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Infrastruktur für Elektroautos:Noch mehr Zeit an der Tanke verbringen?

Wer zapfen will, braucht in der Regel einen Autostromvertrag mit einem Energieversorger. Registrierte Kunden melden ihr Fahrzeug per Telefonhotline oder via PLC (steht für Power Line Communication), also mit Hilfe der Datenleitung im Ladekabels an der Tanksäule an.

Hat die Säule die Kennung erkannt, wird der Ladepunkt freigeschaltet. Die angefallenen Stromkosten werden an zentraler Stelle registriert und dem Kundenkonto zugeordnet. Die Rechnung flattert einmal im Vierteljahr per Post ins Haus.

Den Tankstellenbetreibern wiederum bereitet der Abschied von den Verbrennungsmotoren, der auf sie zurollen könnte, verständlicherweise Kopfzerbrechen. Allerdings hegt die Branche die Hoffnung, Umsatzeinbrüche bei Diesel und Benzin durch Schnellladegelegenheiten für E-Autofahrer zumindest teilweise kompensieren zu können. So sind verschiedene Tankstellenbetreiber als Kooperationspartner ins RWE-Boot gestiegen und bieten neben den üblichen Treibstoffen nun auch Autostrom in ausgewählten Filialen an.

"Konventionelle Tankstellen und Elektromobilität sind kein Widerspruch, viel mehr ergänzen sie sich", gibt sich Reiner Ropohl, Geschäftsführungsmitglied des mit RWE kooperierenden Tankstellenbetreibers Westfalen AG optimistisch.

Fest steht aber auch: Trotz Schnellladetechnologie an der öffentlichen Säule lässt sich das Stromtanken nicht annähernd so schnell erledigen, wie das Tanken von Sprit. Dreißig bis sechzig Minuten können durchaus vergehen, bis der Akku genügend Saft für die nächsten 100 Kilometer aus der Säule gezogen hat.

Ob der Kunde diese Zeit aber gern an der Tanke verbringt, ist mehr als fraglich. "Die Tankstelle von heute bietet auch ein umfassendes Shopping-Erlebnis: ofenfrische Backwaren, Internet-Café, Restaurant und Supermarkt, ein ideales Angebot während einer Schnellladung", wirbt Ropohl.

Gut möglich aber, dass der E-Autofahrer lieber woanders essen oder einkaufen möchte, während sein Auto am Stromnetz saugt. Möbelhäuser, Discounter, Parkhausbetreiber und viele andere Unternehmer könnten mit der klassischen Tanke konkurrieren, indem sie eigene Ladesäulen aufstellen und der Kundschaft das Stromzapfen mit Rabatt-bei-Einkauf-Konzepten schmackhaft machen.

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