Ford F-150 Ecoboost FX-4:Big in America

Was den Deutschen der VW Golf ist den Amerikanern der Pick-up Ford F-150: seit Jahrzehnten ein Bestseller. Jetzt will er tatsächlich ein bisschen öko werden.

Stefan Grundhoff

Der Ford F-150 war schon immer eine stattliche Erscheinung. Das ist beim aktuellen Modell nicht anders. Dafür sind die kantigen Zeiten der achtziger und frühen neunziger Jahre vorbei, ebenso die rundlich organischen Formen, die in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre sämtliche US-Modelle verunglimpften. Den legendären Mustang, der dem F-150 mittlerweile seine Triebwerke leiht, hätte das seinerzeit fast den Kopf gekostet.

Ford, der einzige der drei großen US-Hersteller, der ohne großzügige Dreingaben der Regierung im Spiel blieb, ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Neben dem neuen Weltauto Ford Focus sind der sportliche Mustang und die praktische Allzweckwaffe F-150 die Eckpfeiler im Modellprogramm.

Der Full-Size-Pick-up, wie die Amerikaner die großen Geländewagen vom Typ Dodge RAM, Toyota Tundra, Chevrolet Silverado oder eben den Ford F-150 nennen, stehen in den Einfahrten der urbanen Regionen von San Diego oder Miami ebenso wie auf einer Ranch in Texas oder in den unwegsamen Bergregionen entlang der kanadischen Grenze. Jeder in den USA mag den F-150 und fast jeder hat schon einmal einen gefahren.

Während die Pick-ups in Europa nie den rechten Durchbruch schafften, gehören sie in Nordamerika seit den fünfziger Jahren zu den an meisten verkauften Autos überhaupt. Der Platzhirsch heißt seit 1948 Ford F-150 und stellt von der Menge her selbst den europäischen Bestseller VW Golf in den Schatten.

In Wolfsburg sollen Bluemotion-Technologie, kleine Hubräume und Turboaufladungen den Weg zu geringeren Verbräuchen weisen. Dort will auch das deutlich größer dimensionierte Gegenüber aus den USA hin: Zwar gibt es hier noch keine vier Brennkammern oder eine Zylinderabschaltung wie bei der neuesten Motorengeneration aus Niedersachsen, doch die Lastesel aus Dearborn sind längst ebenfalls auf dem Ökotrip.

Keine Frage, dass Ford ebenso wie die Konkurrenz nach wie vor mächtig blubbernde V8-Triebwerke im Köcher hat. Doch das neue Schmuckstück der Motorenpalette ist der 3,5 Liter große Ecoboost-Motor, der 272 kW / 370 PS und 590 Nm maximales Drehmoment leistet. Damit kann er als Allradler stattliche 5,3 Tonnen schwere Anhänger ziehen und auf der Ladefläche knapp 1,3 Tonnen schleppen.

Endlich ein Innenraum, der diesen Namen auch verdient

Das ist rund doppelt so viel wie das Basismodell des 302 PS starken Ford F-150 3.7 V6 ohne Turboaufladung. Damit steckt das Kampfgefährt aus der Nähe von Detroit selbst die V8-Konkurrenz von Dodge RAM 5.7 und Toyota Tundra 5.4 in die Tasche.

Bei aller Leistung ist das Ecoboost-Triebwerk vergleichsweise sparsam. Ford verspricht je nach Gangart zwischen 15 und 21 Meilen pro Gallone. In der Realität lässt sich der Power-Pick-up mit rund 17 bis 18 Meilen pro Gallone bewegen. Umgerechnet sind das knapp 15 Liter Super auf 100 Kilometern. Auf längeren Highway-Passagen lässt sich der Verbrauch auf unter zwölf Liter drücken. Das sind rund 30 Prozent weniger als noch vor ein paar Jahren und allemal ein Weg in die rechte Richtung.

Der 3,5 Liter große Sechszylinder schiebt nach kurzer Verzögerung gewaltig an. Selbst unter maximaler Lastanforderung gibt es kaum einen Unterschied zu einem V8-Triebwerk. Das doppelt aufgeladene V6-Triebwerk ist drehfreudig und allenfalls die sechsstufige Getriebeautomatik macht bisweilen einen leicht unwilligen Eindruck.

