Maschine presst eine dicke, schwarze Paste hervor wie aus der Zahnpastatube, es ist ein Gemisch aus Karbon und Plastik (für Experten: Acrylnitril-Butadien-Styrol). Dann hämmert er die Paste platt, so dass eine feste Schicht entsteht, die gut einen halben Zentimeter dick ist. Schicht um Schicht fährt der Roboter über das halbrunde Plastikteil, Schicht um Schicht entsteht hier ein Kotflügel. Die Karosserie des Autos besteht aus 212 Plastikschichten, sie ist schon fertig und wartet nebenan auf Scheuersand, Schleifpapier und dann die Lackierung. In genau 44 Stunden ist es fertig: ein Elektroauto aus dem 3-D-Drucker.

3D-Drucker Druckfrisch auf die Straße
Local Motors Strati

Druckfrisch auf die Straße

Ein Auto zu bauen, ist ein komplizierter Prozess. Ein Pkw besteht heute aus bis zu 10 000 Einzelteilen. Die US-Firma Local Motors geht einen anderen Weg. Der Strati besteht nur aus 50 Teilen - und wurde von einem 3-D-Drucker ausgedruckt.   Von Felix Reek

Erst bei den Marines, jetzt Autoproduzent

John Rogers, der Mann hinter dem Druckauto, das Strati heißt, hat 2007 das Unternehmen Local Motors gegründet, er will alles anders machen als der Rest der Autobranche: Seine Autos sollen umweltfreundlicher sein, in kleinen Stückzahlen produziert werden, in winzigen Fabriken, die immer in der Nähe der Kunden stehen, und designt von einer freien Kreativen-Community im Internet.

Der 41-Jährige war früher bei den US-Marines, der Einheit der amerikanischen Truppen für die besonders harten Typen, danach hat er in Harvard Betriebswirtschaft studiert und bei der Unternehmensberatung McKinsey gearbeitet. Local Motors hat schon ein erstes Kleinserienmodell gebaut: den Rally Fighter, einen kleinen Geländewagen mit 436 PS, nicht elektro, nicht gedruckt. Jetzt will er etwas ganz Neues probieren.

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Sogar Jay Leno schwärmt

Die Verfahren zum 3-D-Druck werden immer besser und billiger. Ganz verschiedene Dinge gibt es inzwischen gedruckt: Prothesen, Schusswaffen, Schmuck, Schuhe und Klamotten, Forscher arbeiten sogar an gedruckten Ersatz-Nieren. Die neuen Triebwerke von General Electric, die unter anderem für den Airbus A320neo eingesetzt werden sollen, haben Düsen aus dem Drucker. Sogar in der internationalen Raumstation ISS steht seit September ein 3-D-Drucker, damit die Astronauten Geräte schnell selber reparieren können, statt auf Ersatzteil-Lieferungen per Rakete zu warten.

Die Autoindustrie setzt schon seit Jahren auf das Verfahren für Modelle ihrer Designideen. Und der bekannte amerikanische Fernsehmoderator Jay Leno, der Oldtimer liebt, schwärmt davon, weil er Ersatzteile reproduzieren kann, die er sonst nirgends mehr kaufen könnte.

Rogers druckt nicht nur Teile seines Autos, sondern gleich den ganzen Wagen - also das Untergestell, die Karosserie und einen großen Teil der Innenausstattung wie das Armaturenbrett. Der Motor, die Batterie, die Aufhängung, die Kabel und die Lichter kauft das Unternehmen bei Renault, die Franzosen verwenden die Technik für ihren Elektro-Zweisitzer Twizy.