bedeckt München 22°

Elektromobilität:Tausende wollen das schwimmende Fahrrad

Hydrofoil-Bike 2019

Immer schön treten: Testfahrer Jordan Davis unterwegs mit dem Hydrofoiler XE-1. Hört er auf zu Treten, sinken Fahrer und Rad ins Wasser.

(Foto: Steve Przybilla)

Ein Unternehmen aus Neuseeland hat ein E-Bike fürs Wasser entwickelt. Der Prototyp begeistert die Zuschauer - auch wenn dem Testfahrer nicht jedes Manöver gelingt.

Da staunen sogar die Möwen: Als der Hydrofoiler XE-1 zur Vorführfahrt ansetzt, fliegen die Vögel hektisch zur Seite. Kein Wunder, denn das erste Wasser-E-Bike der Welt sieht aus wie eine Kreuzung aus Segelflieger, Torpedo und Heimtrainer. Dass auch ein Fahrrad drinsteckt, wird klar, als Testfahrer Jordan Davis kräftig in die Pedale tritt. Der 23-Jährige - gekleidet in Badehose, Neoprenshirt und Schwimmweste - ist derzeit auf großer Reklametour. Im Auftrag des Herstellers, des neuseeländischen Unternehmens Manta5, soll er den XE-1 zunächst der einheimischen Bevölkerung schmackhaft machen. Und danach der ganzen Welt.

An diesem Morgen hat die Firma ihren Infostand in Whitianga aufgebaut, einem beschaulichen Badeort auf der Halbinsel Coromandel. Am Strand wird das Wasserfahrrad jedoch nicht präsentiert, denn es verträgt allenfalls kniehohe Wellen. Stattdessen muss ein innerstädtischer Kanal genügen, gelegen zwischen einer Tankstelle und einem Kreisverkehr. Viel los ist zunächst nicht. Während das Team den Prototypen aus dem Auto hievt und zusammenbaut, verirren nur sich nur wenige Zuschauer an den Kanal.

Fahrrad Wie viel Aufpreis rechtfertigt eine glanzvolle Aura?
Rennrad-Vergleich BMC gegen Stevens

Wie viel Aufpreis rechtfertigt eine glanzvolle Aura?

Muss ein Rennrad über eine ruhmreiche Geschichte verfügen oder reicht auch technische Vernunft, um zu begeistern? Zwei Modelle für den Wettkampf im Vergleich.   Von Sebastian Herrmann

All das ändert sich schlagartig, als Testpilot Davis losfährt. Kaum gleitet der junge Mann über den Kanal, versammeln sich die Schaulustigen. Die langen Tragflächen, die das E-Bike wie Wasserski nach vorne treiben, sind vom Ufer aus kaum zu sehen. Wer nicht ganz genau hinschaut, denkt wirklich, dass dort jemand Fahrrad fährt - oder Fahrrad schwimmt, je nach Definition. Ein älterer Herr, der mit seinem Schlauchboot über den Kanal tuckert, stellt verdutzt den Motor ab. "Alles okay, ich übe nur ein bisschen", ruft Davis herüber. Die Leute am Ufer lachen.

Nachdem er zehn Minuten im Kreis gefahren ist, kommt der Testfahrer an Land. Wie eine Trophäe trägt er den 29 Kilogramm schweren Prototypen auf der Schulter, doch weit kommt er nicht: Schon nach wenigen Schritten fordern ihn die ersten Zuschauer auf, mit dem Wasser-E-Bike zu posieren. Was natürlich Kalkül ist, denn je mehr Menschen über das neuartige Gefährt sprechen, je mehr ihre Fotos im Internet teilen, desto größer der Werbeeffekt. Etwa 35 000 Personen haben sich nach Angaben der Firma schon auf ihrer Website als Interessenten registriert. Die Chefs hoffen, dass ein Großteil von ihnen das Wasserfahrrad am Ende auch kauft.