Stark ist der F-150 FX4 auch im Gelände. Dafür sorgen nicht nur die auf Wunsch grobstolligen 20-Zoll-Räder oder die knapp 22 Zentimeter Bodenfreiheit, sondern auch der sinnvolle Allradantrieb und die Differentialsperre an der Hinterachse. Der Allradantrieb lässt sich jederzeit manuell zuschalten. Den Spurt 0 auf Tempo 100 schafft der Allradler in knapp neun Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 170 km/h. Bessere Wert sind wegen der schlechten Aerodynamik und insbesondere der offenen Ladefläche nicht möglich.

Der 5,89 Meter lange Ford F-150 Supercab FX-4 legt allein durch seine schiere Größe einen imposanten Auftritt hin. In sein Führerhaus kraxelt man förmlich hinauf und blickt dann auf üppig dimensionierte Geländewagen am der Ampelkreuzung fast mitleidig herab.

Auch der Innenraum hat sich mächtig gemacht. Die Arbeitskanzel vergangener Jahre, die eher dem Führerstand eines Großbaggers entsprach, ist verschwunden. Die Sitze sind großzügig dimensioniert und die Rundumsicht ist trotz der Abmessungen sehr ordentlich. Den unsichtbaren Bereich hinter der großen Ladeklappe erhellt eine Minikamera, die das etwas zu unscharfe Bild in den Innenspiegel projiziert.

Niemals mit leerer Ladefläche fahren

Wenn man sich an die leicht verspielten Instrumente gewöhnt hat, findet man sich bestens zurecht. Wer den F-150 startet, blickt zwischen den beiden Analoguhren auf eine mehrfarbige Multifunktionsanzeige, auf der der Schriftzug "Built Tough" nicht nur beim ersten Mal Eindruck macht. Schalter und Bedienelemente unterscheiden sich nicht nennenswert von denen bekannter Ford-Crossover.

Dort wo bei Fahrzeugen kleinerer Klassen im Außenspiegel längst elektronische Totwinkelassistenten untergebracht sind, gibt es beim F-150 einen unglücklich positionierten Totwinkelspiegel. Bringt nicht viel und schränkt das Blickfeld nach hinten ein.

So wohnlich und limousinenhaft sich der Innenraum des Ford F-150 mittlerweile präsentiert, so wenig hat sich beim Fahrverhalten getan. Die Regel, wonach man einen Pick-up niemals mit leerer Ladefläche bewegen sollte, gilt auch weiterhin. Kein Wunder, dass der Dearborn-Lastesel ohne die genutzte Lademöglichkeit allzu rumpelig auf der Hinterachse unterwegs ist.

Das merken natürlich auch die Passagiere, die den Fond des Supercab über die gegenläufig öffnenden Türen erklommen haben, auch wenn sich auf den weichen Ledersitzen gut aushalten lässt. An die steile Rückenlehne muss man sich jedoch ebenso gewöhnen wie an die bauartbedingt im 90-Grad-Winkel stehende Heckscheibe, deren zentrale Luke sich elektrisch öffnen lässt. Praktisch: in der Mittelkonsole gibt es nicht nur viel Platz für Gegenstände aller Art, sondern auch einen 110-Volt-Anschluss. Pick-up-Kunden mögen es eben gerne praktisch.

Das gilt auch für den Preis. Ein teurer Pick-up ist ein schlechter Pick-up - so heißt es nicht nur in Texas. Ein Erfolg des Ford F-150 ist sein konkurrenzfähiger Preis. Das Basismodell startet mit kleiner Kabine bei knapp 24.000 Dollar. Der gut ausgestattete Ford F-150 FX4 3.5 Ecoboost kostet mindestens 38.475 Dollar - umgerechnet 28.500 Euro.

Viel Auto fürs Geld, denn Händler geben bei den Pick-up-Modellen auf dem Hof kräftige Rabatte. Das heißt: Für die Allzweckwaffe aus Dearborn zahlen viele unter dem Strich nicht mehr als 23.000 Euro. Big in America.

© sueddeutsche.de/Pressinform/gf
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