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Ford Crown Victoria:Der Achtzylinder wird beim Tritt aufs Gaspedal laut und brachial

Heute fahren amerikanische Polizisten meistens den Ford Taurus, das ist zwar nun die größte Ford-Limousine, aber er ist eben auch eine ganze Nummer kleiner als der Crown Vic. Weil immer mehr Cops sich über fehlenden Platz für ihre Waffen beschwerten, wurden zuletzt von manchen Behörden immer öfter viel teurere SUVs angeschafft. Und doch trauern viele dem Crown Vic nach, wie man in Internetforen für Polizisten nachlesen kann und wie sie es auch gerne erzählen, wenn sie einen der Dinosaurier auf der Straße sehen.

Doch es gibt ein zweites Leben für den Crown Vic in der Polizeiversion, den Police Interceptor. Seit die Welle an Ausmusterungen vor einigen Jahren so richtig in Schwung kam, findet man auf Auktionen der Polizei jederzeit Hunderte Police Interceptor, als knallharter Streifenwagen mit Minimalausstattung oder als etwas gediegenerer Detective-Wagen, dann gerne in so schönen Neunzigerjahre-Farben wie aubergine oder sandgold. Kaum einer hat mehr als 120 000 Meilen (umgerechnte sind das 190 000 Kilometer) hinter sich, die Preise liegen zwischen 1000 und 3000 Dollar das Stück.

Polizeibehörden in den USA setzen auch weiterhin auf den Ford Crown Victoria.

(Foto: mauritius images)

Wer sich nicht zutraut, auf so einer Auktion selbst einen Wagen auszusuchen, der geht zu einem der spezialisierten Händler und zahlt dafür noch einmal etwa 1000 Dollar mehr. Dafür schraubt der Händler aber auch anstelle der Wanne aus Hartplastik, in der die Verdächtigen einst hocken mussten auf ihrem Transport ins Revier, eine echte Rücksitzbank aus schönstem Leder-Imitat in den ausrangierten Streifenwagen.

Und so kommt man erstaunlich günstig an ein Stück US-amerikanisches Kulturgut - einen ausladenden, schweren Straßenkreuzer. Darin zu fahren, macht erstens ein bisschen nostalgisch und erinnert zweitens daran, wie grundlegend Autos sich in den vergangenen 20 Jahren gewandelt haben. Die Klimaanlage wird über zwei Regler bedient: Kälter - wärmer, stärker - schwächer. Das Radio kann man lauter oder leiser stellen, oder man wechselt den Kanal, mehr geht einfach nicht. Dann gibt es noch - das hier ist schließlich Amerika - einen Tempomat. Und das ist schon die ganze Ausstattung.

Der Achtzylinder wird beim Tritt aufs Gaspedal laut und brachial, das Heck bricht auf feuchter Straße bei jeder Gelegenheit aus, die starre Hinterachse holpert und poltert über jede Unebenheit, Schlaglöcher schlagen hart auf die Lenkung durch. Das Ganze erlebt man aus der zurückgelehnten Gemütlichkeit eines zu weichen Sessels. Das ist Automobilbau von vorgestern und merkwürdigerweise macht es unheimlich viel Spaß.

Alex Fung wartet in seiner kleinen Werkstatt in San Francisco seit 14 Jahren die Crown Vics der örtlichen Polizei. Für ihn gibt es kein verlässlicheres Automobil. "Regelmäßig ein Ölwechsel und man kann mit dem leicht 300 000 Meilen fahren", sagt er. Das sind 480 000 Kilometer. All die neuen Autos mit ihren kleinen Turbomotoren und ihrem Leichtbau könnten da niemals mithalten, meint Fung. Das habe nun auch die Polizei gemerkt, deshalb werde in San Francisco kaum noch ein Crown Vic ausgemustert, erzählt der Mechaniker. "Erst letzte Woche hatte ich einen von 1997 hier, den verkaufen die nie."

Manch einen schreckt vom Kauf eines Police Interceptors das Wissen ab, wie hart der in seinem früheren Leben wahrscheinlich rangenommen wurde. Alex Fungs einfache Antwort darauf lautet: "Genau dafür wurde er gebaut." Solidität ohne Rücksicht auf Gewicht, Eleganz oder Fortschritt. Das bringt natürlich auch Nachteile. Der Größte: Der Crown Vic mit seinem 4,6-Liter-Motor verbraucht wahnsinnig viel Benzin, irgendetwas zwischen zwölf und 15 Liter auf 100 Kilometer. Wer sich das schönreden will, hat gute Chancen mit: "Das Auto war in der Anschaffung so billig, da kann ich ruhig ein bisschen mehr fürs Benzin ausgeben." Oder: "So ein altes Auto zu fahren, ist ja irre Ressourcen-schonend, da machen ein paar Liter Benzin mehr nicht viel aus."

Hinweis der Redaktion:

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

Platz vier auf der Liste der häufigsten Reaktionen auf den Police Interceptor ist übrigens die verschwörerisch geraunte Frage, ob die Polizei sich eine ordentliche Leistungssteigerung hat einbauen lassen. Die Wahrheit ist, dass der Police Interceptor gegenüber dem Serien-Crown-Vic eine stärkere Batterie hat, eine leistungsfähigere Kühlung, zusätzliche seitliche Verstrebungen, um ihn bei einem Crash stabiler zu machen, und Stahlplatten in den Rückenlehnen der Vordersitze (um die Cops vor Stichwaffen zu schützen).

Außerdem hat er verstärkte Stoßdämpfer. Das spart möglicherweise Geld und Werkstattbesuche, ist aber auch ein bisschen schade. Denn dadurch entgeht einem im Police Interceptor dieses gemütliche Schaukeln, mit dem früher etwa die New Yorker Taxis nach jeder Straßenunebenheit noch meterweit dahingondelten.

© SZ vom 01.06.2019/dd
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