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Genfer Autosalon 2017:Der VW Arteon ist ein Vertreterauto mit Hüftschwung

Der neue VW Arteon auf dem Genfer Autosalon 2017.

Der neue VW Arteon kommt im Juni auf den Markt und kostet mindestens 34 725 Euro.

(Foto: Reuters)
  • VW präsentiert auf dem Genfer Autosalon sein neues Topmodell, den Arteon.
  • Der Passat-Ableger kommt im Juni zu Preisen ab 34 725 Euro auf den deutschen Markt.
  • Anfangs stehen Benzin- und Dieselmotoren mit Leistungswerten zwischen 150 und 280 PS zur Verfügung. Ein V6-Turbobenziner ist angedacht, aber noch nicht beschlossen.

Manche Dinge ändern sich vermeintlich nie. Zum Beispiel, dass auf dem Genfer Autosalon völlig unvernünftige Sportwagen besonders viel Aufmerksamkeit genießen. Und dass VW dessen ungeachtet am Genfersee völlig vernünftige und deshalb sterbens-langweilige Autos präsentiert. Zeitlos nannten sie das dann - und überließen Audi kampflos das Fach der expressiven Auto-Emotionen. Das war einmal. Denn manche Dinge ändern sich eben doch.

Diesmal herrschen Frühlingsgefühle auf dem blau-weiß-unterkühlten VW-Messestand. Mit seinen riesigen 20-Zoll-Rädern und einer komplett neuen Formensprache löst der Arteon dieses "Will-ich-haben-Gefühl" aus, von dem die Wolfsburger in letzter Zeit so oft redeten und doch so weit entfernt waren. Ein Gefühl, das bereits der Vorgänger auslösen sollte, der erst Passat CC und dann nur noch VW CC hieß. Dafür war er dann aber doch zu bieder.

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Vor genau zwei Jahren hatte Klaus Bischoff das Sportcoupé Concept GTE in Genf vorgestellt. Aber kaum jemand glaubte an eine orginalgetreue Umsetzung des Vertreterautos mit dem neuen, eleganten Hüftschwung. Zu oft hatten die VW-Designer auf Messen frische Studien aufgetischt - und dann in Serie brave Hausmannskost serviert. Jetzt ist der Chefdesigner der Marke VW sichtlich stolz auf die gelungene Überraschung: "Mit diesem Auto beginnt - wie 2015 prognostiziert - in der Tat eine neue Design-Ära."

Zumindest für Volkswagen, denn polarisierend neu ist die Formensprache des neuen Topmodells nicht - auffallend gut gemacht aber schon. Mit seinen leicht überspannten seitlichen Charakterlinien und der weit hinten angesetzten C-Säule gleicht er dem neuen Mercedes E-Klasse Coupé mehr als dem Passat, der als technische Basis dient. Fünf Zentimeter mehr Radstand, vier Zentimeter mehr Breite als sein Teilespender und eine Dachhöhe von nur 1,43 Meter ergeben einen eleganten Gran Turismo irgendwo in der Liga zwischen dem Mercedes und dem Audi A5 beziehungsweise A7.

Günstiger als ein entsprechendes Premium-Modell

"Schöne Autos kommen aus Ingolstadt, relativ preiswerte aus Wolfsburg" - diese Hackordnung hebelt der Arteon mit den breiten Schultern und dem neuen VW-Gesicht in LED-Optik aus. Zumindest der erste Teil der alten Rollenverteilung gilt nicht mehr. Denn etwa 10 000 Euro günstiger als entsprechende Premium-Modelle will der neue Volkswagen immer noch sein. "Der Preis soll die Premium-Hersteller herausfordern, ohne dass VW selbst einer wird", sagt Elmar-Marius Licharz, Baureihenleiter des Arteon.

34 725 Euro beträgt der Einstiegspreis für die 150 PS starke 1.5 Liter TSI-Variante, der gleich starke 2.0 Liter TDI soll ab 37 350 Euro zu haben sein. Mit den neuen Ausstattungslinien R-Line und Elegance und höherer Leistung kratzt der Arteon dann aber an der Schallmauer von 50 000 Euro. Nicht gerade wenig für ein Auto, das auf dem Front-Quer-Baukasten basiert, den auch der neue Polo nutzen wird. Doch die technische Basis sieht man dem Coupé nicht an.