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Kolumne:Brücke weg? Schild hin!

Man radelt entspannt dahin auf dem Öchsle-Radweg in Oberschwaben. Und dann fehlt plötzlich diese Brücke über den Bach. Und an eine Beschilderung für die Umleitung hat auch keiner gedacht. Wäre das einem Autofahrer wohl auch passiert?

Die Strecke ist traumhaft, das Wetter dazu bombig. Zwischen Warthausen bei Biberach und Ochsenhausen verläuft der Öchsle-Radweg auf wenig befahrenen Sträßchen, in weiten Teilen strampelt man auf einem sauber asphaltierten Band dahin zwischen saftigen Wiesen und gerade abgeernteten Äckern. Wenn man Glück hat, schnauft nachher auf der nahen Schmalspurbahn noch das "Öchsle" vorbei, im November 1899 eröffnet, vom Landkreis und den Anliegergemeinden betrieben, an den Wochenenden von Mai bis Mitte Oktober mit einer Dampflok befahren.

Dann aber stoppt ein rot-weiß-schraffiertes Absperrgitter die Weiterfahrt der Radler. Zwischen Maselheim und Wennedach rauscht die Dürnach durchs Tal. Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den kleinen Bach ist nicht mehr vorhanden. Zwei schwere Überschwemmungen im Sommer 2016 hatten den Übergang weggespült, so ist bei der Gemeindeverwaltung zu erfahren. Seither nun kümmert sich das Bauamt um ein Ersatzbauwerk. Doch bislang ist nichts geschehen - unter anderem gab es wohl Streit um die Finanzierung. In Kürze aber, so heißt es aus dem Rathaus, soll mit dem Neubau begonnen werden. Bis zum Beginn der Radfahrsaison 2018 soll die Überführung wieder stehen.

Bis dahin allerdings, und das kann man sicher prognostizieren, werden sich Ortsunkundige noch ärgern. Denn obwohl die Brücke nun seit mehr als einem Jahr nicht mehr steht, fehlt bis heute ein Hinweis auf eine Umleitung. Ein Schild, ein paar Hundert Meter vorher angebracht, würde Radfahrern wie Fußgängern rechtzeitig ankündigen, dass die Brücke nicht mehr existiert - und sie auf die nahe Kreisstraße dirigieren. Das würde ihnen ersparen, den Weg mehrmals zu absolvieren - erst bis zur Brücke, dann wieder zurück. Und dann auf der nahen Kreisstraße im zweiten Anlauf endlich rüber über den Bach.

Jede Wette: Hätten die Hochwasser 2016 eine breite Straßenbrücke hinweggespült, und wäre sie auch noch so klein und unbedeutend, die Planer hätten sofort und umfassend eine Umleitung ausgeschildert. Bei Fußgängern und Radfahrern aber kommt da irgendwie keiner drauf.

© SZ vom 21.10.2017
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