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Kommunikation:Hallo, hallo, wie sieht es aus da vorne?

CB-Funk gehörte einst in jeden Lastwagen, vor allem, wenn sie auf langen Strecken unterwegs waren. Mittlerweile haben viele Trucker Smartphones. Was ist also aus dem CB-Funk geworden?

Von Fabian Hoberg / dpa

Frank Meersdonk und Günther Willers benutzten ihn in der TV-Abenteuerserie "Auf Achse", auch "Rubber Duck" alias Martin Penwald im Roadmovie "Convoy". Und selbst die Kinder Bömmel, Meikel, Claudia und Bohne lösten mit ihm in den "Funk-Füchse"-Jugendbüchern und -Hörspielen Kriminalfälle: der CB-Funk. CB steht dabei für "citizens band", meint also eine Art "Jedermannfunk" am oberen Ende der Kurzwelle und nicht-kommerziell.

Was in Serien, Kinofilmen oder Kinderbüchern der Siebziger- und Achtzigerjahre funktionierte, klappt noch immer. Das Kommunikationsmittel ist aktuell - trotz Smartphones und Internet. "Was heute Social Media ist, war vor über 40 Jahren der CB-Funk. Ein Ort, an dem sich Gleichgesinnte über verschiedene Themen austauschen konnten", sagt Helmuth Bormann, Geschäftsführer der Stabo Elektronik GmbH. Stabo/President ist neben den Konkurrenten Albrecht/Midland und Team Electronic eine der bekannten Marken für CB-Funkgeräte in Deutschland.

Waren anfangs die Hauptabnehmer Hobby-CB-Funker, kamen Anfang der Achtzigerjahre Auto- und vor allem viele Lkw-Fahrer hinzu, die sich über Funk kostenlos, schnell und aktuell über die Verkehrssituation auf ihrer Strecke informieren konnten. Im Pkw hat mittlerweile das Handy den CB-Funk längst verdrängt. "Heute benutzen CB-Funk ausschließlich Lkw-Fahrer im Fernverkehr, die lange unterwegs sind", sagt Helmuth Bormann. Sie informieren sich per CB-Funk unter anderem über die Strecke, über mögliche Polizeikontrollen, freie Parkplätze, Schlafplätze oder Restaurants. Anders als beim Smartphone können Nutzer über den CB-Funk gleich zu mehreren sprechen, wenn auch nur abwechselnd und nicht gleichzeitig. Zudem sei "auf längeren Fahrten die Unterhaltung über Funk für viele Trucker eine willkommene Abwechslung zum Radio", ergänzt Bormann.

Social Media für Trucker: Was aus dem CB-Funk geworden ist

Ein neues CB-Funkgerät ist bereits ab etwa 40 Euro zu haben.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Mit dem CB-Kurzstreckenfunk können je nach Gerät, Wetter und Sonnenfleckenaktivität Teilnehmer über Distanzen bis hin zu mehreren Tausend Kilometern miteinander sprechen. Internetbasierte Verkehrsdienste übermitteln solche Infos heute zwar schneller und zuverlässiger, doch alle Bereiche decken die Dienste längst nicht ab. Daher ist der CB-Funk bei Lkw-Fahrern nicht ganz ausgestorben.

So nutzen viele Trucker CB-Funk immer noch, um sich über die eigene, spezielle Strecke zu informieren. "Auch bei den Ladestationen oder großen Speditionen funken sie sich an, um nicht immer aussteigen zu müssen", erklärt Jörn Hofmann von Bensons Funktechnik in Hamburg. Statt mühsam eine Handynummer vom Gesprächspartner zu suchen, wählen sie einfach den passenden CB-Funk-Kanal.

