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Frachtensegler auf dem Gardasee:Erinnerung vor dem Wind

Die aufwendig restaurierte "Siora Veronica" erinnert an die große Zeit der Frachtensegler auf dem Gardasee.

Jeder, der auf dem Gardasee schon gesegelt oder gesurft ist, kennt dessen regelmäßige und gut voraussagbaren Winde. Denn seine besondere Lage - im Norden fjordartig zwischen hohes Gebirge eingezwängt, im Süden sich breit in die Poebene vorschiebend - bewirkt den täglichen Wechsel zwischen dem Pelèr, dem frischen Nordwind aus den Bergen, und der warmen Ora aus dem Süden, die meist in den Mittagsstunden einsetzt.

Das alte Lastensegler Veronica erstrahlt wieder in alter Schönheit.

(Foto: Foto: www.letsgosailing.it)

Jahrhundertelang ging der Verkehr zwischen Riva und Torbole im Norden und den Orten im Süden von Malcesine und Gargnano ausschließlich übers Wasser, denn steil ins Wasser stürzende Felswände ließen an beiden Ufern auch für den schmalsten Saumpfad keinen Platz. Nicht nur Personen wurden mit Segelbooten befördert, weit bedeutender war der Güterverkehr: Holz, Kohle und Steine wurden von Norden nach Süden, Früchte, Öl und Wein von Süden nach Norden transportiert.

Barconi wurden diese Lastensegler genannt - geräumige große Schiffe, von denen die größten 20 Meter Länge maßen und bis zu 70 Tonnen Nutzlast tragen konnten. Ein spöttischer Chronist verglich einmal den Bauplan mit einer Gans ohne Kopf und Beine, aber dank seiner Zweckmäßigkeit wurde er seit dem Mittelalter kaum verändert. Ende des 19. Jahrhunderts gingen die Werften von der alten Holz- zur Stahlbauweise über. Aber das Rigg blieb: Zwei Masten trugen große farbige trapezförmige Vierecksegel an langen luggerartig geführten Spieren, die vor dem Wind nach beiden Seiten ausgestellt werden konnten. Ein mächtiger Klüverbaum ermöglichte das Führen eines großen dreieckigen Vorsegels.

Erst 1931 wurde die Tunnelstraße von Riva nach Salò eingeweiht; auch die Gardaseeschiffer feierten dies mit einer grandiosen Regatta. Mehr als 30 große Lastensegler nahmen teil, darunter auch die Veronica und die San Nicolò. Niemand konnte damals ahnen, dass diese beiden Schiffe einmal die einzigen Überlebenden dieser stattlichen Flotte sein würden. Aber die neuen Straßen nahmen den Schiffern ihren Erwerb, die stattlichen Boote verrotteten langsam.

Frachtensegler auf dem Gardasee

Erinnerung vor dem Wind