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Kfz-Versicherungen:Bonitätsprüfungen sind üblich

Das Problem der Assekuranz: Bei allen anderen Versicherungen greift der Schutz erst nach Zahlung - nicht so in der Autoversicherung. Hier geben die Gesellschaften sofort nach Abschluss einer Police eine Versicherungs-Bestätigungsnummer aus, mit der das Fahrzeug zugelassen wird. Wenn der Kunde dann nicht zahlt, kann die Gesellschaft kündigen - aber das Verfahren zieht sich über Monate hin. Verursacht der zahlungsunwillige Autofahrer in dieser Zeit einen Unfall, muss der Versicherer einspringen.

"Mehr als 90 Prozent der Autoversicherer nutzen inzwischen Bonitätsprüfungen beim Vertrieb per Internet", sagt Björn Hinrichs, der als Vertriebsleiter bei der Bertelsmann-Tochter Arvato Infoscore solche Systeme verkauft. Arvato hält "Negativdaten" über 7,8 Millionen Personen. Informationen über 3,4 Millionen dieser Menschen stammen aus öffentlichen Registern wie Schuldnerverzeichnissen und Verbraucherinsolvenzen, sie führen zu "harten Treffern" bei der Abfrage. Die übrigen 4,3 Millionen Verbraucher haben Einträge, weil sie bei Versandhäusern nicht bezahlt haben, bei einem Mobilfunkvertrag aufgefallen sind oder die Kontoführung nicht einwandfrei war. Diese Daten produzieren "weiche Treffer".

"Probleme mit der Bonität betreffen gerade viele junge Menschen", sagt Stachon von Direct Line. "Da gab es mal Ärger mit einem Mobilfunkvertrag oder etwas ähnliches, und schon fällt der Kunde auf." Das gilt erst recht für Autofahrer, die per Internet ihre Versicherung abschließen wollen. Direct Line stelle bei sechs bis acht Prozent der Anfragen "Auffälligkeiten im Scoring" fest. "Wenn wir es schaffen, dass wir die Hälfte dieser Interessenten mit einem vernünftigen Angebot gewinnen, ist das schon ein ordentliches Volumen."

Verbraucherschützer verurteilen Bonitätsabfragen

Was Stachon als Chance sieht, fassen andere nur mit spitzen Fingern an. Ganz versagen können die Versicherer die Deckung nicht: Sie sind per Gesetz gezwungen, alle Risiken anzunehmen. Marktführer HUK-Coburg beschränkt auffällige Neukunden auf die Mindestdeckung der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung, weigert sich aber, höhere Risiken zu übernehmen. Außerdem müssen die Kunden per Vorkasse zahlen und erhalten erst dann eine Versicherungs-Bestätigungsnummer. Andere Gesellschaften agieren ähnlich.

Verbraucherschützer sehen Bonitätsabfragen der Versicherer kritisch. Mancher Eintrag habe einen harmlosen Grund, hafte dem Verbraucher aber dauerhaft an. Der spezielle Autotarif helfe da wenig.