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Gotthard-Basistunnel:Da muss man durch

2017 soll der Tunnel durch den Gotthard fertig sein - Zwischenbilanz eines Jahrhundertbauwerks, das Nord- und Südeuropa verbinden wird.

Der Weg in den Berg führt durch die Eingeweide eines Monsters. Gleißende Scheinwerfer weisen die Richtung. Betonstaub und Gesteinssplitter knirschen unter den Stiefeln. Wir befinden uns an Bord eines mehr als 450 Meter langen Ungetüms, das sich brüllend und mit rotierenden Meißeln durch den Berg frisst. Unaufhaltsam, zwölf Meter Tag für Tag. "Gabi" haben die Bergleute die gigantische Bohrmaschine getauft.

Auf den 57 Kilometern zwischen Erstfeld und dem Südportal im Tessin müssen für die zwei Röhren, die über zahlreiche Querstollen miteinander verbunden sind, 153 Kilometer aus dem Fels gebohrt werden. 108 davon sind bislang geschafft.

(Foto: SZ-Grafik: Michael Mainka / Quelle: Alptransit)

5500 PS bohren sich in der Berg

Vier von dieser Sorte graben sich gleichzeitig durch das Gotthardmassiv, um den neuen Eisenbahntunnel zu bauen. Der soll, wenn alles nach Plan läuft, 2017 fertig sein. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg - und der Berg stemmt seinen Peinigern alles entgegen, was er nur aufbieten kann, um das Werk zu verzögern.

Einmal in ihrem Element, entwickelt Gabi gewaltige Kräfte. Baumdicke Hydraulikstützen stemmen den Koloss in den Erstfelder Gneis, spreizen, drücken und schieben die gigantische Apparatur in den Stein, als gälte es, Tolkiens "Mittelerde" zu finden.

Als wäre sie auch noch "Herrin der Ringe", werden direkt hinter der Vortriebsmaschine, die sich mit 5500 PS in den Fels bohrt, Kreissegmente und Stützbögen eingezogen, um die soeben entstandene Röhre gegen das nachdrückende Gebirge zu schützen. Vor den Augen der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen des Tunnelbaus, die an einem kleinen Felsvorsprung deponiert wurde, steckt Gabi schon einen halben Kilometer im Berg.

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