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Kompaktklasse-Vergleichstest:Der Hyundai i30 ist fast so gut wie der VW Golf

Hyundai i30 und VW Golf 7 Facelift

Der neue Hyundai i30 (links) kostet mindestens 17 450 Euro. Der gerade aufgefrischte VW Golf ist 400 Euro teurer.

(Foto: Fotos: Hyundai, VW; SZ-Collage: Alper Özer)

Und zudem deutlich billiger. Im Vergleichstest zeigt sich, wie schnell die Koreaner bei Technologie, Design und Ausstattung aufgeholt haben.

Martin Winterkorn, der ehemalige VW-Chef, ist zwar längst Geschichte, verschluckt vom VW-Dieselskandal. Aber weil das Internet nichts vergisst, kann man Winterkorn auch heute noch auf einem verwackelten Youtube-Video sehen, das aus dem Jahr 2011 stammt. Winterkorn inspizierte damals auf der Automesse IAA in Frankfurt den Hyundai i30, den koreanischen Rivalen des VW-Erfolgsmodells Golf. Und das Video zeigt, wie der sichtlich mürrische VW-Chef die Lenkradverstellung des Konkurrenten auf- und zuschnappen lässt und dann sagt: "Da scheppert nix." Dass der Boss das nicht einfach anerkennend meinte, bekam die um Winterkorn herumwieselnde VW-Entourage umgehend mit. "Warum kann's der? BMW kann's nicht, wir können's nicht, warum kann's der?"

Hyundai hatte damals die zweite Generation des i30 präsentiert, und es ist ein netter Gedanke, was Winterkorn heute sagen würde über die neue, dritte Generation des i30. Nachdem die höherwertigen Varianten seit Januar zu haben sind, kommen die Basisversionen in diesen Tagen zu den Händlern. Und damit steht eine neue Runde im Duell mit dem Golf an. Ist es ein ungleiches Rennen? Oder ist es inzwischen ein Kampf auf Augenhöhe?

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Der aufgefrischte Golf mit neuem Motor und neuen Assistenzsystemen verleitet zum Spielen. Doch im Stau kommt die Enttäuschung.

Wenn es nur um die Verkaufszahlen geht, braucht man nicht zu reden. Der Golf ist ein Monument, der ewige Primus in seinem Segment. Weltweit wurden seit 1974, als der erste Golf auf den Markt kam, mehr als 33 Millionen Exemplare verkauft. Wenn von Autos in der Größe des Golf die Rede ist, spricht kaum einer von Kompaktklasse oder gar von C-Segment. Es heißt Golf-Klasse, und jeder weiß dann sofort, was gemeint ist. Zumindest auf dem deutschen Markt hat sich noch jeder Konkurrent an dem Wolfsburger die Zähne ausgebissen, egal ob er aus Asien oder Europa stammte oder auch von einer der Marken des eigenen Konzerns.

Jetzt unternimmt Hyundai einen neuen Anlauf, diese Vormachtstellung zu erschüttern. Die SZ hat deshalb beide Autos verglichen, den neuen i30 gegen den gerade erst überarbeiteten Golf der siebten Generation. Gefahren wurde auf der gleichen Strecke, am gleichen Tag, unter den gleichen Bedingungen. Eine Mischung aus Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße auf zum Teil sehr holprigen Pisten. Und auch die beiden Modelle, zwei Benziner, waren absolut vergleichbar. Hier der Golf 1,5-Liter TSI ACT mit 150 PS und Doppelkupplungsgetriebe, dort der Hyundai i30 1,4-Liter T-GDI mit 140 PS, ebenfalls mit Doppelkupplungsgetriebe. Der Testgolf hatte die höchste Ausstattungslinie, Highline, der Hyundai die zweithöchste, Style.

Nuancen machen den Unterschied

Optisch ist der Golf wie ein alter Gefährte, an dessen Anblick man sich gewöhnt hat, auch weil man ihn so häufig sieht. Natürlich hat sich das Golf-Design im Laufe der Jahre verändert, aber das waren immer behutsamere Veränderungen, bei denen man manchmal ganz genau hinsehen musste. Hyundai hat dagegen das Design des i30 radikal verändert, der Wagen wirkt wie ein völlig neues Auto und nicht nur wie die Weiterentwicklung eines Vorgängers. Das Team um den deutschen Chefdesigner Peter Schreyer hat ein optisch gelungenes, ja man muss sagen: ein schönes Auto entwickelt, das, anders als die meisten Japaner, den europäischen Geschmack treffen dürfte. Und damit dem Umstand Rechnung trägt, dass Design bei der Kaufentscheidung immer wichtiger wird.

Von den Fahrleistungen her liegen beide Autos im Grunde gleichauf, dass der Golf zehn PS mehr und auch beim Drehmoment einen leichten Vorsprung hat (250 zu 242 Newtonmeter), merkt man auf der Straße nicht. Das gilt auch für die Fahrwerke. Beide lassen sich im Kurvengeschlängel spielend leicht dirigieren und schlucken die vielen Unebenheiten der Straße problemlos. Der Golf vielleicht noch einen Tick besser, denn seine fünf Fahrmodi bieten auch die Stufe Comfort. Hingegen wirkt der Hyundai, der über drei Modi verfügt, im Modus Sport etwas agiler und bissiger als sein deutscher Rivale. Auf der Autobahn spielt wiederum der Golf sein Plus an Komfort aus, er ist leiser, der Hyundai fällt hier ab, wozu auch die störenden Abrollgeräusche seiner Reifen beitragen. Hier könnte womöglich ein Wechsel der Erstbereifung helfen (der Testwagen war mit Michelin Primacy 3 ausgerüstet, der Golf fuhr auf Dunlop Sport Maxx).