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Kleinwagen im Fahrbericht:Der neue Polo macht den Golf fast überflüssig

Neuer VW Polo ab Ende September im Handel

Der neue VW Polo kommt im Herbst in den Handel und kostet mindestens 12 975 Euro.

(Foto: Markus Heimbach/Volkswagen)

Volkswagens Neuer wächst und wird dadurch viel geräumiger. Trotz Hightech bei Assistenzsystemen und Motoren, präsentiert sich der Polo im Test als Auto alter Schule.

Was ist das meistverkaufte VW-Modell? Nein, nicht der Golf. Sondern der Polo. Diese Position soll die sechste Auflage konsolidieren, die von Herbst an beim Händler steht. Der Wechsel vom alten zum neuen MQB-Baukasten kostet VW netto zwar rund 400 Euro pro Auto. Dennoch liegen die Preise auf dem Niveau des Vorgängers: Die Einstiegsversion mit dem 65 PS Dreizylinder-Sauger kostet 12 975 Euro, für die vorläufig stärkste Ausführung mit 95 PS und allen Extras muss man etwas mehr als 20 000 Euro ausgeben.

Den Zweitürer hat der Vertrieb mangels Nachfrage gestrichen. Dafür kommt zum Modelljahr 2019 mit dem T-Cross auch in dieser Klasse ein Crossover. Zum Start sind nur drei Benziner lieferbar, doch bis Jahresende soll die Polo-Palette auf der gewohnt breiten Basis stehen. Erstmals sind ein 200 PS starker GTI und eine Erdgasvariante mit 90 PS mit von der Partie. Mitte 2018 komplettiert dann der 150 PS starke 1.5 TSI samt dem bald gesetzlich vorgeschriebenen Otto-Partikel-Filter (OPF) das Angebot.

Nur bei der Elektrifizierung ziert sich VW: Angedacht sind ein Mild-Hybrid und eine Plug-in-Variante, doch weil inklusive 48-Volt-Bordnetz ein margen-neutraler Mehraufwand von 1500 beziehungsweise 2000 Euro fällig wäre, könnte am Ende nur der PHEV mit einer E-Reichweite von 50 Kilometer übrig bleiben.

Der Polo VI ist länger, breiter, deutlich geräumiger und leider auch etwas schwerer geworden. Der um 9,2 Zentimeter gestreckte Radstand schafft mehr Beinfreiheit in Reihe zwei, der Kofferraum wächst von 280 auf 351 Liter. Der Raumvorteil des teureren Golf spielt im Alltag kaum eine Rolle.

Das Design könnte mutiger sein

Der Polo macht in der Stadt einen deutlich schlankeren Fuß, ist wendig und flink, beherrscht gegen Aufpreis alle gängigen Assistenzsystem-Tricks. Die Bedienung bereitet auch dann keine Probleme, wenn sich der Kunde die volle Elektronik-Dröhnung gönnt. Das vom Passat bekannte virtuelle Cockpit, der große Touchscreen mit den praktischen Annäherungssensoren, das intuitive Multifunktionslenkrad - alles logisch und durchdacht.

Der neue Polo ist trotzdem in mancher Hinsicht ein Fahrzeug alter Schule. Das Design könnte mutiger sein, die Inneneinrichtung gibt sich gediegen-konservativ statt zeitgeistig-cool, das Infotainment muss erst gegen Bezahlung auf Stand gebracht werden. Auf der Habenseite stehen die solide Verarbeitung, das niedrige Geräuschniveau und die ausgewogenen Fahreigenschaften. Auch dieser Polo bremst zuverlässig, federt geschmeidig, lenkt präzise und ist gutmütig. Wer gerne entspannt unterwegs ist, der liegt hier genau richtig.

Das Abgas der TDI-Aggregate wird ab sofort nachbehandelt

Mit den Motoren ist das so eine Sache. Der Diesel mit 80 oder 95 PS baut zwar nach wie vor mächtig Moment auf, aber die Laufruhe und der Klang sind eindeutig gestrig. Trotz gewisser Fortschritte im Kampf gegen Noxe und Partikel verbrauchte der Selbstzünder auf der Testrunde (50 Prozent Stadt, 50 Prozent Landstraße) laut Bordcomputer mit 5,7 Liter nur ein Zehntel weniger als der gleich starke Benziner. Besonders genügsam war der kleine 1.0 TSI mit 65 PS, der unter identischen Bedingungen mit 5,2 Liter auskam. Weil das Abgas der TDI-Aggregate ab sofort nachbehandelt wird, gibt ein Display Auskunft, wann der Adblue-Tank neu befüllt werden muss.

An Leistung fehlt es allenfalls auf dem Papier, nicht aber im wirklichen Leben, wo der neue Kleine aus Wolfsburg so souverän unterwegs ist wie ein Großer. Beste Voraussetzungen, der Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

© SZ vom 02.09.2017/harl
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