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Germanwings-Katastrophe:Wie der Co-Pilot die Flugsicherung täuschen konnte

Der Himmel ist unendlich und sollte mehr als genug Platz bieten, um den internationalen Luftverkehr zu beherbergen. Doch da oben ist inzwischen viel los. Jährlich fliegen bis zu fünf Milliarden Passagiere mit zivilen Flugzeugen, verteilt auf mehr als 30 Millionen Flüge. Statistisch finden täglich weltweit also mehr als 80 000 Flüge statt - und es werden immer mehr.

Damit die vielen Maschinen nicht ständig auf Kollisionskurs sind, bewegen sie sich im vertikalen Sinne auf Flugflächen und im horizontalen Sinne auf einem sich kreuzenden Netz aus Flugstrecken, die zum Teil aus Einbahnstraßen bestehen. Es ist ein kompliziertes, aber in sich schlüssiges und funktionierendes System. Nur neun Prozent aller Flugunfälle passieren während des Reisefluges, viel weniger als beim Starten oder Landen. Es kam nur selten zu Zusammenstößen von zivilen Flugzeugen, seit den Achtzigerjahren sind nur vier dokumentiert. Darunter die Kollision von Überlingen am 1. Juli 2002, bei der unter anderem eine verhängnisvolle Anweisung des Fluglotsen in die Katastrophe führte.

Flugflächen und Luftstraßen

Grundsätzlich ist der Himmel in Stockwerke (Flugflächen) eingeteilt. Die unterste Flugfläche liegt auf einer Höhe von 6000 Fuß, umgerechnet etwa 1800 Meter. In Abständen von 300 Metern staffeln sich die weiteren Flugflächen nach oben.

Allerdings orientiert sich die Flugfläche nicht strikt an der absoluten Höhe über dem Grund, sondern an einem standardisierten Luftdruck in der Atmosphäre. Der wird von den extrem genauen Messgeräten der Flugzeuge interpretiert. Die unterste Flugfläche befindet sich also nur dann auf 6000 Fuß, wenn am Boden der theoretische Normaldruck von 1013,25 Hektopascal herrscht. Fliegt das Flugzeug durch ein Hochdruckgebiet, liegt die gleiche Flugfläche weiter oben; bei einem Tiefdruckgebiet entsprechend weiter unten. Ist der Luftdruck extrem niedrig, fällt sogar die Flugfläche in 6000 Fuß weg und der Pilot steigt direkt auf 7000 Fuß.

Wellenbewegungen am Himmel

Weil sie ihre Flugflächen alle gleich berechnen und entgegenkommende Flugzeuge immer auf anderen Flugflächen unterwegs sind, kommen sich Flugzeuge nicht in die Quere. Stattdessen steigen und sinken sie gleichzeitig, wie in Wellenbewegungen.

Zusätzlich gibt es Flugstrecken, auf denen Mindestabstände herrschen. Fliegen zwei Maschinen hintereinander, beträgt dieser neun Kilometer. Wenn sich die Strecken zweier Flugzeuge kreuzen, wendet der Fluglotse die sogenannte Höhenstaffelung an. Er weist in diesem Fall den Piloten einer der beiden Maschinen an, 1000 Fuß (300 Meter) zu steigen oder zu sinken.

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