Entwickelt wurde der XE-1 vom Designer Roland Alonzo und Guy Howard-Willis, dem ehemaligen Besitzer der neuseeländischen Outdoor-Kette Torpedo7. Letzterer steuerte auch einen Großteil des Startkapitals bei, das die Gründer während ihrer siebenjährigen Entwicklungsphase benötigten. Ursprünglich wollten sie ihr Wasserfahrrad als reines Sportgerät konzipieren. Doch am Ende entschieden sie sich für die batterieunterstützte Variante, wohl wissend, dass ihre Zielgruppe - also Menschen, die einen See vor der Haustür haben - womöglich ein gewisses Alter schon überschritten hat.

Wie bei einem herkömmlichen E-Bike lässt sich auch beim Wasserfahrrad die Unterstützung stufenweise zuschalten. "Die erste Stufe ist auch für geübte Fahrer richtig anstrengend", sagt Davis. "Ich hab's selbst schon öfter versucht und war nach kurzer Zeit aus der Puste." Gerade am Anfang sei daher die zweite oder dritte Stufe empfehlenswert. Wie lange der Akku hält? "Eine Stunde", sagt Davis. Am schwierigsten bei der Konstruktion sei aber nicht die Energieversorgung gewesen, sondern das aerodynamische Design: "Wenn man ein Bauteil nur einen Millimeter verrückt, klappt's nicht mehr mit dem Auftrieb. Das ist wie ein Schachbrett, bei dem alle Figuren miteinander verbunden sind."

Der Prototyp begeistert die Zuschauer - auch wenn nicht jedes Manöver gelingt.

Weitere zehn Minuten vergehen, dann muss Davis noch mal ins Wasser. "Mach mal einen Unterwasserstart!", ruft ihm der PR-Mann vom Ufer zu. Davis schaut etwas unsicher, strampelt aber pflichtbewusst los. Wie angewiesen bleibt er mitten im Kanal stehen - ohne Pedalkraft geht das Wasserfahrrad zwar nicht unter, kippt aber zur Seite weg. Jetzt kommt der schwierige Teil: Davis muss es schaffen, das Fahrrad unter Wasser wieder aufzurichten und in bester James-Bond-Manier an die Oberfläche zu gleiten. Der erste Versuch schlägt fehl, dann der zweite. "Come on! Come on!", ruft der Testpilot, doch vergeblich. Das Wasser-E-Bike ist in der Realität eben doch etwas behäbiger, als es die Werbebotschaften versprechen.

Zurück an Land ist die Begeisterung dennoch ungebrochen. "Mein Mann hat sich direkt für den ersten Auslieferungstermin angemeldet", erzählt Tracey Ireland (45), die nur wenige Minuten vom Vorführort entfernt wohnt. "Wir haben einen direkten Zugang zu einer Bucht; das würde perfekt passen." Den geplanten Einführungspreis von umgerechnet 4500 Euro findet die Neuseeländerin in Ordnung. "Das ist doch fair, immerhin hat mein E-Bike fast genauso viel gekostet." Wobei sie dann doch einräumt, dass das Wasserfahrrad wohl eher ein "Spielzeug für die Freizeit" sei: "Die Fähre werden wir damit wohl eher nicht ersetzen."

In Europa wird der Hydrofoiler nach aktuellem Stand knapp 6600 Euro kosten. Vorbestellungen sind online bereits möglich; die Auslieferung soll Ende 2019 beginnen. Wer noch skeptisch ist und das Gefährt erst mal mit eigenen Augen betrachten möchte, bekommt dazu nächstes Jahr die Gelegenheit: "Im Januar 2020 sind wir in Düsseldorf auf der Boot-Messe", sagt Firmensprecher Louis Wilks. Bis dahin, verspricht er, werde das Wasserrad auch alle Zulassungen erhalten. Schließlich solle man auch auf öffentlichen Gewässern strampeln dürfen - und nicht nur auf dem eigenen See.

Fahrrad Frust beim Fahrradkauf

Ausverkauft oder lange Lieferzeiten

Frust beim Fahrradkauf

Der Markt für Fahrräder boomt, vor allem E-Bikes sind gefragt. Das spüren auch die Kunden: Viele aktuelle Modelle sind jetzt schon nicht mehr lieferbar.   Von Lea Weinmann