Fußgänger:Straßenbahnen bekommen per Funk Vorfahrt

Im Falle der Fußgänger geht die RiLSA davon aus, dass die sich im Schnitt mit 1,2 bis 1,5 Meter pro Sekunde bewegen. Je nach Breite der Straße ergeben sich so Grün- und Schutzphase. Bei einer mehrspurigen Straße, die durch eine Verkehrsinsel unterteilt wird, gilt das in den meisten Fällen für den ersten Abschnitt. In einem Rutsch kommt man hier nur im Sprint auf die andere Seite. Befindet sich zum Beispiel ein Altenheim oder eine Schule in der Nähe, kann die zu Grunde gelegte Schrittgeschwindigkeit auf einen Meter pro Sekunde heruntergesetzt werden.

Durch in die Straße eingelassene Induktionsplatten, die von Autos ausgelöst werden können, kann der Rhythmus beeinflusst werden. So stehen Fußgänger mitunter länger, als ihnen lieb ist. Auch Straßenbahnen, Busse und die Feuerwehr können per Funk Vorfahrt erhalten.

So weit, so logisch. Interessensvertretungen wie der Fachverband Fußverkehr (FUSS e.v.) oder die Grünen fordern aber schon seit Jahren, dass sich der Verkehr an den Schwächsten orientieren müsse, also an Kindern, Senioren und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Denn die hätten mit der vorhandenen Regelung kaum Chancen, rechtzeitig auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer einbeziehen

Die Umsetzung ist allerdings schwierig. Gerda Weigel-Greilich, Bürgermeisterin in der hessischen Universitätsstadt Gießen, gab auf eine Bürgerbeschwerde hin erstaunlich offen zu, dass sich die Schaltung der Ampeln "nicht an den Langsamsten" orientieren könne, da sonst "kein Verkehrsfluss zu gewährleisten" sei. Alfred Overberg vom Landesbetrieb Straßenbau NRW stimmt zu. Man müsse die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer einbeziehen, "was in manchen Fällen nach Abwägung aller Interessen auch zu einem Kompromiss führen kann oder muss, der nicht jeden ausreichend befriedigen kann".

Sicherer macht das die Straße für Fußgänger nicht. Dabei wäre die Lösung so einfach. Länder wie die USA oder Dänemark verwenden seit Jahren sogenannte Countdown-Ampeln, die runterzählen, wie lange die Ampel noch grün ist. Und auch in einer deutschen Stadt gibt es eine Alternative. In Düsseldorf leuchten Ampeln für Fußgänger nicht nur Rot und Grün sondern auch Gelb. So wissen Fußgänger, wann sie die Straße bequem überqueren können - und wann es knapp wird.

© Süddeutsche.de/harl/jab
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