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Ausstellung:Ein Lotus, acht Tote

Unterwegs im Auftrag Ihrer Majestät: Bond-Darsteller Daniel Craig geht in "Skyfall" mit dem Motorrad auf Verbrecherjagd.

(Foto: mauritius images/Alamy/AA Film Archive)

In London zeigt ein Museum die Dienstfahrzeuge, mit denen Geheimagent James Bond in der Filmreihe auf Verbrecherjagd ging - skurrile Ausstattung inklusive.

Da steht er wieder, umringt von bewaffneten Männern. Wie sein Fahrer ist er etwas in die Jahre gekommen. Und doch sieht er noch immer äußerst elegant aus: der Aston Martin DB5. Auch im neuen James-Bond-Film, der im Frühjahr in die Kinos kommt, spielt der Sportwagen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Im Kinostreifen "Keine Zeit zu sterben" sitzt Bond in dem silbergrauen Auto aus den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und drückt auf einen Knopf in der Mittelkonsole. Hinter den Scheinwerfern kommen Maschinengewehre hervor. Bond zieht die Handbremse, das Auto dreht sich um 360 Grad. Kugeln fliegen durch die Luft, es knallt und kracht. Doch 007 bleibt unversehrt. Der Aston Martin hat ein paar Schrammen, aber das macht nichts, schließlich hat er seinen Dienst getan: Der vollbewaffnete Sportwagen hat Bond das Leben gerettet. Mal wieder.

Die ersten Ausschnitte aus dem neuen Bond-Streifen haben die Londoner Times dazu gebracht, noch einmal genau nachzurechnen. Die Zeitung wollte wissen, mit welchen Autos Bond nun eigentlich wie viele Menschen getötet hat. An der Spitze steht bislang der Lotus Esprit S1 aus dem Film "Der Spion, der mich liebte" - mit insgesamt acht Toten. Ob er nun vom Aston Martin DB 5 verdrängt wird, lässt sich erst sagen, wenn der neue Bond-Film Premiere hat. Bis dahin kann man sich als 007-Interessierter die Zeit im London Film Museum vertreiben. So makaber wie in der Times geht es dort zwar nicht zu, aber die Sonderausstellung "Bond In Motion" zeigt die weltweit größte Auswahl an Automobilen, die Bond in den vergangenen Jahrzehnten beschützt haben.

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007 und seine Fahrzeuge - das ist eine mitunter recht wechselhafte Beziehung. Der erste Bond-Film "007 jagt Dr. No" hatte am 5. Oktober 1962 im London Pavillon am Picadilly Circus Premiere. Seitdem hat der Kino-Held, erschaffen von der Vorstellungskraft des Schriftstellers Ian Fleming und dem Geschick des Produzenten Albert R. Broccoli, die westliche Welt wieder und wieder vor dem Untergang gerettet. Auch wenn sich Bond noch nie besonders für Politik interessierte, steht 007 doch seit jeher für den Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus. Bis heute verkörpert der Agent die Werte des alten Westens. Bonds Konsum, sein Geschmack und sein Stilbewusstsein fanden schon immer ihren besonderen Ausdruck: in der Mode, die er trug; in den Drinks, die er bestellte; vor allem aber in den Autos, die er fuhr.

Es waren stets die allerneusten Sportwagen. Denn auch darum geht es in den Filmen von James Bond: um den Rausch der Geschwindigkeit und die absolute Einheit von Mensch und Maschine. 007 war schon immer das, was man heutzutage einen early adopter nennt, jemanden, der bei technischen Entwicklungen immer gleich mit dabei ist. Bond probierte stets die neueste Technik aus - vom Sportwagen bis zum Mobiltelefon. Es ging dabei immer auch um Prestige und einen Hedonismus, für den der rebellische Geheimagent steht. Für manche mag er aus der Zeit gefallen sein, aber die Begeisterung für 007 scheint sich auch nach 57 Jahren nicht zu legen.

Im London Film Museum steht jedenfalls ein Vater mit seinen beiden Söhnen vor dem Aston Martin DB 5 und erklärt ihnen mit Hingabe die Ausstattungsmerkmale. Die schusssichere Verglasung, den Schleudersitz auf der Beifahrerseite und das Kennzeichen, das die Nummern wechseln kann. Da wären außerdem noch: ein Ölspray auf Höhe der Rücklichter, ein Waffenfach unter dem Beifahrersitz und eine Rauchwolke, die auf Knopfdruck aus den Auspuffrohren kommt, um Verfolgern die Sicht zu vernebeln.

Kein anderes Auto tauchte in so vielen Bond-Filmen auf. Das Exemplar im Londoner Filmmuseum war unter anderem in "Goldeneye" zu sehen, ebenso in "Der Morgen stirbt nie", in "Skyfall" und in "Spectre". Seinen ersten Auftritt hatte der Aston Martin DB5 in "Goldfinger" im Jahr 1964. Sean Connery spielte damals James Bond. Sein Widersacher Goldfinger (dargestellt von Gert Fröbe) ließ sich in einem Rolls-Royce Phantom III chauffieren. Das Fahrzeug steht gleich am Anfang der Ausstellung. Schräg gegenüber parkt ein weiterer Rolls-Royce, das Modell Silver Cloud II aus dem Film "Im Angesicht des Todes".

Ein Jaguar aus der Londoner Ausstellung, ausgestattet mit Raketenwerfern.

