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Ford Ka:Kölner Knutschkugel ist kein Mini wie jeder andere

Die Verwandschaft zum Fiesta ist beim Ka nur schwer erkennbar / Kultivierte Motoren und solidere Verarbeitung beim Mondeo

(SZ vom 19.10.1996) Ford hat den Ka in weniger als drei Jahren zur Serienreife entwickelt. Das war nur möglich, weil sich die Kölner Knutschkugel weitgehend der Mechanik des neuen Fiesta bedient. Die Karosserie wurde allerdings von Kopf bis Fuß neu zugeschnitten, und sie ist gewiß ein ganz wesentlicher Kaufanreiz, denn der Ka ist kein Mini wie jeder andere. Der 3,62 Meter kurze Dreitürer wirkt pfiffig und modern. Zu den besonderen Kennzeichen des Newcomers gehören die knappen Überhänge, die großen Kunststoff-Prallflächen und die mit dem Kurvenlineal gestylte Front- und Heckpartie. Die Kopffreiheit ist auf allen vier Plätzen ausgesprochen großzügig, doch der Aufenthalt im Fond erfordert ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit, und auch die Innenbreite genügt nur bescheidenen Ansprüchen. Der Kofferraum ist variabel, aber klein: Je nach Neigung der Rückenlehne faßt er zwischen 186 und 205 Liter. Unverständlicherweise gibt es weder einen Druckknopf an der Heckklappe noch eine Fernentriegelung - ohne Schlüssel läuft hier gar nichts. Leider hat Ford den Rotstift auch anderswo angesetzt. Eine Gurt-Höhenverstellung fehlt ebenso wie ein Haltegriff für den Beifahrer, ein höhenverstellbares Lenkrad und die Schaltmarkierungen im Tacho.

Auch die Ausstattungspolitik ist nicht immer logisch. Einerseits gehört ein relativ aufwendiges Stereo-Cassetten-Radio genauso wie der Fahrerairbag bei allen Varianten zum serienmäßigen Lieferumfang, andererseits sind Servolenkung, Klimaanlage (990 Mark) und Komfortpaket (Zentralverriegelung, Fensterheber) nur in Verbindung mit dem 60 PS-Motor bestellbar. Um den Preis niedrig zu halten, umfaßt die Ausstattungsliste abgezählte acht Positionen. Empfehlenswert sind Beifahrerairbag (250 Mark), Kopfstützen hinten (190 Mark) und das Sitzpaket mit höhenverstellbarem Fahrersitz, Ablagenetzen und Ausstiegshilfe (150 Mark). Das ABS ist erst von Anfang 1997 an lieferbar, und auf die in dieser Klasse besonders populäre Automatik müssen Interessenten sogar bis 1998 warten.

Der Ka mit dem 37 kW- (50 PS-)Motor kostet 16 750 Mark, die von uns gefahrene 44 kW- (60 PS-)Ausführung steht mit 18 150 Mark in der Preisliste. Wer mehr ausgeben kann (22 750 Mark), der sollte sich die First Edition näher ansehen, deren Auflage auf 3000 Stück begrenzt ist. Dieses besonders edle 60 PS-Modell beinhaltet unter anderem Metalliclack, Alufelgen, Klimaanlage und ein Radio mit integriertem CD-Spieler. Ähnlich individuell wie das Ka-Exterieur ist auch das Cockpit. Das wuchtige Armaturenbrett glänzt mit guter Ergonomie, vielfältigen Ablagemöglichkeiten und mutigem Design. Nicht sonderlich mutig, sondern ziemlich klein sind die Vordersitze, die wenig Seitenhalt bieten und schlecht durchlüftet sind. Die Note sehr gut verdient sich der Ka in einer Disziplin, in der sich Ford bislang nicht immer mit Ruhm bekleckert hat. Die Rede ist von Motor und Getriebe. Obwohl im Ka das betagte 1,3 Liter-Aggregat mit seitlicher Nockenwelle, Zweiventilkopf und Graugußblock Dienst tut, zeigt sich der Antrieb von seiner besten Seite. Die Maschine hängt gut am Gas, ist vorbildlich leise und schwingungsarm, und harmoniert bestens mit der relativ lang abgestuften Fünfgang-Schaltbox. Unter dem Strich ist der Ka - subjektiv - sogar noch einen Touch kultivierter als der neue Fiesta. Der Verbrauch kann sich ebenfalls sehen lassen. Das 50 PS-Modell konsumiert nach der neuen EG-Norm im Schnitt 5,9 Liter, das 60 PS-Auto schluckt 6,7 Liter auf 100 Kilometer. Die Fahrleistungen liegen im gewohnten Rahmen. Die stärkere Version ist 163 km/h schnell und spurtet in 15,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, der schwächere Ka nimmt sich 2,3 Sekunden länger Zeit und ist 16 km/h langsamer.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kleinwagen ist der kompakte Ford kein bockiges Primitivauto mit übermäßig defensiv abgestimmtem Fahrwerk. Im Gegenteil: Der Federungskomfort überrascht durch seine Ausgewogenheit und durch die Schluckfreudigkeit auf schlechter Wegstrecke, die Straßenlage ist trotz der kleinen und schmalen Reifen (165/65 R 13) selbst im Grenzbereich vertrauenserweckend, die Richtungsstabilität stimmt, und das dezent kopflastige Handling ist frei von bösen Überraschungen. Die Servolenkung arbeitet nicht nur leichtgängig, sondern auch prompt und zielgenau. Die Bremsen (Scheiben vorne, Trommeln hinten) sprechen spontan an; konkrete Aussagen zu Standfestigkeit und Anhalteweg können wir noch nicht machen. Fazit: Der Ford Ka ist nicht nur optisch eine Bereicherung des Kleinwagen-Angebots. Auch die Fahreigenschaften sowie der Federungs- und Antriebskomfort machen Lust auf mehr. Mehr Leistung liefert Ford allerdings erst zum Modelljahr 1998 - dann kann der Ka auch mit der kräftigen 90 PS-Maschine bestellt werden.

