Lexus und Infiniti:Europa bekommt nicht alle Modelle

Lexus exportiert beispielsweise nur rund die Hälfte seiner Palette in die alte Welt. Limousinen wie HS und ES sind ebenso tabu wie die großen SUVs der Baureihen GX und LX. Obwohl der auf 500 Stück limitierte LFA ohne Frage in die Marke eingezahlt hat, blieb das 560 PS starke Coupé bislang ohne Nachfolger. Auch für die nächsten drei Jahre plant Lexus-Chef Kyotake Ise eine Fortsetzung der Strategie der kleinen Schritte. Innovationen wie die Umstellung der Hybride auf Lithium-Ionen-Batterien erfolgen deutlich später als bei der Konkurrenz, die einzige bestätigte Erweiterung des Produktangebots ist im Herbst ein kompakter Crossover auf Toyota-RAV-4-Basis, der entweder NX oder CX heißen soll.

Zum Modelljahr 2015 geht das RC Coupé in Serie, das auf der Plattform des IS aufbaut. Für 2015 wird der Nachfolger des RX erwartet, der sich seine DNA wieder mit einem für Japan entwickelten Crossover teilt. Auch die nächste große LS-Limousine (2016) bleibt im Prinzip unverändert. Die zweite Generation des CT, für die zum Verkaufsstart Ende 2016 ein leistungsfähigerer Plug-in-Hybrid vorbereitet wird, soll dagegen deutlich emotionaler ausfallen. IS und GS werden modellgepflegt, wobei die bärenstarken F-Varianten mit V8-Motor auch für Europa wieder ein Thema sind.

Expansion in allen Klassen

Infiniti ist ebenfalls dabei, sich neu aufzustellen und setzt auf nachhaltige Expansion in allen Klassen. Die Neuordnung des Angebots geht einher mit einer geänderten Nomenklatur, die sich statt am Hubraum künftig an der Fahrzeugkategorie orientiert. Im Raster von Q10 bis Q100 sollen folgende Segmente besetzt werden: Q30 (Golf-Format), Q50 (ersetzt G37), Q60 (Coupé und Cabrio), Q70 (hieß früher M35), Q80 (in Planung: Luxuslimousine), Q90 (in Planung: Sportwagen), Q100 (in Planung: Supersportwagen). Parallel dazu soll es fünf Crossover geben: QX30 (GLA-Derivat), QX50 (war mal EX), QX60 (Siebensitzer), QX70 (besser bekannt als FX) und QX80 (Mammut-SUV für USA). Für die Kernmodelle sind Hochleistungsvarianten mit der Zusatzbezeichnung Eau Rouge in Arbeit. Als grüne Gegenpole sind sowohl reine Elektrofahrzeuge als auch Modelle mit Plug-in-Hybridtechnik in Vorbereitung.

"In den nächsten 25 Jahren muss Infiniti zur Weltmarke heranwachsen und seine Abhängigkeit vom US-Markt reduzieren", sagt CEO Johan de Nysschen. "Darüber hinaus ist eine klare Trennung von Nissan und Infiniti vonnöten, denn nur so können wir gegen Audi, BMW und Mercedes bestehen. Unser Ziel ist es, bis 2020 mit rund 500 000 Fahrzeugen die Nummer vier im Premiumsegment zu werden. Um das zu schaffen, müssen wir uns nicht nur in wesentlichen Elementen neu erfinden - wir müssen auch emotionaler werden, kundenfreundlicher und noch perfekter bis ins kleinste Detail." Auch Lexus will aufholen, Lücken schließen, Stärken konsolidieren, Luxus neu interpretieren, mehr Begeisterung entfachen. Da kommt es nicht überraschend, dass beide Marken mit deutschen Trendsettern kooperieren werden.

Kooperationen mit Mercedes und BMW

Infiniti hat seinen Deal mit Mercedes so gut wie unter Dach und Fach. Langfristig will man auf Basis von A-Klasse und dessen Nachfolger mindestens drei Varianten produzieren: den Q30 als viertüriges Schrägheck, dazu die Kompaktlimousine Q40 und den siebensitzigen QX40 Crossover. Darüber hinaus weckt die Mercedes- Heckantriebsplattform MRA Begehrlichkeiten in Hongkong, dem Infiniti- Hauptsitz. Lexus hat über Toyota 2013 erste zarte Bande mit BMW geknüpft. Nach dem Sportwagen-Deal (Neuauflage Z4/GT86) könnte das ZX6-Projekt BMW einen Z7 und den Japanern den überfälligen SC-Nachfolger bescheren. Dieselmotoren aus Bayern und eine Brennstoffzelle made in Japan wären flankierende Maßnahmen.

Wie weit die Luxus-Japaner vom Premiumstandard entfernt sind, zeigen die neuen Modelle Lexus IS300h und Infiniti Q50 beispielhaft. Der Q50 gibt sich bewusst nonkonformistisch, als Premiumalternative mit Öko-Touch. Doch das Fahrerlebnis erfüllt nicht die Hoffnungen, die das markante Design, die Topausstattung und der Hybridantrieb geweckt haben. Der Q50 kostet 51 356 Euro, mobilisiert aber eine stramme Systemleistung von zusammen 364 PS. Die V6-Limousine ist ein Full-Hybrid, die nur dann elektrisch fährt, wenn ihr danach ist. Nicht okay sind die Fahreigenschaften: knorpelige Federung, mäßige Richtungsstabilität, bei hoher Beanspruchung wenig überzeugende Bremse, unbefriedigende Lenkung.

Der Lexus RCF auf der NAIAS 2014.

Das Interesse ist da - doch überzeugen kann auch Lexus nicht. Im Bild: Der 2015 Lexus RCF auf der NAIAS 2014.

(Foto: AFP)

Auch der Lexus enttäuscht, trotz bester Verarbeitung, ausgefuchstem Infotainment und einem relativ günstigen Einstiegspreis von 36 700 Euro. Der 2,5-Liter-Benzinmotor ist ein vierzylindriges Raubein, die stufenlose Dehnbandautomatik vermittelt erst unter Last einen Hauch von Dynamik, die hölzerne Bremse ist schlecht zu dosieren und weder kräftig genug noch besonders standfest, der leichtgängigen Lenkung fehlt es an Rückmeldung. Der 300h verbraucht in der Praxis rund drei Liter mehr als die angegebenen 4,3 l/ 100 km, aber er kann wenigstens auf Knopfdruck ein paar Kilometer weit elektrisch fahren. Was der IS300h auch kann, ist ordentlich federn und sauber geradeaus laufen. Also Q50 S oder IS 300h? Die Antwort heißt: Nein, danke, weder noch.

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