Keyless-Go-Systeme Tun die Autohersteller wirklich genug?

Auch die Autohersteller zeigen wenig Ambitionen, gegen die Sicherheitslücke vorzugehen. Sie stellen das Thema als Kampf gegen hochprofessionelle, mit sündteurer Hightech ausgerüstete Kriminelle dar, sprechen von einem "Wettlauf der Technologien". Dem widerspricht der ADAC. Mit einem Materialaufwand von wenigen hundert Euro sei es seinem Team gelungen, die Funksignale der Autoschlüssel auf etwa 150 Meter zu verlängern, sagt Arnult Thiemel. Der Technikexperte hat den Test für den ADAC durchgeführt und sieht nun die Hersteller in der Pflicht, ihre Systeme wirkungsvoll abzusichern. "Wir verlangen ja nicht, dass ein Auto unter keinen Umständen zu knacken ist. Aber der Aufwand für Diebe sollte größer als der mögliche Gewinn sein, denn dann rechnet es sich nicht mehr", sagt Thiemel.

Aus ihrer Sicht tun die Autohersteller genug. Mit vorgefertigten Formulierungen versuchen sie zu beschwichtigen. "Wir beobachten die aktuellen Vorgehensweisen der Fahrzeugdiebe sehr genau und tauschen uns regelmäßig mit übergeordneten Polizeistellen aus", sagt ein VW-Sprecher. BMW verlässt sich auf seine Schlüssel, die angeblich unmöglich zu beschaffen oder zu kopieren seien (was einem Dieb nach dem eigentlichen Autoklau aber gelingen muss, um den Wagen weiterverkaufen zu können). Allzu wirkungsvoll können die Maßnahmen dieser beiden Hersteller nicht sein, da VW die Tabelle der gestohlenen Autos anführt und BMW Platz drei belegt. Dazwischen liegt Audi, eine Marke des VW-Konzerns.

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Alufolie und Blechbüchse - weder wirksam noch praktikabel

Eins zeigt die Haltung der Hersteller deutlich: Der Branche fehlt offensichtlich der Druck, das Problem tatsächlich anzugehen. Das hat mehrere Gründe. Der banalste: Jedes gestohlene Auto bedeutet, dass potenziell ein neues gekauft wird. Vielschichtiger ist die technische Seite: "Wenn man diese ganzen Systeme jetzt auswechseln muss, würde das einen kompletten Umbau der Platinen und Steuermodule bedeuten", sagt Elektronikexperte Udo Hagemann, der für Polizei und Behörden Sicherheitslücken sucht und findet und dem das Thema Keyless Go besonders am Herzen liegt. Dennoch liege der Aufwand bei weniger als 100 Euro pro Auto. Was wenig klingt, ist beim enormen Kostendruck, der in der Autobranche herrscht, jedoch eine ganze Menge.

Es bleibt deshalb am Verbraucher hängen, sich wirksam gegen diese Art des Autodiebstahls zu schützen. Nur kann es kaum eine Dauerlösung sein, den Autoschlüssel dreifach mit Alufolie zu umwickeln, ihn in einer Metalldose aufzubewahren oder das zuvor teuer bezahlte System zu deaktivieren. Auch das 580 Euro teure Nachrüst-Kit, das Hagemanns Firma Bundpol anbietet und das vorhandene Keyless-Go-Systeme angeblich absichert, kann nicht die Lösung sein. Also ist der beste Schutz wohl auch der naheliegendste: Beim Autokauf auf diese Sonderausstattung zu verzichten. Spätestens dann, wenn die Extra-Einnahmen durch nicht verkaufte Keyless-Go-Systeme ausbleiben, dürfte auch die Autobranche intensiver über die Diebstahlsicherheit ihrer Produkte nachdenken.

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