Modellpflege beim Mondeo

Der Mondeo war vom ersten Tag ein feines Auto: fahrsicher, agil, ordentlich ausgestattet, nicht zu teuer. Die wesentlichen Schwächen betrafen das knappe Platzangebot im Fond, die zumindest anfangs mäßige Verarbeitung, die relativ lauten und rauhen Motoren und - aus Sicht vieler Kunden - das anonyme Desgin, vor allem im Bereich des Vorderwagens. Anonym sieht das '97er-Modell bestimmt nicht mehr aus, doch ob es wirklich hübscher ist als der Vorgänger, muß jeder für sich selbst entscheiden. An den Raumverhältnissen hat sich nichts Grundsätzliches geändert. Modifizierte Rückenlehnen schaffen zwar bis zu 40 Millimeter mehr Knieraum für die Fondspassagiere, aber verglichen mit VW Passat oder Peugeot 406 geht es im '97er Mondeo nach wie vor ziemlich eng zu.

Qualitativ ist den Ford-Ingenieuren dagegen ein wahrer Quantensprung gelungen. Der von uns gefahrene Wagen war so leise wie ein 5er BMW, die Türen und Hauben schlossen mit schwäbisch-sattem Klang, und daß nichts knarzte und quietschte, ist ein Indiz für die rundum versteifte Karosserie. Natürlich dienen diese Maßnahmen auch der passiven Sicherheit. Um das Wohlergehen der Besatzung kümmert sich darüberhinaus das neue Airbag-System mit mehr Fassungsvermögen und gegen Aufpreis lieferbaren, in die Sitzwangen integrierten Prallsäcken. Von sofort an sind außerdem alle Mondeo-Modelle mit einem Vierkanal-ABS inklusive elektronischer Bremskraftverteilung, mit Anti-Dive-Sitzen (verhindern das Durchtauchen unter dem Gurt) sowie mit Automatikgurten und höhenverstellbaren Kopfstützen auf allen fünf Plätzen ausgestattet.

Das Fahrwerk wurde weiterentwickelt und neu abgestimmt. Der Effekt: besserer Langsamfahrkomfort, insgesamt etwas weichere Federung, progressiver Dämpfer und eine reibungsärmere (sprich direktere) Lenkung. Gleichzeitig hat Ford die Motoren-Palette überarbeitet. Ziel der Maßnahmen war es, Verbrauch und Emission zu senken, wenn möglich ohne Auswirkung auf die Leistung. Das gelang auch, denn die '97er-Modelle sind bis zu acht Prozent sparsamer und - dank neuer Metallkatalysatoren - bis zu 48 Prozent sauberer. Weitere Änderungen betreffen neue, vibrationsdämpfende Motorlager, etwas länger übersetzte Getriebe, eine optimierte Einspritzelektronik für den Turbodiesel, ein verbessertes Getriebe mit Seilzugschaltung für den V 6 und eine leichtgängigere hydraulische Kupplung. Zusätzlich zu den bekannten Ausstattungspaketen CLX, GLX und Ghia gibt es den Mondeo ab sofort auch als sportlich angehauchten GT. Alle drei Karosserievarianten sind weiterhin preisgleich. Apropos Preis: der '97er-Jahrgang ist zwar um 70 Mark teurer geworden, doch durch die verbesserte Ausstattung ergibt sich für den Kunden ein Mehrwert von rund 700 Mark. Bei den stärker motorisierten - im Preis gesenkten - Modellen beträgt die Differenz sogar mehr als 2000 Mark. Die Palette beginnt beim CLX 1. 6 mit 66 kW (90 PS) zu 33 000 Mark und endet beim 125 kW (170 PS) starken Ghia Automatik für 48 380 Mark.

Fazit: Aus einem guten Auto ist ein noch besseres geworden. Am facegelifteten Mondeo beeindrucken vor allem die neu dazugewonnene Solidität im Karosseriebereich, das komplette Sicherheitspaket und - wie schon beim Ka - die harmonischen Motoren, die unerwartet leise und kultiviert laufen. In Sachen Antriebs- und Fahrwerkskomfort hat Ford damit zu den Klassenbesten aufgeschlossen.

Von Georg Kacher