Formel E Genau der richtige Ort für Rennen

Beschlossene Sache ist schon jetzt die allgemeine technische Aufrüstung. So soll stufenweise die Leistung der Rennwagen gesteigert werden, die Batterien werden auf bis zu 40 kWh ausgelegt. Eine Eigentümlichkeit der Formel E fiele dann weg: Der Fahrzeugwechsel zur Hälfte des Rennens. Er ist nötig, da sich Tankstopps nicht wie bei Hamilton und Vettel in Sekunden erledigen lassen, sondern eine leere Batterie eine halbe Stunde oder länger zum Aufladen ans Netz muss.

Nachdem Hockenheim und Nürburgring vom Formel-1-Kalender gestrichen wurden, kommt dem Berliner Rennen ein besonderer Status zu. Die Stadtregierung betrachtet das Spektakel mit Wohlwollen: Als "Hauptstadt der Elektromobilität" sei Berlin "genau der richtige Ort für dieses Rennen", ließ Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer im Februar verlauten. Die Rennserie beweise, dass E-Mobilität nicht nur vernünftig sei, sondern auch Spaß mache. Doch mehr als Sympathiebekundungen hat der Senat nicht für die Show übrig. Dem Wunsch des Veranstalters, auf der Straße des 17. Juni mit dem Brandenburger Tor als Kulisse fahren zu dürfen, erteilte er eine Absage. Und finanziell ist von Berlin ("arm, aber sexy") auch nichts zu erwarten. Dennoch werden der Stadt gute Chancen eingeräumt, künftig Gastgeber der Formel E zu bleiben.

Grüne Höllengefährte

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Nicht lauter als Rasenmäher

Erstmals seit 1998 kann sich die Hauptstadt so wieder mit einem offiziellen Autorennen schmücken. Der Austragungsort, der 2008 geschlossene Zentralflughafen Tempelhof, ist in der Wahrnehmung der Spree-Athener ein Politikum geblieben. Für das inzwischen als Freizeitanlage beliebte rund 220 Hektar große Areal werden immer wieder neue Nutzungskonzepte diskutiert. Im vergangenen Jahr verhinderte ein Volksentscheid Pläne des Senats für eine Randbebauung. Promoter Alejandro Agag weiß das Vorfeld am historischen Abfertigungsgebäude durchaus zu schätzen: "In Tempelhof müssen wir keine Straßen sperren oder den Verkehr unterbrechen", sagte er bei der Präsentation der Strecke. Der aus neun Links- und sechs Rechtskurven bestehende Parcours ist rund 2,5 Kilometer lang.

Während sich gleichzeitig in Monaco Tausende mit Ohrstöpseln bewehrt dem Abgasduft von Ferrari und Co. aussetzen, verfolgt das Berliner Publikum die Akku-Raserei relativ entspannt. Mit maximal 80 Dezibel sind die E-Renner nicht lauter als ein Rasenmäher. Da das frei empfangbare Fernsehen den "ePrix" noch nicht entdeckt hat, sind Augenzeugen im Vorteil. Rund 20 000 Zuschauer werden erwartet, die - auch das eine Besonderheit der Formel E - aktiv ins Geschehen eingreifen können. Mit dem sogenannten Fan-Boost stimmen sie darüber ab, welche Fahrer für einen kurzen Zeitraum einen zusätzlichen Stromstoß in Anspruch nehmen können. Per Telemetrie wird dann eine elektronische Sperre in dem Wagen geöffnet und eine Leistung von 200 kW freigesetzt - unter Umständen ein rennentscheidender Faktor. Jörg Reimann begrüßt die "innovative Einbindung der Fans über die sozialen Netzwerke". Bislang kann bis zehn Minuten vor dem Start abgestimmt werden. Gegenwärtig kämpft Alejandro Agag mit der FIA darum, das Voting bis in die ersten zehn Minuten des Rennens hinein zu verlängern.