Interview in der "Motorwelt" ADAC-Präsident sagt viel und verrät nichts

ADAC-Präsident Peter Meyer hat in einem Motorwelt-Interview Stellung zu den Affären der letzten Wochen bezogen.

Seit es Vorwürfe um gefälschte Zahlen beim Autopreis "Gelber Engel" gibt, sagt der ADAC nicht mehr als dringend nötig. Nun veröffentlicht das Verbandsmagazin "Motorwelt" ein Interview mit Präsident Peter Meyer. Doch anstatt Antworten zu geben, wirft der ADAC-Präsident noch mehr Fragen auf.

Von Thomas Harloff

"Für uns sind Offenheit, Transparenz und umfassende Aufklärung oberstes Gebot." ADAC-Präsident Peter Meyer wählt in einem Interview mit dem Verbandsorgan Motorwelt große Worte. Es ist der Versuch, Vertrauen zurückzugewinnen, nachdem der Automobilclub durch gefälschte Zahlen beim Autopreis "Gelben Engel" in die Schlagzeilen geraten ist.

Gleichzeitig räumt Meyer ein, dass nicht sicher sei, ob tatsächlich nur die Teilnehmerzahlen, nicht aber die Platzierungen bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" manipuliert gewesen seien. "Wir haben das Eingeständnis, dass die Zahl der absoluten Stimmen, nicht aber die Reihenfolge der Preisträger verändert wurde. Ob das der Wahrheit entspricht, soll die Untersuchung ans Licht bringen, mit der wir externe Prüfer federführend beauftragt haben."

Nachdem der ADAC-Präsident zunächst geschwiegen und dann lediglich auf Vorwürfe reagiert hat, geht er nun erstmals in die Offensive - zumindest ein bisschen. In dem Interview gibt es ein paar konkrete Aussagen, etwa zum Thema Hubschrauberflüge ("Zukünftig fliegen Hubschrauber ausnahmslos Rettungseinsätze") und zu seiner eigenen Person. Auf die Frage, ob er der richtige Mann an der Spitze des ADAC sei, antwortet Meyer: "Ich traue mir diese schwierige Aufgabe zu."

"Maßnahmenkatalog" zur Aufklärung

Hinzu kommen bekannte Statements und schon getätigte Versprechen. "Wir nehmen sämtliche Vorwürfe sehr ernst und werden nicht ruhen, bis alles aufgeklärt ist - mit dem Ziel, die Glaubwürdigkeit des ADAC wiederherzustellen." Bei der Aufarbeitung der Missstände will das ADAC-Präsidium einen Maßnahmenkatalog erarbeiten, der von unabhängigen externen Gremien kritisch begleitet und aktiv mitgestaltet werden soll.

Zurzeit ist das Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungs-Unternehmen Deloitte damit beschäftigt, die Affäre rund um den "Gelben Engel" - auch in Bezug auf die Verleihungen vergangener Jahre - aufzuarbeiten. Sollte dabei tatsächlich herauskommen, dass auch die Platzierungen manipuliert wurden, würde das den Imageschaden noch deutlich vergrößern.

ADAC Ich war's nicht
ADAC-Präsident Peter Meyer

Ich war's nicht

Seit mehr als zehn Jahren steht Peter Meyer an der Spitze des ADAC. Der Präsident gilt als wenig zimperlich, hält sich in der Krise aber auffällig zurück. Jetzt zeigt sich, dass die Duckmäuser-Strategie nicht aufgeht.   Bastian Obermayer und Uwe Ritzer

Mit Volkswagen, dessen Golf die Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" 2014 gewonnen hat, hat ein Autobauer bereits angekündigt, in diesem Fall den Preis zurückgeben zu wollen. Anzeigen, die mit dem Gewinn des "Gelben Engels" werben sollten, habe der Konzern bereits zurückgezogen. Auch Zulieferer Bosch hat sich nach dem ADAC-Eingeständnis, die Zahlen manipuliert zu haben, bereits kritisch geäußert. Es ist davon auszugehen, dass so mancher Preisträger diesen Beispielen folgen würde.

Der ADAC bleibt bei seiner Strategie

Mit dem Interview in der Motorwelt scheint der ADAC seiner bisherigen Strategie zu folgen, nicht mehr zu sagen als unbedingt nötig. Nachdem die Süddeutsche Zeitung die Manipulation beim Autopreis "Gelber Engel" am 14. Januar bekannt machte, sprach Obermair bei der Preisverleihungs-Gala am 16. Januar noch von "Unterstellungen und Unwahrheiten" und sagte in Richtung SZ: "Das, was behauptet wurde, ist kompletter Unsinn."

Obermairs Worte überraschten, schließlich war die ADAC-Spitze sehr wohl über die Manipulation informiert: Eine Woche vor der Preisverleihung hatte die SZ den ADAC-Präsidenten und den Geschäftsführer mit den Vorwürfen konfrontiert. Genug Zeit, um die Sache aufzuklären. Der ADAC habe sofort eine interne Revision veranlasst, hieß es, nachdem der Autoclub die Manipulation eingestehen musste, sei aber zu keinem Ergebnis gekommen.

Der inzwischen geschasste Michael Ramstetter, als ADAC-Kommunikationschef verantwortlich für den Autopreis "Gelber Engel", sei nicht greifbar gewesen und habe ständig Ausreden präsentiert. Später behauptete der ADAC, am Tag der Aufdeckung der Manipulation durch die SZ mit einer internen Revision tätig geworden zu sein. Somit wäre vier Tage, nachdem Meyer und Obermair von den Vorwürfen wussten, nichts passiert.

Die Widersprüche der ADAC-Spitze

Es folgten weitere Widersprüche. Obermair bestritt noch am Sonntag nach der Preisverleihung, am Tag der "Gelben Engel"-Gala mit Ramstetter überhaupt über dieses Thema gesprochen zu haben. In einer Stellungnahme von Peter Meyer heißt es jedoch, dass er gemeinsam mit Obermair und Ramstetter nach der Preisverleihung sehr wohl über dieses Thema gesprochen habe. In diesem Gespräch habe es "widersprüchliche Aussagen" von Ramstetter gegeben, sodass Meyer und Obermair "erstmals" Betrug witterten.

Am 19. Januar war Ramstetter, der auch Chefredakteur der Motorwelt war, seinen Job los. Er soll allein verantwortlich für die Manipulation gewesen sein. Eine Darstellung, an der der ADAC bis heute festhält. Auf die Frage im Motorwelt-Interview, wie eine einzelne Führungskraft diese Wahl überhaupt unbemerkt verfälschen konnte, antwortet Meyer: "Das Vertrauen in jeden einzelnen Mitarbeiter war für mich bisher die Basis für die Zusammenarbeit. Und in diesem konkreten Fall wurde genau dieses Vertrauen missbraucht."

Was der ADAC-Präsident und ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair tatsächlich über die manipulierten Zahlen beim Gelben Engel wissen oder zum Zeitpunkt der Preisverleihung wussten, darüber informiert das Interview nicht. Dabei wäre gerade die Mitgliederzeitschrift Motorwelt, mit einer Auflage von rund 13,7 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Zeitschrift Europas, die geeignete Plattform für eine umfassende Aufklärung gewesen.