Süddeutsche Zeitung

Gebrauchtwagen:Luxusautos zum Schnäppchenpreis

Neu kosteten einige dieser Autos mehr als 100 000 Euro. Als Gebrauchtwagen sind sie billiger als ein VW Golf.

Von Felix Reek

Mercedes S-Klasse (2005 bis 2013)

Nichts ist so vergänglich wie der Neuwagenpreis einer Luxuslimousine. An kaum einem anderen Auto zeigt sich das so sehr wie bei der S-Klasse von Mercedes. Die kostete vor etwas mehr als zehn Jahren über 100 000 Euro. Heute finden sich die ersten Exemplare der W221-Baureihe (2005 bis 2013) auf dem Gebrauchtwagenmarkt für den Preis eines Kleinwagens. Für gerade einmal 15 000 Euro bekommt man Fahrzeuge mit etwa 100 000 Kilometern, Luxusausstattung und einem technischen Niveau, von dem die meisten Mittelklasse-Autos heute noch träumen. Kein Wunder, die S-Klasse ist bei Mercedes seit jeher nicht nur Prestigeobjekt, sondern auch Technologieträger. Laufleistungen mit mehreren 100 000 Kilometern sind keine Seltenheit und bei entsprechender Pflege auch kein Problem. Bevor Sie aber in Chefetagenträumen versinken, hier die Realität: der Unterhalt einer S-Klasse ist teuer, wie auch bei allen anderen Autos aus dem Luxussegment in dieser Aufzählung. Versicherung, Kfz-Steuer, Reparaturkosten, sie alle bewegen sich auf Spitzenniveau. Und unter zehn Litern Sprit ist die S-Klasse kaum zu bewegen, beim V8 sind es schnell zwölf Liter. Sparsamer sind nur die Diesel. Die lassen sich bei moderater Fahrweise mit weniger als acht Litern Treibstoff bewegen. Bekannte Mängel: Verschleiß beim Rad des Kettenantriebs, Batterieausfall, Displayfehler des Tachos, Probleme mit der Automatik-Schaltung, Wackelkontakte bei der Sitz-Elektronik. Alternativen: Audi A8 (Baujahr ab 2005, 10 000 Euro, 150 000 km Laufleistung), BMW 7er (Baujahr ab 2005, 12 000 Euro, 170 000 km Laufleistung)

Porsche 911 (996, 1997 bis 2006)

Die Preise für gebrauchte Porsche 911 sind in den letzten Jahren in astronomische Höhen geschossen. Sechsstellige Beträge sind keine Seltenheit. Nur ein Modell bleibt bei der Preistreiberei außen vor: der 996, der zwischen 1997 und 2006 gebaut wurde. Das liegt vor allem an den langgezogenenen Scheinwerfern. Die teilte sich der Sportwagenklassiker mit dem Boxster. Spöttisch nannte man die auslaufende Form "Spiegelei". Ein wirkliches Problem ist: Der Kurbelwellen-Simmering ist oft undicht. Das kann zum kompletten Motorschaden führen. Das hat dazu geführt, dass der 996 der einzige 911er ist, der bereits ab 15 000 Euro in Gebrauchtwagenbörsen zu finden ist. Weniger Spaß macht er deswegen nicht. 300 PS leistet der Sechszylinder, die Motoren gelten als unkaputtbar. Nicht ohne Grund landet der 911er seit Jahren als eines der Autos mit den wenigsten Ausfällen an der Spitze des TÜV-Reports. Bekannte Mängel: Rost ist kein Thema, Bremsen, Auspuff und Fahrwerk ebenso wenig. Anfälliger sind die Elektronik des 996 (Batterie und Navigationssystem) sowie Querlenker und Spurstangen. Zudem gilt: Genau hinsehen, eine sportliche Fahrweise des Vorbesitzers führt zu höherem Verschleiß. Alternativen: Weniger Prestige, dafür ähnliche Sportwagenqualitäten bietet der Nissan 350Z (2002 bis 2009, ab 12 000 Euro, 100 000 km Laufleistung).

