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Google Maps und Co.:"Ein Navigationsgerät bleibt ein Assistenzsystem"

Vom Untergang des Stadtplans

Früher musste der Beifahrer mühsam den Weg auf einer Karte heraussuchen, heute übernehmen diese Funktion Apps und Navigationsgeräte.

(Foto: dpa)

Ohne Navi oder Smartphone-App finden sich viele Menschen nicht mehr zurecht. Verkehrspsychologin Christina Sutter erklärt, wie sich das auf unsere Orientierung auswirkt - und warum es auch Vorteile hat.

Früher leitete uns der Beifahrer per Karte ans Ziel oder wir liefen mit großen Stadtplänen durch den Urlaubsort. Heute haben diese Funktion Handy und Navigationsgeräte übernommen. Christine Sutter lehrt an der Deutschen Hochschule der Polizei Verkehrswissenschaften und Verkehrspsychologie. Sie erklärt, welchen Einfluss die digitalen Helfer darauf haben, wie wir uns orientieren.

SZ.de: Frau Sutter, ohne Navi geht es heute kaum noch. Was macht das mit uns?

Christine Sutter: Orientierung ist eine Fähigkeit, die trainierbar ist. Wenn wir sie nicht mehr fordern, dann ist sie nicht mehr so ausgebildet, wie sie das vielleicht mal in einer Gesellschaft um 1900 war. Das heißt aber nicht, dass die Menschen sich schlechter zurechtfinden finden als früher. Es ist eher so, dass wir uns an veränderte Umweltbedingungen anpassen. In einer Gesellschaft, in der wir permanent von Assistenzsystemen umgeben sind, ist es einfach nicht mehr nötig, sich ausschließlich auf seine eigenen Merk- und Orientierungsfähigkeiten zu verlassen.

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Das heißt aber, es geht eine Fertigkeit verloren, die früher besser ausgebildet war?

Das würde ich pauschal so nicht sagen, räumliche Orientierung ist noch in vielen Berufen und Kontexten wichtig. Zum Beispiel bei Taxi- und Lkw-Fahrern, generell Menschen, die im Transport, Liefer- oder Spediteurwesen arbeiten. Aber auch Bauingenieure, Architekten und Städteplaner. Es gibt viele Berufe, wo Sie sich gut räumlich orientieren müssen und diese Personen werden trotz der neuen Medien diese Fähigkeiten weiter trainieren.

Nun hat nicht jeder von uns einen dieser Berufe ergriffen.

Das gilt auch für Menschen, die viel in der Natur unterwegs. Extremsportler, Segler, Bergsteiger, das sind alles Tätigkeiten, wo wir uns zwar durch ein Assistenzsystem unterstützen lassen können, es aber wichtig ist, dass wir uns analog zurechtfinden. Aus Sicherheitsgründen, aber auch, um die Anweisungen des Navigationsgerätes zu überprüfen.

Aber das heißt, der Rest von uns ist dazu verdammt, gegen Einbahnstraßen zu fahren oder in Flüsse zu stürzen, weil er blind seinem Navi vertraut.

Ich hoffe nicht. Es gibt aber sicher Extremfälle von Menschen, die mit dem Handy vor der Nase herumlaufen oder sich nur auf ihr Navi im Auto konzentrieren und dann im Notfall nicht mitbekommen, wenn die Straße aufhört.

Wie zum Beispiel im Juni diesen Jahres, als in Denver 100 Autofahrer der vermeintlichen Umfahrung eines Staus folgten und auf einem unbefestigten Weg im Schlamm stecken blieben?

Solche Meldungen wird es immer geben. Aber ein Navigationsgerät bleibt ein Assistenzsystem - wenn man es in diesem Sinn benutzt, denkt und handelt noch immer der Mensch.

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Wie sollte ich denn ein Navi nutzen?

Man sollte auf alle Fälle vorher mit einem neuen Gerät üben. Wenn ich erstmals in einer Stadt bin und dann damit während der Rushhour in die Stadt fahre, ist das keine gute Idee. Lieber erst einmal schauen, wann kommt die Richtungsanzeige, wie oft wiederholt sie bestimmte Aufforderungen.

Und wenn ich mich daran halte, bieten uns die Apps und die fest im Auto installierten Geräte vor allem Vorteile?

Sich räumlich zu orientieren, ist eine sehr komplexe Angelegenheit und es ist vollkommen in Ordnung, sich Unterstützung zu holen. Wenn ich zum Beispiel mit dem Auto nach München fahren würde, wo ich mich überhaupt nicht auskenne, wäre ich ohne Navi aufgeschmissen. Mein Mann als Beifahrer hätte auch nicht viel Spaß daran. Da ist es praktisch, dass ich diese Aufgabe abgeben kann und mich mit allen Resourcen aufs Fahren konzentriere. Ein Navi hilft, uns in einer neuen Umgebung schneller zurechtzufinden, als wir das mit einer Karte oder einem Beifahrer könnten. Das ist ein großer Vorteil.

Eine Karte verschafft mir einen Überblick: Da ist ein Berg, da ein Fluss, da eine bestimmte Autobahn. Kann ich diesen Effekt auch mit einem Navi erzielen?

Zum Beispiel indem Sie die Route vorher am Computer aktiv vorplanen. Oder auf bekannten Strecken die Navigationsunterstützung zurückfahren, erst mit Ton und Bild, dann schalten Sie die Anweisungen aus und nach einer Weile nutzen Sie das Gerät oder die App nur noch in Ausnahmesituationen wie Umleitungen oder bei Großveranstaltungen.

Das Navigationsgerät ist also doch besser als die gute alte Karte?

Da gibt es kein richtig oder falsch. Manche Menschen arbeiten lieber analog und können sich solche Bilder besser einprägen, anderen gelingt das über ein digitales Medium. Es wird immer Anwendungsbereiche geben, wo es sinnvoll ist, Karten mitzunehmen, zum Beispiel, weil Sie schlechten Satellitenempfang haben oder nicht davon abhängig sein wollen. Man muss es eben nur als Assistenzsystem nutzen - und nicht als absolute Quelle.

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