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Kia Niro im Fahrbericht:Kia fordert den Toyota Prius heraus

Der neue Kia Niro

Der neue Kia Niro kostet mindestens 24 990 Euro.

(Foto: Kia Motors)

Angenehm, entspannt und leise: Der neue Kia Niro macht den Umstieg auf ein Hybridauto leicht. Auch deshalb, weil er günstiger ist als sein größter Konkurrent.

Lange schien der Vorsprung, den Toyota mit seinem Hybridmodell Prius erzielt hat, uneinholbar zu sein. Doch nun, in Zeiten strenger werdender Abgasgesetze und CO₂-Vorgaben, tut sich etwas. Die Hyundai-Tochter Kia bringt am 24. September den Niro auf den Markt, einen gefällig gestylten Crossover. "Wir haben beim Niro die Vorzüge eines Hybridfahrzeugs mit denen eines kompakten SUV gekreuzt", sagt Produktmanagerin Jiah Kim.

Wie dicht die Koreaner den Niro am Prius platzieren, zeigen der identische Radstand (2,70 Meter) und die Leistungsdaten des Hybrids. Während der Japaner eine Systemleistung von 136 PS an die Vorderräder schickt, sind es beim Niro 141 PS. Gekoppelt hat Kia dabei einen 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS und einen Elektromotor mit 44 PS. Arbeiten beide optimal zusammen, ergibt sich auf Prüfstand ein Normverbrauch von 3,8 l/100 km (CO₂: 88g/km). In der Realität ist dieser Wert üblicherweise nicht zu schaffen - man sollte mit fünf bis sechs Litern rechnen - aber er zeigt, wie dicht ein Benzin-Hybrid mittlerweile am viel gelobten Diesel fährt. Zumal Kia auch preislich gut dagegenhält. Der Niro beginnt mit 24 990 Euro. Zum Vergleich: Toyota gibt derzeit mindestens 28 150 Euro für den Prius an und gewährt darauf noch einen Nachlass von 3000 Euro Hybridprämie.

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Entschleunigung ist ihm wichtiger als Beschleunigung

Sehr angenehm, entspannt und leise fährt sich der Niro, so lange man nicht die volle Leistung abfordert. Das Auto will lieber ruhig dahingleiten, Entschleunigung ist ihm lieber als Beschleunigung. Wann welcher Motor ein- oder ausgeschaltet ist oder wann der Wagen "segelt", mag den Fahrer vielleicht noch auf den ersten Kilometern interessieren, wenn er gespannt die Darstellung des Energieflusses auf dem Display verfolgt. Schnell aber lässt man die Technik Technik sein, der Computer wird's schon richten.

Auch die Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk ist gelungen. Der Niro ist jedenfalls klar auf Komfort ausgelegt. Und das ist gut so, auch mit Blick auf die avisierte Käuferschaft. Elektronische Dämpfer-Regelsysteme und einstellbare Sport-Plus-Modi überlässt dieses Hybridmodell gelassen anderen.

Mit 4,36 Metern ist der Niro etwa so lang wie der Nissan Qashqai, aber mit nur 1,54 Meter wesentlich niedriger, was der Optik entgegenkommt. Sitzposition und Raumangebot sind trotzdem tadellos. Dank des langen Radstands haben es hinten selbst Erwachsene ausgesprochen bequem. Auch Materialien und Verarbeitung gehen für das Preissegment völlig in Ordnung. Fürs Gepäck stehen 427 Liter zur Verfügung. Liegen die Rücksitzlehnen flach, passen bis zu 1425 Liter in den leider nicht ganz ebenen Laderaum.

Kias Hybridoffensive geht weiter

Insgesamt hinterlässt der Niro einen kompetenten Eindruck. Er passt mit seinem Hybridantrieb perfekt in die Zeit, verlangt vom Käufer keinen Umgewöhnungsprozess in seinen Fahrgewohnheiten und könnte dem Toyota Prius tatsächlich wehtun.

Und Kias Hybridoffensive geht weiter. Vermutlich schon im nächsten Jahr will man dem Niro einen Plug-in-Hybrid spendieren. Gut möglich, dass bald auch eine rein elektrische Variante folgt. Die technische Grundlage teilt sich der Niro nämlich mit seinem Schwestermodell Hyundai Ioniq. Den gibt es bereits mit allen drei alternativen Antrieben. In spätestens fünf Jahren, so heißt es aus der Konzernzentrale, will man zum größten Hersteller von alternativ angetrieben Automobilen aufsteigen.

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