(Foto: Rodolfo Felici/mauritius images/Alamy/RealyEasyStar)

Selbst Fans, die die meisten der Bond-Episoden gesehen haben, dürfte es manchmal schwerfallen, die Fahrzeuge den jeweiligen Filmen zuzuordnen. Gut, dass es neben den ausgestellten Exemplaren auch Video-Ausschnitte gibt, die das jeweilige Auto zusammen mit Bond in Aktion zeigen. So wie den Aston Martin V 8 aus dem Jahr 1987, mit dem Timothy Dalton als 007 im Film "Der Hauch des Todes" einen Schneehang in den Alpen hinunterbrettert - mit ausfahrbaren Kufen an den Seiten. Oder der weiße Lotus Esprit S 1, Baujahr 1977, der sich in "Der Spion, der mich liebte" mal eben schnell in ein U-Boot verwandelte.

Es waren zumeist britische Fahrzeuge, die Bond zum Missfallen von Q, dem Quartiermeister Ihrer Majestät, über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus testete. Als jedoch der Ire Pierce Brosnan die Rolle des Geheimagenten übernahm, fuhr er BMW. Es begann mit dem Roadster Z 3 in "Goldeneye", der in London allerdings nicht zu sehen ist. Dafür stehen im Filmmuseum in Covent Garden der Z 8 aus "Die Welt ist nicht genug" und ein 750 iL aus dem Film "Der Morgen stirbt nie". Bonds Ausrüster Q bewarb die Limousine bei der Übergabe einst mit dem Satz: "Ihr neuer BMW 750, mit all den üblichen Extras. Maschinengewehre, Raketenwerfer, GPS-Navigationssystem." Und dazu kam noch eine Fernsteuerung, mit der Bond den Wagen per Mobiltelefon lenken konnte.

In London sind aber nicht nur Autos der Luxusklasse zu sehen. Ganz ohne Dach steht da beispielsweise ein blaues Pariser Taxi, in das Bond "Im Angesicht des Todes" am Fuße des Eiffelturms stieg. Gespielt von Roger Moore nahm er damals eine Verfolgungsjagd durch die französische Hauptstadt auf. Der Renault 11 mit Pariser Kennzeichen lockert die Ausstellung ebenso auf wie das Tuk-Tuk-Taxi aus "Octopussy" oder die gelbe, reichlich verbeulte Ente von Citroën, die Bond "In tödlicher Mission" auf Korfu fuhr. Es sind klare Gegenstücke zu den vollbewaffneten Supersportwagen, mit denen Bond in der Filmreihe die meiste Zeit unterwegs war.

Mit seiner US-Kollegin Pam (Carey Lowell) jagt Timothy Dalton als Bond in "Lizenz zum Töten" per Flugzeug einen Drogenboss.

(Foto: mauritius images/United Archiv)

"Bond In Motion" ist zwar eine Auto-Ausstellung, aber es gibt auch Fluggeräte, Motorräder und manch eine 007-Devotionalie zu sehen. Das blutverschmierte Dinner Jacket aus "Casino Royale" zum Beispiel. Ebenso die Tarotkarten, aus denen die Zukunft im Film "Leben und sterben lassen" gelesen wird. Oder, um wieder auf die Autos des Geheimagenten zu kommen, das Handschuhfach von Bonds Aston Martin aus dem Film "Im Geheimdienst Ihrer Majestät", der Ende der Sechzigerjahre in die Kinos kam: gefüllt mit einem zusammenschraubbaren Gewehr.

Wer kurz innehalten will, kann sich in der Ausstellung auf eine weiße Museumscouch setzen und eine Dokumentation über Bonds Autos anschauen. Darin kommt auch Bill Clinton zu Wort. Der ehemalige US-Präsident outet sich zwar nicht als Autonarr, aber er spricht über Bond und das Ende des Kalten Krieges. Den hat der Doppelnull-Agent zwar nicht im Alleingang beendet, aber zumindest schaffte er es, den Ausbruch eines Atomkrieges ein ums andere Mal zu verhindern. Schade ist nur, dass die Doku durch den Lärm der nahe gelegenen Kaffeebar überlagert wird.

Am Ende der Ausstellung fällt einem noch ein Schaukasten auf. Darin liegt, neben den Reisepässen von Dalton und Brosnan alias Bond, auch eine Kopie des Führerscheins von oo7, wohnhaft in Westminster, Horseferry Road. Darunter findet sich eine Tabelle mit Verkehrsdelikten, die der Fahrer begangen hat. So musste Bond für ein Vergehen am 17. Juni 1987 ganze 100 Pfund zahlen. Mehr nicht. Angesichts der durchaus gemeingefährlichen Fahrweise des Agenten kann man nur feststellen: Er hat offenbar Glück gehabt - und sich nicht erwischen lassen.

Da muss man ein letztes Mal an die Bond-Doku denken, in der Agentenchefin M (gespielt von Judy Dench) mit den Augen rollt, als sie von den Eskapaden ihres Draufgänger-Agenten hört. Sie sagt, 007 sei nun mal ein "sexistischer Dinosaurier". Ob James Bond bald ausstirbt und, wie britische Medien bereits mutmaßen, durch eine Frau ersetzt wird, ist bislang offen. Nur eines scheint sicher zu sein: Die Autos werden bleiben. Im neuen 007-Film fährt Bonds Agentenkollegin jedenfalls stilecht einen Aston Martin.

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