Leslie Mandoki:"Der finale Sound ist wesentlich luftiger"

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Für Mandoki ist es der Einstieg in die Welt der Auto-Klänge. Die Stereo-Anlage im kommenden Golf VIII entwickelte sein Team mit. Wie die Boxen positioniert sind, wie sie klingen, welche Frequenzen durchkommen, welche nicht. Klingeltöne, kleine Melodien, seine Sounddesigner sind mittlerweile bei fast allen wichtigen Projekten von Volkswagen beteiligt, wenn es um Klangästhetik geht. Wie bei der ID-Reihe. Zurück in Mandokis Büro hält Projekt-Assistent Fabian Muschelknautz einen unscheinbaren schwarzen Plastikwürfel mit einem Gitter an der Vorderseite hoch - der Lautsprecher, der im ID3 das Fahrgeräusch nach außen überträgt. Den haben die Red Rock Studios mitentworfen, damit er so beschaffen ist, dass er alle gesetzlichen Vorgaben in unterschiedlichen Ländern erfüllt - und trotzdem gut klingt. Er sitzt im Luftansaugschacht an der Front, die Crash-Sicherheit lässt nur wenige Optionen zu. Eine hoch diffizile Aufgabe: Der Speicherplatz für das Fahrgeräusch ist gering, es darf nur 0,5 Sekunden lang sein. Das Sample wiederholt sich in Dauerschleife. Bloß, warum all dieser Aufwand? Warum soll jedes Elektroauto einen eigenen Klang besitzen?

"Weil irgendwann 40 davon an der Ampel stehen werden, die sich unterscheiden müssen", erklärt Leslie Mandoki. "Schon allein aus Sicherheitsaspekten." Das Knattern und Brummen eines konventionellen Antriebs mag zwar mitunter nervig sein, aber zumindest hören Fußgänger, wenn sich ein Auto nähert. Ein Stromer bewegt sich bei niedrigen Geschwindigkeiten fast lautlos vorwärts. Deswegen müssen laut einer Verordnung des Europäischen Parlaments Hybrid- und Elektrofahrzeuge seit dem 1. Juli 2019 bis 20 km/h "mittels eines Schallzeichens Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer auf die Anwesenheit des Fahrzeugs aufmerksam machen". Der zweite Teil der Wahrheit ist: Die Kunden sollen wissen, da fährt ein VW. In einer Zeit, in der Autos immer gleichförmiger aussehen, in der die Markenkerne verschwimmen, lassen sie sich zumindest noch durch den Klang unterscheiden. 52 Sounds besitzt der ID3 allein im Innenraum - plus sein markantes Fahrgeräusch.

Wie das genau klingt, wollen Mandoki und sein Projekt-Assistent dann aber doch nicht verraten. "Der finale Sound ist wesentlich luftiger und hat nicht diesen dröhnenden, schleifenden Charakter", erklärt Fabian Muschelknautz. Das Beispiel aus dem Kino ist nur der erste Entwurf. Eine Frage aber bleibt noch: Wenn Mandoki die Umweltverschmutzung und die Versäumnisse seiner Generation anprangert, sogar sein neues Album diesem Thema gewidmet hat, warum steht immer noch ein Audi A8 vor seiner Tür? "Das sagt meine Tochter auch immer", sagt er gequält. "Aber nicht mehr lange. Nächste Woche kommt der neue E-Tron." Ein SUV zwar, aber immerhin ein Elektroauto. Das dürfte auch die Tochter zufriedenstellen.

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