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Kooperation Daimler und BYD:Um aus der Krise zu kommen, investiert BYD stark in die Entwicklung herkömmlicher Autos

Visionen, vor allem darum geht es bei den deutsch-chinesischen Zukunftsplänen. China galt bis vor einigen Wochen als das Land, in dem sich die Elektromobilität als Erstes flächendeckend durchsetzen würde. Dann bremste der Chef selbst die Euphorie. "Die Entwicklung von Elektroautos hat gerade erst begonnen", schrieb Regierungschef Wen Jiabao in seiner Parteizeitung. Und er sei sich nicht so sicher, ob sich diese Fahrzeuge am Ende durchsetzen würden.

Aus China: Great Wall

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Viele dachten da, sie hörten nicht richtig. Denn bislang klang das anders: Bis 2020 sollen fünf Millionen elektrisch betriebene Autos über Chinas Straßen rollen, Hybridfahrzeuge inbegriffen. So steht es übrigens auch im 12. Fünfjahresplan der Regierung in Peking.

Die Realität auf den Straßen aber ist eine andere: Von Mitte 2010 bis 2011 wurden auf dem größten Automarkt der Welt gerade mal 800 Elektroautos verkauft. Zu teuer, zu unzuverlässig, zu geringe Reichweite. Und selbst wenn es die richtigen Autos gäbe: Es fehlt überall an Tankstellen und Reparaturbetrieben für E-Fahrzeuge.

So mancher Beobachter befürchtet bei BYD bereits den großen Sprung nach hinten. Denn der Akku- und Autobauer investiert in diesem Jahr hohe Summen in die Entwicklung herkömmlicher Fahrzeuge. Um aus der Krise zu kommen, arbeitet das Unternehmen an einer generalüberholten Flotte, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. Alle Modelle vom Gelände- bis zum Kleinwagen werden dann wahlweise mit Hybridmotor ausgeliefert. Von wegen Elektro.

Von Stuttgart schaut man genau nach Shenzhen, wo gemischte deutsch-chinesische Arbeitsgruppen im Forschungs- und Technologiezentrum am großen Wurf arbeiten. Die Zusammenarbeit laufe gut, heißt es in Stuttgart. Abends gingen Chinesen und Deutsche gemeinsam zum Essen und Trinken. "Das ist gut für das Klima", sagt man bei Daimler.

71 Millionen Euro investieren die beiden Unternehmen; 2013 soll das gemeinsam entwickelte Elektroauto dann auf den chinesischen Markt kommen. 2013 kommt dann auch BMW mit seinem E-Auto i3, genannt Megacity Vehicle. Nur: Der i3 ist, anders als das Gemeinschaftsprojekt aus China, schon zu sehen.

"Wir sind ähnlich weit" heißt es dazu bei Daimler. "Da ist schon ein richtiger Druck drauf." Allerdings handele es sich in China um "deutlich verkürzte Entwicklungszyklen". Mit anderen Worten: Der China-Stromer wird schneller entwickelt als ein Elektroauto für den europäischen Markt.

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau blieb der Daimler-Chef vor einigen Tagen betont gelassen. BYD leide gerade unter "typischen, erheblichen Wachstumsschmerzen", so Zetsche. "So wenig wie BYD in der ersten Phase über Wasser laufen konnte - so wurde es zum Teil ja dargestellt -, so wenig sind die Manager jetzt alle Versager", sagte er.

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