Umbau Warum man beim Umbau drauflegt statt Geld zu sparen

Murschel hat sich auf alte VW Käfer spezialisiert. Sie werden komplett zerlegt, entlackt und entkernt. "Wenn die Autos hier ankommen, sind sie Schrott", sagt der Karosseriebauer. "Wir retten, was zu retten ist, bevor wir sie umbauen." Am Ende bleibt vom Original nicht mehr viel übrig - "Retrokäfer" heißen die restaurierten Oldtimer, die von nun an elektrisch fahren. Laut Murschel halten ihre Akkus bis zu 150 Kilometer durch. Umbau und Restauration kosten mindestens 100 000 Euro, bei Sonderwünschen auch deutlich mehr.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

"Das ist nur etwas für eine bestimmte Zielgruppe", räumt Murschel ein. Meist lassen gut situierte Oldtimer-Enthusiasten ihre Lieblinge umrüsten. "Von dem Gedanken, durch einen Umbau etwas zu sparen, muss man wegkommen." Selbst die einfachste Variante ohne Restaurierung koste mindestens 30 000 Euro - ein Preis, für den man inzwischen durchaus ein kleines Elektroauto bekommt, und zwar neu. "Die größte Herausforderung beim Umbau ist die Software", sagt Murschel. "Wenn das Auto fertig ist, müssen ABS, ESP und all die anderen Sicherheitssysteme immer noch funktionieren." Er selbst arbeite dafür mit VW zusammen. Viele andere Hersteller gäben ihre Software aber nicht frei.

Private Bastelei ist immer ein Risiko

Im Internet gibt es Rechner, mit denen sich die Umbaukosten abschätzen lassen (etwa www.fleck-elektroauto.de). Auch dort wird schnell klar: Wer ein halbwegs alltagstaugliches Fahrzeug möchte, das schneller als 80 Stundenkilometer fährt und eine passable Reichweite hat, wird kaum unter 20 000 Euro kommen - Einzelprüfungen durch den TÜV noch nicht eingerechnet. Als preisgünstige Alternative bleibt daher letztendlich nur noch die private Bastelei. Ob ein solcher Eigenbau hinterher aber auch auf öffentlichen Straßen fahren darf, ist mehr als ungewiss.

Tatsächlich stellt die Zulassung mitunter ein größeres Problem dar als die Umrüstung selbst. In Tuning-Foren berichten private Bastler regelmäßig von Schwierigkeiten bei der behördlichen Abnahme. Auch Umbau-Experte Murschel bietet für Kunden auf Wunsch eine "TÜV-Begleitung" an, damit diese nach der Elektrifizierung ihres Autos keine böse Überraschung erleben.

Der TÜV selbst rät, vor etwaigen Umbauten unbedingt mit den zuständigen Prüfern zu sprechen. "Das ist ein sehr diffiziles Thema", sagt Vincenzo Lucà vom TÜV-Süd. Zu Problemen komme es immer dann, wenn das umgebaute Auto nicht mehr den Eigenschaften entspreche, die es laut Zulassung habe. So könne sich durch den Einbau einer Batterie etwa das Gesamtgewicht deutlich erhöhen. Auch die Höchstgeschwindigkeit, die elektromagnetische Verträglichkeit und die Fahrleistung könnten sich verändern. "Das ist sicherheitsrelevant, weil die Bremsen auf bestimmte Leistungen ausgelegt sind", erläutert Lucà. Eigenbauten aus der heimischen Garage sieht er daher skeptisch. "Für solche Arbeiten gibt es Spezialisten."

Echte Enthusiasten schauen nicht auf die Kosten

Wer es trotzdem wagen will, kann als Hilfestellung das "VdTÜV-Merkblatt 764" konsultieren. Diese Handreichung, herausgegeben vom Verein der TÜVs, erläutert detailliert, welche technischen Vorgaben bei einem Eigenbau einzuhalten sind. Beispiel: "Sämtliche HV-Leitungen, die nicht in Gehäusen verlegt sind, müssen eine orangefarbene Außenhülle haben." Das 18-seitige Merkblatt kann über den Online-Shop des VdTÜV (www.vdtuev.de) bezogen werden; es kostet 36,17 Euro als gedruckte Version oder 33,81 Euro als PDF-Datei.

Wie viele Fahrzeughalter ihre Benziner pro Jahr umrüsten lassen, darüber gibt es keine Statistik. Fest steht, dass die Rechnung vom "günstigen Umbau" nicht aufgeht. In der Regel sind solche Projekte nicht nur aufwendiger, sondern auch deutlich teurer als ein fabrikneues E-Auto. Aber darum geht es echten Enthusiasten ja auch nicht. Roland Schüren, der Bäckermeister aus Hilden, sagt: "Eine Hochzeitstorte kostet eben mehr als ein Brötchen."

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