Bis Anfang der Neunzigerjahre setzten Verkehrsteilnehmer über CB-Funk auch noch Notrufe ab und forderten Pannenhelfer an. Der Funk diente damals als Telefonersatz. Im Juli 1975 wurde in Deutschland der CB-Funk für die Allgemeinheit freigegeben, zunächst für zwölf Kanäle AM (Amplitudenmodulation) und 0,5 Watt Sendeleistung. Drei Jahre später kam noch FM (Frequenzmodulation) dazu, das weniger störanfällig ist und einen höheren Dynamikumfang bietet. 1981 waren 22 Kanäle FM erlaubt, 1984 sogar 40 Kanäle FM mit vier Watt Sendeleistung und ein Watt für AM-Kanäle. Seit 1996 dürfen CB-Funkgeräte 80 Kanäle FM und 12 Kanäle AM bereitstellen. "Den meisten CB-Funkern reichen aber weniger Kanäle, die nutzen ganz bestimmte", sagt Hofmann. Dort wissen sie, dass sie auf Gleichgesinnte treffen.

Social Media für Trucker: Was aus dem CB-Funk geworden ist

Auch heute noch nutzen viele Lkw-Fahrer den CB-Funk, um sich über Staus oder die Parkplatzlage auf den Raststätten zu informieren.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Die meisten deutschen Trucker verwenden Kanal 9 AM, ihre tschechischen Kollegen funken meist auf 10 FM, die polnischen auf 28 AM und niederländische sowie dänische Trucker auf 19 FM. Türkische Fahrer nutzen den Kanal 21 FM. "Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so eingebürgert, warum, weiß keiner so genau", sagt Hofmann. Autofahrer nutzen CB-Funk heute eher selten bis gar nicht mehr. Dabei kosten neue Geräte nicht viel: Ab etwa 40 Euro gibt es CB-Funkgeräte, dazu kommt noch eine Antenne. Anmeldung oder Gebühren gibt es nicht.

Förderung vom Staat

Für Jürgen Schönberger von Josefs Funkladen aus Wittibreut bei Passau liegen die Vorteile des CB-Funks in der Unabhängigkeit von Drittanbietern wie Netz-, Strom- oder Satellitenbetreibern. "Zum CB-Funken benötige ich lediglich ein CB-Funkgerät, eine Antenne und Strom über eine Batterie. Damit können CB-Funker kilometerweit ohne Gebühren oder Zusatzkosten kommunizieren", sagt er. Fast alle schweren Lastwagen über 7,5 Tonnen für den Fernverkehr hätten CB-Funk an Bord.

Neben Truckern setzen auch immer wieder Wohnmobilisten auf CB-Funk, um sich untereinander einfach, günstig und schnell zu verständigen. Hinzu kommt: "Technikbegeisterte Autofahrer entdecken den CB-Funk wieder, setzen sich mit neuen Geräten und Antennen auseinander und experimentieren für den besten und weitesten Empfang", so Schönberger.

Umstellen müssen sich Nutzer im Fahrzeug seit dem 1. Juli 2020. Seitdem dürfen die Mikrofone nicht mehr in der Hand gehalten werden, ähnlich wie beim Smartphone. Bis 1. Januar 2021 wird es zwar von der Polizei noch nicht geahndet, danach drohen aber Bußgelder. Mit Headsets, Krawatten- oder Schwanenhals-Mikrofonen können CB-Funker aber künftig trotzdem auch während der Fahrt weiter plauschen.

Interessant für Trucker: Über das De-Minimis-Programm werden im Güterverkehr mit schweren Nutzfahrzeugen CB-Funk-Geräte staatlich gefördert, da sie die Sicherheit erhöhen. "Einige wichtige Infos wie die Anzahl von freien Parkplätzen an Raststätten erhalten Trucker schneller über CB-Funk", sagt Bormann. Denn wer schneller einen Schlafplatz findet, kann mit größerer Wahrscheinlichkeit seine Ruhezeiten einhalten und anschließend konzentrierter und hoffentlich unfallfrei weiterfahren.

© SZ vom 24.10.2020

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