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Krisenmanagement beim ADAC:Ex-Verfassungsgerichtspräsident wird Berater

Das ADAC-Hauptgebäude in München

Externe Berater sollen den ADAC helfen, den Weg aus der Krise zu finden. Im Bild: das Hauptgebäude des Clubs in München.

(Foto: Getty Images)

Der ADAC will sich in seiner tiefen Krise von außen beraten lassen. Nach UNICEF-Deutschland-Chef Heraeus rückt auch der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier in den Beirat des Autofahrerclubs.

Der ADAC hat ein weiteres prominentes Mitglied für seinen Beirat benannt. Der frühere Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier soll den Autofahrerclub bei den anstehenden Veränderungen beraten. Nach dem Vorsitzenden von UNICEF Deutschland, Jürgen Heraeus, ist Papier das zweite Mitglied des neuen Gremiums. "Ich möchte dazu beitragen, dass der Reformprozess gelingt und der ADAC seine Glaubwürdigkeit und damit seine Rolle in der Gesellschaft zurückgewinnt", sagte Papier laut Mitteilung vom Freitag.

Der 70-Jährige stand von 2002 bis 2010 an der Spitze des Karlsruher Gerichts. "Der ADAC hat sich einem Neuanfang verschrieben. Neben den anstehenden Reformen muss Transparenz und Offenheit gelebt werden. Nur so kann verloren gegangenes Vertrauen zurück gewonnen werden", sagte der Jurist weiter.

Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgericht, Hans-Jürgen Papier wird künftig den ADAC beraten.

(Foto: dpa)

Neuanfang mit einem Zehn-Punkte-Plan

Der ADAC hatte am Montag eingeräumt, dass bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" 2014 auch die Rangfolge gefälscht worden war. Kommende Woche sollen weitere Ergebnisse der Untersuchung über frühere Jahre vorgelegt werden. Der ADAC selbst will angesichts der Wucht der Vorwürfe in den vergangenen Wochen und dem Abgang von Präsident Peter Meyer mit einem Zehn-Punkte-Plan einen Neuanfang für den Verein mit fast 19 Millionen Mitgliedern schaffen.

Diese Reformen sollen unter anderem in mehreren Arbeitsgruppen vorbereitet werden. Der Beirat unterstützt den Club in diesem Prozess mit Sachverstand von außen. Über die Maßnahmen soll eine Hauptversammlung in der zweiten Hälfte 2014 entscheiden.

Brilliance wurde nicht absichtlich schlechter dargestellt

Unterdessen widersprach der ADAC einem Bericht, wonach der Club Fahrzeuge des chinesischen Herstellers Brilliance bei einem Test absichtlich schlechter dargestellt habe. "Die Behauptung des Bayerischen Rundfunks, das chinesische Fahrzeugmodell Brilliance BS4 hätte beim ADAC Crashtest im Jahr 2009 null Sterne erhalten - bei den Partnerclubs in Österreich, der Schweiz und in den Niederlanden jedoch drei Sterne - ist falsch", sagte eine Sprecherin am Freitag.

In Wahrheit sei im Februar 2009 die unabhängige EuroNCAP-Norm für Unfalltests verschärft worden. Das war den Herstellern zuvor bekannt. "Beim durchgeführten ADAC Crashtest erreichte der Brilliance BS 4 nach alter Norm drei Sterne, nach neuer Norm jedoch null Sterne."

Dieses Ergebnis habe der ADAC auch so veröffentlicht und es sei auch von den Partnerclubs in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden übernommen worden, die selbst keine Crashtest machten.

© SZ.de/dpa/Stefan Raabe/reek
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