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Gyrokopter:Ein höchst pragmatisches Fluggerät

Wem das zu technisch ist, der erinnere sich an das Kinderspielzeug, bei dem man auf eine Spindel einen kleinen Plastikrotor setzte, dann an einer Schnur zog, worauf die Spindel sich zu drehen begann, bis der Rotor sanft abhob und langsam zu Boden schwebte. Das Prinzip Tragschrauber ist so alt wie der Ahornbaum, der sogar die Eiszeit überlebte: Dessen Samen sieht aus wie ein Rotorblatt und trudelt deswegen ganz gemächlich zu Boden. Wie der Tragschrauber in Hildesheim, wenn die Pilotin die Maschine ausfallen lässt.

Es gibt, neben der Fluglehrerin Mona und jenen, die sich dieser Variante des Ultraleicht-Fliegens als Piloten verschrieben haben, noch ein paar Menschen, die ihre Begeisterung über das Fluggerät mit den vielen Namen kaum bremsen können. Dazu gehört der Österreicher Guido Platzer. Er ist Prokurist der Firma AutoGyro, die am nordwestlichen Ende des Hildesheimer Flugplatzes Zuhause und Weltmarktführer in der Herstellung dieser Flugzeuge ist. Und dann ist da Wolfgang Brand, der Pressesprecher des Brandenburger Innenministeriums, der auf die eine Frage, warum das Land Brandenburg daran denke, sich ein paar Tragschrauber anzuschaffen, eine halbe Stunde ohne Punkt und Komma kenntnisreich zu referieren weiß. Man stehe derzeit in heftigem Kontakt mit der Firma AutoGyro in Hildesheim.

In den Hallen der AutoGyro-Werft kennt man ein sonst derzeit gängiges Modewort nicht: Krise. Hier herrscht mehr als Vollbeschäftigung. 50 hochspezialisierte Mitarbeiter fertigen auf 2000 Quadratmeter Produktionsfläche im Schnitt pro Tag ein Fluggerät, sagt stolz Prokurist Platzer. Und die wird, der überbordenden Auftragsbücher wegen, gerade verdoppelt. Hier wird fast schon im Akkord laminiert und gespachtelt, getrocknet und geschliffen, es werden Kabelbäume verlegt und Rotorblätter ausgewuchtet. Und ganz zum Schluss bekommt der Flieger eine Farbe. Wenn es sein muss, wird er, wie unlängst von einem Juwelier geordert, schon mal mit echtem Blattgold umkleidet.

Die meisten Kunden jedoch sehen den Tragschrauber nicht als Lustluftgerät, sondern ganz pragmatisch als optimales Flugzeug für ganz bestimmte Aufgaben. Da sind die Südafrikaner, die über den Diamantenminen Patrouille fliegen; da sind die Ölgesellschaften, die im Niedrigflug die Pipelines auf Lecks prüfen; da sind die australischen Farmer, die nun nicht mehr mit dem Helikopter, sondern mit kleinen, wendigen Tragschraubern die riesigen Herden treiben. Und da ist eben nun auch die Polizei von Brandenburg, die in einer ersten Testreihe beste Erfahrungen mit zunächst nur angemieteten Gyrokoptern machte.

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