Ford Mondeo im Fahrbericht Die Zeit spielt gegen ihn

Als fünftürige Limousine kostet der neue Ford Mondeo mindestens 27 150 Euro.

(Foto: STG)

Der neue Ford Mondeo ist endlich da. Im ersten Test beweist er einige Qualitäten. Dennoch zeigt sich: Die zweijährige Verzögerung ließ ihn schon vor Markteinführung altern.

Von Thomas Harloff

Es herrscht ein dichtes Gedränge im Mittelfeld. Der Satz, sonst zum Standardrepertoire eines Fußballreporters gehörend, lässt sich derzeit auch auf die Autowelt übertragen. Denn in der Mittelklasse ist gerade richtig viel los. Seit März wurden mit der Mercedes C-Klasse und dem VW Passat bereits zwei Mittelklasseautos und Vertreter aus der Top Fünf der deutschen Zulassungsstatistik runderneuert.

Dem deutschen Duo folgt im Februar der neue Ford Mondeo. Früher ebenfalls ein Bestseller in der Mittelklasse, sackten dessen Absatzzahlen zuletzt regelrecht ab. Nach dem ersten Halbjahr 2014 fand er sich nur auf Platz 71 der deutschen Zulassungs-Hitliste wieder. Der Nachfolger war bereits zum Jahreswechsel 2012/13 geplant und sollte den Trend stoppen. Doch die Schließung des Werks im belgischen Genk und die Verlegung der Mondeo-Produktion ins spanische Valencia verzögerten die Markteinführung erheblich.

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Welches Potenzial der Mondeo hat, zeigt dessen Erfolg in Amerika. Dort hat er sich als Ford Fusion innerhalb von zwei Jahren erfolgreich am Markt etabliert. Die US-Käufer schätzen besonders das auf allen Plätzen hervorragende Raumangebot. In puncto Variabilität sind jedoch die europäischen Kunden im Vorteil, denn eine Kombiversion wird in den USA nicht angeboten. In Deutschland greifen die Kunden dagegen bevorzugt zum Kombi, der weiterhin "Turnier" heißt. Ford geht von einem Anteil von 80 Prozent aus. Zwar ist dessen Kofferraumvolumen im Vergleich zum Vorgänger etwas geschrumpft, aber mit einem Volumen von 525 bis 1630 Liter und ebener Ladefläche bei umgeklappten Rücksitzen ist das Ladeabteil trotzdem gut nutzbar. Zumal die Zuladung, abhängig von der Motorisierung, bei enormen 775 bis 832 Kilogramm liegt. Einen Minuspunkt gibt es für die teilweise billigen Materialien, vor allem das Hartplastik in der Mittelkonsole.

Der Innenraum ist geräumig, die Funktionen sind besser zu bedienen als früher.

(Foto: STG)

Erster Ford-Hybrid in Europa

Wie schmerzhaft die zweijährige Verzögerung ist, zeigt vor allem das neue Bedienkonzept. 2012 wäre der Achtzoll-Touchscreen mit Sprachsteuerung ein Highlight in der Mittelklasse gewesen. Inzwischen verfügen die modernen Konkurrenten über bessere Technologien. Dennoch ist das neue Mondeo-System mit seinen stringent und intuitiv aufgebauten Menüs ein Fortschritt gegenüber dem unübersichtlichen Knöpfchenhaufen, der beim Vorgängermodell die Mittelkonsole bevölkerte. Die Tasten gibt es freilich immer noch - sie sind jetzt am Lenkrad untergebracht.

Zum Test stand der neue Mondeo mit drei Motoren bereit, von denen jeder seine Vor- und Nachteile hat. Der 187 PS starke Hybrid kombiniert einen Zweiliter-Turbobenziner mit einem Elektromotor, einem Zwölf-Volt-Akku und einem Doppelkupplungsgetriebe. Der Antrieb ist sparsam (aus versprochenen 4,2 Liter werden im Test 5,9), aber durchzugsschwach und sehr laut, sobald der Benziner gefordert wird. Besser passt der Zweiliter-Diesel mit 180 PS, der oberhalb von 2000 Umdrehungen so viel Kraft auf die Vorderräder überträgt, dass diese immer wieder Probleme haben, sie auf den Boden zu übertragen. Nach der flotten Proberunde errechnete der Bordcomputer einen Verbrauch von 7,2 Liter; Ford verspricht 4,4.