VW Phaeton (2002 bis 2015)

Der Phaeton: Angetreten, um BMW und Mercedes Konkurrenz zu machen, konnte sich die Oberklasselimousine in Deutschland nie etablieren. Die meisten Phaetons verkaufte Volkswagen in China. Mangelndes Prestige machte der Luxus-VW aber durch seine Technik und Ausstattung wett. Schon zu Beginn verfügte die Limousine über einen Abstandstempomat und einen Spurwechselassistenten. Im Inneren gibt es edelste Materialien. Die Motoren: Sechs-, Acht-, Zehn- und Zwölfzylinder zwischen 241 und 450 PS. Trotzdem ist der Preis für den Phaeton auf dem Gebrauchtwagenmarkt im Keller. Mehr als 60 000 Euro kostete er einst, ab 5000 Euro gibt es heute die ersten Exemplare mit hohen Laufleistungen. Für Fahrzeuge mit zirka 100 000 Kilometern muss man 9000 Euro und mehr zahlen. Bekannte Mängel: Aufgrund seiner geringen Verbreitung hat der ADAC den VW Phaeton nicht einmal in seine Mängelliste aufgenommen. Des Öfteren kommen Reifendefekte, Probleme mit dem Potenziometer der Drosselklappe und falsch eingestellte Scheinwerfer vor. Alternativen: In der Oberklasse-Liga? Keine. 7er BMW und die Mercedes S-Klasse kosten gebraucht fast das Doppelte.

Range Rover Mk3 (2002 bis 2012)

Wenn schon ein SUV, dann bitte einen Range Rover. Ein Auto von der Marke, die schon vor Jahrzehnten den Trend zum stadttauglichen Geländewagen setzte. Die dritte Generation des Range Rover kostete einst mindesten 60 000 Euro. Heute gibt es erste Modelle mit astronomischen Kilometerständen ab 5000 Euro auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Jenseits der 10 000-Euro-Marke schmelzen auch die Laufzeiten. Mit dem Range Rover erhält man britischen Charme und bayerische Technik. BMW entwickelte viele Teile des SUVs, obwohl das Unternehmen bereits zu Ford gehörte. Sparsam ist das 2,5 Tonnen schwere Stahlmonstrum nicht. Unter elf Litern Diesel ist der Range Rover kaum zu bewegen. In den höheren Motorisierungen (bis zu 510 PS im V8-Kompressor) können es 18 Liter sein. Im Innenraum gibt es dafür britische Gemütlichkeit mit viel Holz und Leder. Nur einige Plastikapplikationen trüben das Gesamtbild. Wer die Familie samt Gepäck mitnehmen will, findet genug Platz. Bis zu 2100 Liter schluckt der Kofferraum. Bekannte Mängel: Das Automatikgetriebe neigt ab 130 000 Kilometern dazu, Probleme zu verursachen. Der Kompressor der Luftfederung ist anfällig für Ausfälle. Alternativen: Audi Q7 (2005 bis 2015, ab 14 000 Euro, 130 000 km Laufleistung), Porsche Cayenne (2002 bis 2007, ab 9000 Euro, 130 000 km Laufleistung).

Rolls-Royce Silver Shadow (1965 bis 1980)

Einmal im Leben einen Rolls-Royce fahren. Wie die Queen. Doch ohne Kronjuwelen im Schrank wird das wohl kaum Realität werden. Doch halt, ein Blick in den Gebrauchtwagenmarkt zeigt: Von königlichen Preisen bleibt bei der britischen Nobelmarke nach einigen Jahrzehnten kaum etwas übrig. Der Silver Shadow, gebaut in zwei Generationen (I und II) zwischen 1965 und 1980, kostet als Gebrauchtwagen gerade einmal 10 000 Euro. Dafür gibt es viel poliertes Holz und Leder im Innenraum, Motoren mit mehr als sechs Litern Hubraum und zum ersten Mal eine selbsttragende Karosserie. Allerdings sind nicht nur die Materialien des Rolls-Royce Oberklasse. Jede Reparatur zieht astronomische Kosten nach sich. Deswegen gilt die einfache Regel: Je mehr man für einen Silver Shadow ausgibt, umso besser. Denn das heißt wahrscheinlich weniger Besuche in der Werkstatt. Bekannte Mängel: Auch wenn Rolls-Royce für sich in Anspruch nimmt, die besten Autos der Welt zu bauen - auch die rosten nach einigen Jahrzehnten. Anfällig sind die Falzkanten der Außenhaut, der Kofferraum und der Radlauf. Der Motor macht wenig Probleme, hohe Laufleistungen bis eine halbe Million Kilometer sind keine Seltenheit. Was natürlich auch daran liegt, dass die Vorbesitzer die Luxuslimousine meist pfleglich behandelten. Alternativen: Optisch nur geringfügig unterscheidet sich der Bentley T2 (1965 bis 1980, ab 17 000 Euro, 100 000 Kilometer Laufleistung). Kantigen 80er-Charme bietet der Nachfolger Rolls-Royce Silver Spirit (1980 bis 1998, ab 12 000 Euro, 120 000 Kilometer Laufleistung).

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