Kleinwagen im Fahrbericht Der neue Fiesta ist genau das Auto, das Ford jetzt braucht

Mit der sportlich angehauchten ST-Line-Ausstattung kostet der neue Ford Fiesta 17 800 Euro. Das Basismodell liegt bei 12 950 Euro.

(Foto: Ford)

Viele Modellvarianten, ein dynamischer Charakter und zahlreiche Assistenzsysteme: Der neue Ford Fiesta macht vieles richtig. Seine einzige Schwäche offenbart er im Innenraum.

Von Thomas Harloff, Valladolid

Frisches Blut, frischen Wind, frische Gedanken: Ford braucht all das, und zwar möglichst viel davon, denn bei der Modellpalette liegt einiges im Argen. Focus, Mondeo und Kuga sind konstruktiv im Rentenalter. Ka+, Ecosport und Edge wurden ursprünglich für Märkte mit einem deutlich niedrigeren Preisniveau entwickelt und überzeugen deshalb nur recht genügsame Käufer. Die Sportwagen Mustang und GT sind reine Imageträger ohne größere Stückzahlen dahinter. Die praktischen Vans haben zwar ihre Qualitäten, das Problem ist nur, dass heutzutage kaum noch jemand Vans kauft.

Bleibt der Fiesta, der am 8. Juli nach neun Jahren Bauzeit endlich einen Nachfolger bekommt. Von der neuen, komplett in Köln entwickelten und gebauten Fiesta-Generation Nummer acht, hängt viel ab. Eine große Belastung für einen Kleinwagen, dem Ford nicht nur eine sieben Zentimeter längere Karosserie spendiert hat, sondern der auch in zahlreichen Varianten angeboten wird. Es gibt ihn mit drei oder - für 800 Euro extra - fünf Türen, mit fünf Ausstattungslinien und vom Frühjahr 2018 an in einer im Offroad-Style beplankten Active-Variante und als sportliche ST-Version mit 200 PS. 25 Ausstattungspakete und zwölf Karosseriefarben lassen die Freunde umfassender Individualisierung jubeln. So viel Auswahl ist in dieser Klasse selten.

Kleinwagen im Fahrbericht

Der neue Ford Fiesta in Bildern

Mit 12 950 Euro ist das Basismodell Trend angesichts des nur 70 PS starken Dreizylindermotors selbstbewusst eingepreist, aber ordentlich ausgestattet. Fast 2000 Euro teurer ist die Cool-&-Connect-Ausstattung mit Infotainmentsystem samt üblicher Konnektivitätsmöglichkeiten (Apple Carplay und Android Auto) sowie 6,5-Zoll-Touchscreen und Parkpiepser hinten. Darüber rangiert der Titanium, der mit etwas Chrom und 16-Zoll-Felgen außen und mit ein wenig Leder auch innen etwas hübscher ist als die günstigeren Varianten. Er startet mit einem 85-PS-Motor bei 17 050 Euro. Im Herbst folgen die sportlich ausgerichtete Ausstattungsvariante ST-Line und die betont luxuriöse Vignale-Version.

Vielfalt gibt es nicht nur bei der Ausstattung, sondern auch bei den Motoren. Die drei Triebwerke kommen in sieben Leistungsstufen zum Einsatz. Als Basis dient ein Dreizylinder-Benziner mit 70 oder 85 Sauger-PS. Darüber rangieren ein Dreizylinder-Turbo mit 100, 125 oder 140 PS und der Vierzylinder-Turbodiesel mit 85 oder 120 PS. Ford zufolge greifen 40 bis 45 Prozent aller Fiesta-Kunden zum 100 PS starken Turbobenziner mit einem Liter Hubraum und drei Zylindern. Er ist der einzige Ottomotor, der sich mit jeder Ausstattungslinie und einer Sechsgangautomatik kombinieren lässt.

Benziner und Diesel mit unterschiedlichen Charakteristika

Schade, dass er bei der Präsentation des Autos in Valladolid nicht zur Verfügung stand. Ford hat leider nur die aktuellen Top-Modelle mit nach Nordwestspanien gebracht: den 140-PS-Benziner und den 120-PS-Diesel. Beide Triebwerke sind vergleichsweise leise und kultiviert. Das typische Dreizylinder-Knurren oder das charakteristische Diesel-Nageln nimmt nur wahr, wer ganz genau hineinhorcht.

Der Benziner hat nichts gegen Drehzahlen einzuwenden. Er liefert sein maximales Drehmoment von 180 Newtonmetern bis 5000 Umdrehungen, reagiert spontan aufs Gaspedal und verleitet wie so viele Dreizylinder zum sportlichen Fahren. Der Diesel ist der gelassenere Motor. Unter 1500 Touren geht wenig, aber darüber dank maximal 270 Newtonmetern eine Menge. Allerdings knickt er früh wieder ein, sodass es sich im niedrigen Drehzahlbereich flott cruisen lässt. Beim Verbrauch lagen die Motoren während der Testfahrt eng zusammen. Beim Benziner waren es laut Bordcomputer 5,8 (statt versprochener 4,5 Liter) und beim Diesel 5,6 Liter (laut Norm sollen es 3,5 Liter sein).