Kommentar Rauf aufs Rad

Felix Reek fährt gern und viel Rad – und wundert sich stets, warum das nicht mehr Menschen tun.

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Viele Städte ersticken im Autoverkehr, Lärm und Abgase belasten die Bewohner. Um in Zukunft mobil zu bleiben und gleichzeitig die Städte lebenswert zu erhalten, gibt es nur einen Weg: Die Verkehrspolitik muss das Fahrrad stärker fördern.

Von Felix Reek

Sagen wir, wie es ist: Das urbane Verkehrsmittel der Zukunft ist längst da. Es ist nicht das E-Auto, auch nicht der öffentliche Nahverkehr. Wir kennen es seit 200 Jahren: das Fahrrad. Den Beweis dafür liefert jeden Tag die Rushhour in einer beliebigen Großstadt. Da schleichen dann Fahrzeugkolonnen von einer Ampel zur nächsten. Bei jeder Grünphase schieben sich die Autofahrer an den Radfahrern vorbei. Um bei der nächsten roten Ampel wieder von ihnen überholt zu werden. Wer da nicht kapiert, dass er mit dem Rad genauso schnell, vielleicht sogar schneller unterwegs sein könnte, dem ist wirklich nicht zu helfen.

Trotzdem sind Radler noch immer nicht im Fokus der Verkehrsplanung. Und das, obwohl sie im Gegensatz zu Autos weder die Straßen verstopfen noch die Luft verpesten. Laut Umweltbundesamt spart jeder Berufspendler, der täglich fünf Kilometer zur Arbeit hin- und zurückfährt, pro Jahr 350 Kilogramm CO₂-Emissionen ein - wenn er aufs Auto verzichtet. Hochgerechnet auf Deutschland könnte eine Stärkung des Radverkehrs bis zu acht Prozent CO₂ einsparen.

Einen Schritt in die richtige Richtung unternimmt jetzt Berlin: Auf der Karl-Marx-Allee entsteht eine bis zu vier Meter breite Extraspur nur für Radfahrer. Sie ist durch Poller und Parkplätze von der Straße getrennt. Acht Radwege dieser Art sind geplant, irgendwann sollen sie in Berlin der Standard an Hauptstraßen sein. Der Vorteil: Auf separaten Wegen kommen sich Rad- und Autofahrer nicht in die Quere. Das ist für alle sicherer und könnte Menschen ermutigen, ihr Auto stehen zu lassen und aufs Rad zu steigen.

Städte wie Kopenhagen und Amsterdam zeigen, wie es geht

Kopenhagen und Amsterdam zeigen, dass das funktioniert. Der Anteil der Radler am Verkehr beträgt dort 29 beziehungsweise 32 Prozent. In Berlin sind es nur 15, in München 18 Prozent. Genau aus diesem Grund fordern Interessenverbände seit Jahren mehr Investitionen in die Radinfrastruktur. Doch es passiert noch immer zu wenig. Im gerade vorgestellten Masterplan zur Luftreinhaltung in München etwa ist das Fahrrad in der Prioritätenliste wieder nach hinten gerutscht.

Einige Pilotprojekte gibt es aber. Im Ruhrgebiet entsteht ein Radschnellweg, vier Meter breit, kaum Kreuzungen, wenige Steigungen: eine "Fahrradautobahn". Bis 2020 soll sie 100 Kilometer lang sein. Ohne Autos und Fußgänger. Geplant sind solche Radschnellwege überall in Deutschland. Berlin will eine Vorbildfunktion einnehmen und von 2019 an 51 Millionen Euro pro Jahr in die Fahrradinfrastruktur investieren. Von einer Verkehrswende ist man aber noch immer weit entfernt: Der Bund zum Beispiel steckt jährlich nur 25 Millionen in die Radschnellwege. Wie wenig das ist, zeigt ein simpler Vergleich: Der Ausbau der A 1 im Bereich Hamburg-Harburg allein kostet 74 Millionen Euro. Pro Kilometer.