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Lastwagen-Platooning:Lkw-Fahren wie am Schnürchen

Ein LKW von MAN auf einer Landstraße

Vernetzung macht's möglich: Der Abstand zwischen den beiden Lastwagen beträgt nur zwölf bis 15 Meter.

(Foto: WGM; MAN)

Ab April pendelt ein vernetzter Lastwagen-Konvoi mit minimalem Sicherheitsabstand über die A 9. Dieses Platooning soll Sprit und Verkehrsraum einsparen. Doch selbst die Spediteure sind skeptisch.

Wer von April an auf der Autobahn 9 zwischen München und Nürnberg unterwegs sein wird, der könnte Zeuge eines interessanten Forschungsprojekts werden. Der Lkw-Hersteller MAN und der Logistikdienstleister DB Schenker schicken zwei Lkw im "Platoon" auf die Straße, in einem digital vernetzten Konvoi. Die Trucks werden per Funk gekoppelt und fahren im Abstand von nur zwölf bis 15 Metern hintereinander her. Der Fahrer im ersten Truck steuert den Folge-Lkw quasi mit; der Fahrer hinten überwacht nur noch die Technik - und greift im Notfall ein.

Irgendwann, so die Hoffnung der Techniker, könnten nicht nur zwei, sondern drei, vier oder fünf Lkw zusammengespannt werden, aufgereiht wie an einer Schnur. Denn: "Autonomes und vernetztes Fahren wird den Straßengüterverkehr in Zukunft grundlegend verändern", glaubt MAN-Vorstand Frederik Zohm. Mit dem Test-Konvoi sollen nun weitere Schritte dahin gegangen werden.

Der Begriff Platoon stammt aus der Armeesprache und meint einen militärischen Zug. Mitte der Achtziger brachte der Regisseur Oliver Stone einen gleichnamigen Antikriegsfilm heraus. Fahren die Lkw künftig im Gespann mit verringertem Abstand, können sie den Windschatten besser ausnutzen, so die Idee. Der Spritverbrauch sinkt. Bei MAN und DB Schenker rechnen sie mit Einsparungen von durchschnittlich zehn Prozent. Zudem könnte der Raum auf den überfüllten Autobahnen besser genutzt werden, sagt MAN-Entwickler Walter Schwertberger.

Bislang schreibt die Straßenverkehrsordnung Lkw-Fahrern einen Mindestabstand von 50 Metern auf der Autobahn vor. "Bei zwei Lkws, die in Kolonne fahren, macht das noch nicht viel aus", sagt Schwertberger. Sollten aber irgendwann mal 60 oder gar 70 Prozent aller Trucks auf den Autobahnen per Digitalkonvoi enger zusammenrücken, "sieht das anders aus". Die Bundesregierung erwartet, dass der Straßengüterverkehr bis 2030 um 40 Prozent wächst. Platooning könne helfen, dieses Wachstum in den Griff zu bekommen, argumentieren die Hersteller.

Wie werden die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren?

Noch aber stehen die Entwickler am Anfang. Dass die Technik grundsätzlich funktioniert, haben sechs Hersteller 2016 bei einer Sternfahrt gezeigt. Mehrere Lkw-Gespanne rollten damals quer durch Europa nach Rotterdam. Die Technik funktionierte bei allen Teilnehmern ähnlich: Per Wlan sind die Trucks eines Platoons verbunden, Radar- und Lasersensoren sowie Kameras erfassen das Umfeld, während der Fahrt kommunizieren die Systeme untereinander. Bremst der Fahrer im ersten Lkw ab, wird der Impuls binnen weniger Millisekunden an die Folge-Trucks übermittelt - und deren Tempo dank der eingebauten Assistenzsysteme automatisch reduziert.

Der Versuch auf der A 9 soll nun zeigen, ob all das auch im Echtbetrieb mit normalen Lkw-Fahrern am Steuer funktioniert. Und auf einer dicht befahrenen deutschen Autobahn. Die Frage dabei wird sein: Wie reagieren andere Verkehrsteilnehmer auf die eng gestaffelten Brummis? Denn davon hängt ab, wie oft der digital verbundene Lastwagen-Konvoi wieder entkoppelt werden muss. Je öfter dies geschieht, desto weniger Einsparungen beim Spritverbrauch lassen sich am Ende realisieren.