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Ford Galaxy:Eine Frage des Preises

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(SZ vom 12.07.2000) Wie stark sich die Zeiten in der Automobilindustrie geändert haben, zeigen die diversen Kooperationen, bei denen Wettbewerber (unter verschiedenen Flaggen) mehr oder weniger identische Modelle anbieten. Eine der großen Überraschungen sind dabei die vor fünf Jahren von VW und Ford gemeinsam entwickelte Modelle Sharan und Galaxy gewesen sein, mit denen sich die beiden Großkonzerne in den bis dato vernachlässigten Markt der Großraumlimousinen hinein manövrieren konnten.

Nach fünf Produktionsjahren kann man den beiden Zwillingen durchaus einen gelungenen Einstand attestieren - und dass Ford ausgerechnet in seinem 75. Geburtsjahr in den Monaten Januar bis April mit 6500 Zulassungen den Wolfsburger Konkurrenten um 500 Fahrzeuge überbieten konnte, tut der derzeit etwas darnieder liegenden Kölner Seele natürlich besonders gut.

Um diesen knappen Vorsprung abzusichern, hat man den Galaxy nun gründlich überholt, wobei es besonders darauf ankam, die Optik näher an das typische Ford-Erscheinungsbild heranzuführen. Also sorgen nun tropfenförmige Klarglas-Scheinwerfer, ein neuer Kühlergrill sowie die V-förmige Prägung der Motorhaube für mehr Familienähnlichkeit. Und auch das gelungene Armaturenbrett mit reichlich Ablagemöglichkeiten ist nun typisch Ford. Dazu kommen neue Sitze und eine freundlichere Haptik, zu der auch eine höherwertige Materialauswahl ihren Teil beiträgt.

Unter der Motorhaube arbeiten die bewährten Diesel-Triebwerke mit 66 kW (90 PS) und 85 kW (115 PS) Leistung, die - ebenso wie die 2,8-Liter-V6-Variante mit 150 kW (204 PS) - aus dem Motorenlager von VW stammen, während die 2,0- und 2,3-Liter-Vierzylinder mit 85 kW (115 PS) und 107 kW (145 PS) Leistung bei Ford entwickelt wurden. Als zusätzliches Bonbon hat Ford für den neuen 2,3-Liter-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen (der allerdings nicht die D4-Norm erfüllt) eine neue Viergangautomatik mit einer zusätzlichen Schaltgasse für einen manuellen, sequenziellen Gangwechsel entwickelt - eine Lösung, bei der allerdings das Temperament derart leidet, dass Nachbesserungen angeraten wären.

Ansonsten bietet der Galaxy - wie nicht anders zu erwarten - Raum im Überfluss, reichlich Komfort und einen hohen Alltagsnutzen, verpackt in eine attraktive Form. Und mit den Preisen, die zwischen 48 720 Mark für die 2,0-Liter-Ambiente-Variante, 51 370 Mark für den kleineren Diesel und 62 880 Mark für den 2,8-Liter-Ghia-Galaxy liegen, gibt sich der Kölner Zwillingsbruder auch preisgünstiger als sein Wolfsburger Pendant. Man darf gespannt sein, wie und wann der VW-Konzern auf diese finanzielle Kampfansage reagieren wird.

Von Jürgen Lewandowski