Katalysator-Technik Im Winter steigen die Stickoxidemissionen drastisch

Am Ende ist alles ganz einfach: Der Diesel als Billigantrieb funktioniert nicht. Das unterstreichen Messungen an den nachgebesserten Opel-Modellen: "Auch nach den Software-Updates sind noch temperaturgesteuerte Abschalteinrichtungen vorhanden", so die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im April dieses Jahres. Ihre Wintermessungen im Straßenverkehr ergaben viel zu hohe Stickoxidemissionen. Keiner der 15 untersuchten Diesel-Pkw kam auch nur in die Nähe der vorgeschriebenen Prüfstandswerte.

Besonders schlecht schnitt der Opel Zafira 1.6 CDTi Euro 6 ab. Bei Temperaturen zwischen ein Grad unter null und fünf Grad summierte sich sein NOx-Ausstoß auf 1474 mg/km: Eine Überschreitung des Prüfstandswertes von 80 mg/km um fast das Zwanzigfache. Gründlicher lässt sich die Hoffnung auf eine schnelle Verbesserung des Dieselproblems durch Software-Updates nicht zerstören.

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"Den Diesel verbessern, statt verbieten", versucht Ola Källenius das schmutzige Image aufzupolieren. Dem Mercedes-Entwicklungsvorstand zufolge sollen bis September über 30 Modelle mit 200 Varianten auf Euro 6d Temp umgestellt werden. Emissions Analytics hat den Mercedes CLS 350 d 4matic mit der Bestnote A+ ausgezeichnet. Dank des komplett neu entwickelten Reihensechszylinders erreicht das Coupé im Praxistest den Bestwert von 19 mg/km. Källenius will die gesamte Mercedes-Flotte bis 2020 auf ein Stickoxid-Niveau von 30 mg/km drücken. Auch der neue Audi A6 50 TDI und der BMW 520d sind auf der Straße mit weniger als 40 Milligramm NOx so sauber wie Autos mit Benzinmotor.

Bei Premium-Neuwagen ist der teure Vollwaschgang für Abgase also möglich, aber wie sieht es in der Masse aus? Bosch-Chef Volkmar Denner hatte im Mai einen revolutionären Durchbruch bei der Dieselentwicklung verkündet. Bis zur Abgasstufe Euro 6d Final Anfang 2020 ließen sich kompakte Diesel mit bestehenden Komponenten und etwas Feinschliff auf zweistellige NOx-Werte bringen. Unter 99 g/km müssen die Entwickler ohnehin bleiben, um den nächsten Grenzwert (120 mg/km im Realbetrieb) trotz Messtoleranzen unter allen Außenbedingungen sicher zu erreichen.

Die Dieselverkäufe bei VW steigen wieder

Nicht wenige Experten bezweifeln aber, dass dafür ein einstufiger Katalysator samt ausgefeiltem Thermomanagement genügt. Leistungsstarke Autos mit mehr als 1700 Kilogramm Gewicht brauchen auf jeden Fall ein zweistufiges System. Zum Beispiel einen Partikelfilter mit SCR-Beschichtung direkt an der heißen Seite des Motors und mindestens einen zusätzlichen Unterflur-Katalysator. Damit die Abgasreinigung mit Adblue funktioniert, sind rund 200 Grad Celsius nötig. Voraussichtlich muss der weit vom Motor entfernte Kat mit Extra-Kraftstoff aktiv geheizt werden.

Der Verbrauch steigt also, es sei denn alternativ wird ein Heiz-Kat mit 48-Volt-System verbaut. So ein milder Hybrid ist teuer, trotzdem führt ihn VW im neuen Golf ab 2019 ein. Noch in diesem Jahr elektrifiziert Kia den Diesel im Golf-Gegner Ceed und im Sportage. Das Kompakt-SUV mit 136 kW (185 PS) wird dadurch 1900 Euro teurer, spart allerdings zehn Prozent Kraftstoff.

Im Juni erreichten Selbstzünder einen Marktanteil von 31,2 Prozent, ein Jahr zuvor lagen sie noch bei nahezu 50 Prozent. Das Ergebnis sind steigende CO₂-Werte in der Flotte, denn große Brummer werden als Benziner zu Spritfressern. Doch die Trendwende könnte in Sicht sein. Bei VW sind die Dieselverkäufe wieder auf 38 Prozent gestiegen. Viele Kunden erwarten offensichtlich, dass sie mit neuen Dieselmodellen auf der sicheren Seite sind.

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