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Ford Ecosport im Test:Lieblose Zwischenlösung

Ford Ecosport

Der Ford Ecosport kostet mit dem Einliter-Dreizylinder-Benziner mindestens 20 200 Euro.

(Foto: Ford)

Mit dem Ecosport wollte Ford auf den Mini-SUV-Trend aufspringen. Doch der Wagen zeigt, dass er nicht dafür entwickelt wurde, sich der harten europäischen Konkurrenz zu stellen. Einzig der kräftige Motor überzeugt.

Von Thomas Harloff

Der Trend ist unverkennbar: Kleine SUVs werden immer beliebter. Mini Countryman, Opel Mokka, Peugeot 2008, Renault Captur: Autokäufer, denen die klassischen Möchtegern-Geländewagen zu groß und teuer sind, greifen gerne zu den höhergelegten Kleinwagen. Bevor diese Fahrzeugklasse zu boomen beginnt und man nichts Passendes im Angebot hat, will Ford von der wachsenden Nachfrage profitieren. Schließlich hat sich ein Zögern schon einmal negativ ausgewirkt: Zu lange dauerte es, bis Ford 2008 mit dem Kuga endlich das Segment der Kompakt-SUVs besetzte. Da hatten die Japaner, zum Beispiel Toyota mit dem RAV4, längst erste Überraschungserfolge gefeiert und VW mit dem Tiguan, der ein halbes Jahr früher auf den Markt kam, die Konkurrenz schier erdrückt.

Bevor sich die Geschichte mit dem von VW fest eingeplanten Polo-SUV wiederholt, stellt sich Ford mit dem Ecosport schon jetzt dem harten Wettbewerb in Europa. Dafür nimmt die Kölner Deutschland-Zentrale in Kauf, ein ursprünglich für Schwellenländer entwickeltes Weltauto auch hierzulande anzubieten. Der Ecosport wurde in Brasilien entwickelt, wird in Indien gebaut und hat demzufolge rein gar nichts mit den anderen europäischen Ford-Modellen gemein. Kein Wunder, dass er mit seinem hohen Aufbau, der eigenwilligen Front und den kleinen, weit in die Ecken gerückten Rädern so gar nicht zur aktuellen Designsprache der hierzulande angebotenen Ford-Palette passen mag.

Altbackener, aber geräumiger Innenraum

Nach dem Einsteigen setzt sich der Eindruck fort, Ford habe den Ecosport notdürftig an die Standards seiner übrigen Produkte angepasst. Der kleine Crossover empfängt seine Passagiere mit einem altbackenen Interieurdesign, vielen unterschiedlichen, haptisch wenig ansprechenden und grobporigen Kunststoffen sowie Sitzen, die sich nicht ansatzweise um Seitenhalt bemühen. Auch das antiquierte Bedienkonzept mit schwer erreichbaren, mittig auf dem Armaturenbrett platzierten Tasten und einer unverständlichen Menüführung auf dem ebenso kleinen wie pixeligen Bildschirm vermag die Laune nicht aufzuhellen.

Der Innenraum des Ford Ecosport Ecoboost.

Trist und kompliziert zu bedienen, aber geräumig: der Innenraum des Ford Ecosport.

(Foto: Ford-Werke GmbH)

Unter praktischen Gesichtspunkten macht der Ecosport einen besseren Eindruck. Trotz kompakter Maße bietet er viel Platz auf allen Sitzen und einen ordentlich bemessenen Kofferraum. Dessen Fassungsvermögen von 333 Litern lässt sich mit der neigbaren Fondlehne etwas erweitern und durch Umklappen der Rücksitze auf 1238 Liter steigern. Ordentliche Werte, die Ford auch deshalb erreicht, weil das Ersatzrad - wie sonst bei kernigen Geländewagen üblich - vom Unterboden des Kofferraums an die Heckklappe gewandert ist. Was mancher Kunde als schick empfindet, hat im Alltag Nachteile. Es macht das Auto etwa 26 Zentimeter länger, erschwert dem Fahrer beim Rangieren das Einschätzen des Hecks und sorgt dafür, dass die Heckklappe zur linken Seite und nicht nach oben geöffnet werden kann. Den dafür nötigen Platz bietet nicht jede Parklücke.

Als Antriebsquelle hat Ford neben zwei 1,5-Liter-Vierzylindern (Diesel und Benziner) seinen Dreizylinder-Tausendsassa mit einem Liter Hubraum und Turboaufladung auserkoren. Im Ecosport leistet das Triebwerk 125 PS - und zeigt schon auf den ersten Metern, warum es mehrfach den Titel "Engine of the Year" gewonnen hat. Ohne die für hubraumschwache Turbomotoren typische Lethargie bei niedrigen Drehzahlen beschleunigt das immerhin knapp 1,4 Tonnen schwere SUV vehement durch die Gänge. Das fühlt sich subjektiv besser an, als es der offizielle Null-auf-Hundert-Wert von 12,7 Sekunden suggeriert und ist allemal ausreichend für ein Auto dieser Klasse. Weniger Spaß macht der Motor auf der Autobahn: Bis knapp 160 km/h zieht der Ecosport gut durch, darüber wird es zäh. Spürbar kämpft er mit seinem hohen Aufbau gegen den Windwiderstand an, um seine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h zu erreichen.

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