Gyrokopter Der fliegende Drehspieß

Gyrokopter sind mehr als nur Lustluftgeräte - sie sind optimal verwendbare Fluggeräte. Auch die Polizei setzt inzwischen die praktischen und preiswerten Tragschrauber ein.

Von Karl Forster

Der Wind ist böig, im Osten stehen die letzten Regenwolken. "Und jetzt haben wir einen totalen Motorausfall", sagt fröhlich die Pilotin. Was als Ansage aus dem Cockpit eines Jumbos oder in einer kleinen Cessna zu Panik und Todesangst bei den Passagieren führen würde, wird hier, etwa 300 Meter über dem Flugplatz von Hildesheim, recht gelassen zur Kenntnis genommen. Es passiert ja auch nicht viel: Die beiden Rotorblätter drehen sich brav weiter, die Sinkgeschwindigkeit nimmt kaum zu - nur leiser ist es geworden, weil sich die vier Zylinder des Rotax-Motors im Leerlauf drehen.

Abgehoben: Die Gyrokopter sind bis zu 180 km/h schnell, wendig und brauchen nur wenige Meter Startbahn.

(Foto: Foto: oh)

Zehn Meter über dem Boden gibt Mona Hörig dann wieder Gas; mit einem Passagier an Bord darf die Fluglehrerin keine Autorotations-Landung hinlegen, auch wenn dies absolut ungefährlich wäre. Kurze Zeit später wiederholt die zierliche Pilotin, was sie schon während des Demonstrationsfluges über Bordfunk gesagt hat: "Jetzt verstehen Sie vielleicht, warum ich nur noch Tragschrauber fliege." Mona Hörig, die Fluglehrerin der Tragschrauberflugschule Thomas Kiggen, ist gerade mal 17 Jahre alt.

Tragschrauber - es gibt also einen eher hässlichen deutschen Namen für dieses Fluggerät, das man auch Gyrokopter, Autokopter oder Autogyro nennt. Und alle Begriffe entstammen dem physikalischen und aerodynamischen Phänomen, deretwegen dieses Ding fliegt. Der Tragschrauber unterscheidet sich vom Hubschrauber dadurch, dass dort die Kraft des maschinengetriebenen Rotors für Auftrieb sorgt.

Hier dagegen dreht sich der Rotor nur durch anströmende Luft, weswegen man namenstechnisch gerne eine Anleihe beim altgriechischen "giros" nimmt, was Kreis bedeutet - bei der türkisch-griechischen Imbissbudenspezialität Gyros dreht sich der Spieß schließlich auch. Beim Begriff Autogyro kommt das Griechische gleich doppelt zum Tragen, weil "autos" in dieser Sprache für "selbst" steht: Der Rotor dreht sich von selbst, man nennt das Autorotation.

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