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Autobranche:Der Dieselabsatz brach um 13 Prozent ein

Droht nach dem Dieseldauerskandal eine weitere Blamage als Klimasünder? Immer weniger Experten glauben, dass die deutschen Marken ihre CO₂-Ziele doch noch erreichen. Die Diskussion um Fahrverbote hat den Absatz von sparsamen Dieselneuwagen um gut 13 Prozent einbrechen lassen. Damit knickt auch "einer der Eckpfeiler für unsere CO₂-Strategie 2020" weg, klagt Klaus Fröhlich.

Ein anderer Eckpfeiler ist bei allen deutschen Marken die milde Hybridisierung: "Sukzessive werden 48-Volt-Systeme kommen. Bis 2020 werden sie aber noch einen geringen Beitrag leisten", sagte Fröhlich vor einem Jahr. Diese zögerliche Einführungs-Strategie könnte schon wieder Makulatur sein. Keiner kann auf eine Kostensenkung in langatmigen Entwicklungszyklen warten. Auch die Rechtfertigung, man sei halt von dem Kaufverhalten der Kunden (mehr SUV und Luxus, weniger Diesel) überrascht worden, wirkt wie eine Ausrede.

Denn die Branche reitet mit Hurra auf der SUV-Welle: Knapp jeder vierte Neuwagen ist mittlerweile ein schweres Hochdachauto. Bei BMW rollt schon jeder dritte Wagen als X-Modell vom Band: Seit 1999 hat die weißblaue Marke rund fünfeinhalb Millionen Allradfahrzeuge verkauft. X gilt auch 2018 als Erfolgsformel: Vom X2 über den X4 bis zum X7 rollen drei neue Sports Activity Vehicles an den Start. Ein neues BMW-Batteriefahrzeug steht in diesem Jahr nicht auf dem Programm. Audi bringt lediglich den e-tron quattro, während Mercedes-Kunden ein weiteres Jahr auf den ersten Groß-Stromer warten müssen.

Damit verspielt die deutsche Autoindustrie ihre Glaubwürdigkeit bei den Klimazielen. Und sie zockt bis zuletzt.

Die Stromer wirken als Feigenblatt

Weil mit Elektroautos kein Geschäft zu machen ist, setzen die Hersteller auf Staatshilfen. Berlin hat verstanden: Im Entwurf des Koalitionsvertrags ist von der Erhöhung der Kaufprämien für E-Mobile die Rede. Das macht die Stromer als Firmenwagen im Kostenvergleich wettbewerbsfähig. Auch beim geldwerten Vorteil, den Dienstwagennutzer versteuern müssen, will die künftige Bundesregierung deutliche Abschläge in Kauf nehmen: "Bei der pauschalen Dienstwagenbesteuerung werden wir für E-Fahrzeuge (Elektro- und Hybridfahrzeuge) einen reduzierten Satz von 0,5 Prozent des inländischen Listenpreises einführen." Die staatlichen Subventionen retten weniger das Klima als die Bilanzen der Autohersteller - die weiter an Spritschluckern prächtig verdienen.

"Durch die Entscheidung für oder gegen Elektroautos wird der Kunde darüber entscheiden, ob wir unser Klimaziel erreichen", sagt Audi-Chef Rupert Stadler treuherzig. Wer's glaubt. Die Stromer wirken als Feigenblatt - um die Fans mit Sprit im Blut um so ungenierter bedienen zu können. Auch Audi will die Palette der supersportlichen RS-Modelle massiv ausbauen.

© SZ vom 03.03.2018/harl
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