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IAA 2009:Zwischen Traum und Trauma

Der Elektroantrieb soll die Autoindustrie retten, doch die Zukunft ist noch weit - die wichtigsten Premieren der IAA im Überblick.

Umweltdiskussion, Abwrackprämie, Totentanz bei den Händlern - die Autoindustrie schwankt derzeit zwischen Depression und - flüchtiger - Euphorie. Während die staatliche Kaufhilfe zwischenzeitlich für eine Sonderkonjunktur sorgte und vor allem den Volumenmarken vorübergehend neue Absatzrekorde bescherte, trifft die Wirtschaftskrise vor allem die Premium- und Luxusmarken mit aller Härte. Absatzrückgänge zwischen knapp 18 Prozent bei Mercedes und BMW und bis zu 50 Prozent bei Nobelmarken wie Bentley und Rolls-Royce sind Realität. Und wenn sich der Markt nach Auslaufen der Abwrackprämie wieder normalisiert haben wird, dürften auch den Herstellern kleinerer Autos schwere Zeiten bevorstehen. Analysten rechnen im Branchendurchschnitt in naher Zukunft mit Verkaufsrückgängen zwischen 20 und 25 Prozent.

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main als wichtige Leistungsschau der Branche spiegelt die Stimmung wider. Fast ein Drittel weniger Aussteller als auf der letzten IAA vor zwei Jahren, viele Stände verkleinert und einfacher gestaltet. Einige namhafte Autohersteller wie Honda und Nissan bleiben der Messe gleich ganz fern. Auch was die Produkte angeht, ist Verunsicherung zu spüren. Jeder weiß, dass vieles anders wird, aber nicht genau was und nicht genau wann. Doch weil der Durchschnittskunde nur dann grün kaufen mag, wenn er dafür nicht viel mehr bezahlen muss als für Konventionelles, ist in Frankfurt traditioneller Autobau in Form neuer Modelle genauso vertreten, wie ganz oder teilweise elektrogetriebene Zukunftsstudien, auf die so gut wie kein nennenswerter Hersteller verzichten kann.

Beispiel Volkswagen. Der Konzern, der sich nach eigener Aussage vorgenommen hat, größter Autoproduzent der Welt zu werden, deckt mit seinen neun Marken - demnächst wird Porsche hinzukommen - auf der IAA nahezu das gesamte Spektrum ab - von der einbaumschmalen Einliter-Utopie, die an eine Studie von 2007 anschließt über verbrauchsoptimierte BlueMotion-Varianten von Passat, Golf und Polo bis hin zur neuesten Transporter-Generation.

Konzerntochter Audi steuert zwei Hochleistungsmodelle bei: den neuen S5 Sportback mit 333 PS und den bildschönen R8 Spyder, der im kommenden Frühjahr auf den Markt kommt - für gut 155.000 Euro. Die Illusion, dass alternative Antriebe keinen Verzicht auf Hochleistung bedeuten müssen, pflegt man derweil mit einer E-Studie des R8. Dennoch ein interessantes Projekt: Gefördert mit 22 Millionen Euro aus öffentlichen Töpfen will man unter dem Namen "ePerformance" ein Verbundprojekt mit Partnern aus Wissenschaft und Zulieferindustrie starten, das alle Aspekte der Elektromobilität umfassen soll. VW-Tochter Skoda setzt dagegen ganz auf die nahe Wirklichkeit. Der neue Superb Combi bietet bis zu sagenhafte 1900 Liter Laderaum.