BMW: Rettung vor 50 Jahren Die Frage war: Wer soll den Plan aufhalten?

"Seit der Währungsreform befindet sich praktisch die BMW AG in der Verlustlinie", wirbt Feith für das Vorhaben. "Sie hat am ganzen Aufschwung der Automobilindustrie keinen Anteil." Dann sagt er, dass "derartige Dinge leider ausgehandelt werden" müssten. Der Saal kocht. "Das ist kein Aushandeln, das ist Ausverkauf", brüllt ein Aktionär.

Die Knutschkugeln

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Hinten im Saal sitzt ein Mann, der die Szenen genau beobachtet. Bis jetzt stand er voll hinter dem Übernahmeplan. Jetzt aber kippt er. Es ist der Industrielle Herbert Quandt, der bis dato nur eine kleine Beteiligung an BMW hält. Nun erlebt er den Kampfgeist der Mitarbeiter und Kleinaktionäre. Und er stellt seine Strategie auf den Kopf. Je länger die Kontrahenten streiten, desto mehr reift in ihm eine Idee. Er will BMW selbst sanieren.

33 Seiten lang ist das Protokoll der Hauptversammlung, und es lässt mehr als 50 Jahre später noch ahnen, wie turbulent es an jenem Tag vor Weihnachten 1959 zugegangen sein muss. Wie sich Kleinaktionäre gegen den Willen des Managements stemmten und ein neues Selbstbewusstsein in München entsteht. Das legendäre Mia-san-mia-Gefühl - hier fing es an.

Dass die Kleinaktionäre den Plan blockieren wollen, hat einen guten Grund: Ihre Anteile wären de facto halbiert worden; an der geplanten Kapitalerhöhung hätten sie nicht teilnehmen können. Mit anderen Worten: Sie wären im Zuge einer geplanten Kapitalerhöhung zugunsten des neuen Eigentümers wohl enteignet worden.

Zwei Männer führen die Rebellion an. Kleinaktionär Erich Nold, Sohn eines Kohlenhändlers, hat sich die Stimmrechte von anderen Aktionären übertragen lassen. Stundenlang verliest er Briefe und Zeitungsartikel. Die Presse hatte damals tagelang über die Zukunft von BMW geschrieben.

Das Drehbuch der Daimler-Regisseure. Es gerät immer mehr durcheinander, als der Rechtsanwalt Friedrich Mathern, der die BMW-Händler vertritt, die Debatte führt. "Mir kommt das Ganze so vor, als wenn man der Weihnachtsgans kurz vor dem Schlachten erzählte, dass sie von einer vornehmen Familie gegessen wird", sagt er zu Daimlers Plänen.

Traumschiff Zukunft

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