50 Jahre Gotthard-Tunnel:Die Alpenüberwindung - ein viertelstündiger Klacks

Fast 40 Jahre alt ist diese inzwischen, 40 Jahre, in denen die Überwindung des Gotthard praktisch nur noch ein viertelstündiger Klacks ist.

Doch Fortschritt hat seinen Preis. Nicht nur zu Bauzeiten haben die berühmten Gotthard-Tunnels Menschenleben gekostet. Auch vor gar nicht so langer Zeit, im Jahr 2001, kamen in dem Autotunnel elf Menschen ums Leben. An einem Oktobermorgen streifte ein Lkw die Tunnelwand, geriet auf die Gegenfahrbahn, streifte ein weiteres Fahrzeug. Bei dem Unfall trat Diesel aus, es entwickelte sich ein Vollbrand mit giftigem Rauch, der sich rasch von Süd nach Nord ausbreiten konnte.

VEHICLES BURN INSIDE THE GOTTHARD TUNNEL AFTER TWO TRUCKS COLLIDE HEAD-ON

Ein Lkw war in Brand geraten - elf Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

(Foto: Polizei/Reuters)

Die Brandkatastrophe löste in der Schweiz und bei den vielen Europäern, die den Tunnel Jahr für Jahr passieren, Entsetzen aus. Der berühmte Gotthard-Straßentunnel - eben doch kein makelloses Wunderwerk. Das Unglück ist an der Schweiz und ihren Tunnel-Verantwortlichen nicht spurlos vorübergegangen. Zwei Monate blieb der Tunnel nach dem Brand geschlossen, danach wurde er sicherheitstechnisch hochgerüstet. Die Markierung der Fluchtwege wurde verbessert, auch die Beleuchtung hochgefahren. Es gibt außerdem ein neues Lüftungssystem: Die fast 180 Abluftklappen im Tunnel sind individuell verstellbar. Im Brandfall öffnen sich automatisch nur jene Klappen am Unfallort, die anderen werden geschlossen. So saugen die Öffnungen Hitze und Rauch gezielt ab - anders als 2001, als sich die giftigen Gase innerhalb von wenigen Minuten im ganzen Tunnel ausbreiten konnten.

Auch der Verkehr wird seit 2002 dosiert: Ein sogenanntes Tropfenzählersystem sorgt dafür, dass pro Stunde und Richtung nur 1000 Personenfahrzeuge den Gotthard passieren dürfen; ein Lkw entspricht drei Personenwagen.

Lastwagen auf dem Weg zum Sankt-Gotthard-Tunnel in der Schweiz

Lkw stauen sich auf dem Weg zum Gotthard: Die Autobahn ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung für ganz Europa.

(Foto: Reuters)

Neue Sicherheitsmaßnahmen

Seit dem Brand ist die Zahl der Pannen und Unfälle stark zurückgegangen - so sehr, dass selbst die Tunnel-Verantwortlichen überrascht sind. "So richtig erklären können wir uns den Rückgang von rund 70 Prozent nicht", sagt Fabian Tresch, der Leiter der Betriebsleitzentrale in Flüelen. "Die neuen Sicherheitsmaßnahmen spielen zwar eine wichtige Rolle, aber die niedrigen Zahlen hängen wohl auch mit einem veränderten Verhalten der Verkehrsteilnehmenden zusammen."

Der Kampf der Schweizer mit dem Gotthard ist im Übrigen noch nicht vorbei. 2016 kam zum alten Eisenbahntunnel und der Straßenröhre noch eine dritte Sensation hinzu: der Gotthard-Basistunnel, mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Und als handle es sich bei dem Bergmassiv um einen alten Erbfeind, den die Eidgenossen zu gerne ab und zu piesacken, ist auch schon Durchbruch Nummer vier geplant: Der Straßentunnel bekommt eine zweite Röhre. Die Vorarbeiten sollen - so jedenfalls der Planungsstand vor dem weltweiten Corona-Ausbruch - im Sommer 2020 beginnen; im Jahr 2029 soll der neue Tunnel fertig sein.

Doch wer sich nun auf einen endlich staufreien Gotthard-Transit freut, hat das Kleingedruckte nicht gelesen: Die zweite Röhre bedeutet nämlich nicht, dass es mehr Fahrspuren geben wird. Sobald sie fertig ist, wird zunächst die alte Röhre gesperrt, weil sie saniert werden muss. Für rund drei Jahre geht es also weiterhin im Gegenverkehr durch den Berg, nur eben durch den neuen Tunnel. Danach rollt der Verkehr im alten Tunnel einspurig ausschließlich von Nord nach Süd und in der neuen Röhre ausschließlich von Süd nach Nord. Der Sicherheit wegen.

© SZ vom 02.05.2020/reek
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