Ford Crown Victoria Cop-Car

Der Ford Crown Victoria unseres Autors ist ein ehemaliges Polizeiauto.

(Foto: Conradi)

Unser Autor lebt in den USA und fährt ein ehemaliges Polizeiauto. Damit löst er immer wieder grenzenlose Begeisterung aus.

Von Malte Conradi, San Francisco

Nummer eins, ungefähr einmal am Tag: "Wow, was für ein cooles Auto!" Nummer zwei, etwa jeden zweiten oder dritten Tag: "Ist das etwa ein altes Cop-Auto?" Nummer drei, ungefähr einmal in der Woche von einem Kind: "Bist du ein echter Polizist?" Das ist es, was man von den Menschen so hört, wenn man mit einem ausgemusterten Polizeiauto, einem "Police Interceptor", durch Kalifornien fährt. Das Lachen und Winken an jeder zweiten Kreuzung nicht mitgezählt.

Bemerkenswert ist das aus zwei Gründen. Erstens, weil man ja denken könnte: Mit einem Cop-Car im eher linken Kalifornien unterwegs, dort, wo gefühlt jeder empört ist über exzessive Gewalt und Rassismus bei der Polizei - das könnte schwierig werden. Und zweitens, weil es ja erstaunlich ist, dass überhaupt noch irgendein Auto so freundliche Reaktionen hervorruft.

Vielleicht ist es auch gar nicht die schwarz-weiße Polizei-Lackierung, die die Menschen so mögen, sondern das Auto selbst: Der Ford Crown Victoria ist ein Dinosaurier, ein Überlebender aus einer anderen Zeit des Automobilismus. Wobei sein Geheimnis ist, dass er gar nicht so alt ist, wie er wirkt. Bis 2011 wurde das letzte Modell dieser Baureihe gebaut, gefühlt kommt er eher aus den Neunzigerjahren. Aus einer Zeit jedenfalls, als Amerikaner noch große Limousinen mit kräftigen Motoren und Hinterradantrieb kauften, den klassischen Straßenkreuzer eben.

Der ist inzwischen so gut wie ausgestorben. Wer heute Platz braucht (oder zu brauchen glaubt), der fährt ein SUV. Nacheinander hat der auf sportlich getrimmte Geländewagen in Amerika den Kombi, den Minivan und nun eben die große Limousine ausgerottet. Die Massenhersteller Ford und GM haben vor einigen Monaten bekannt gegeben, Limousinen ganz aus ihrem Programm zu streichen.

Große Limousinen werden noch gekauft - aber nicht mehr die von US-Herstellern

Wobei: Es werden schon noch große Limousinen verkauft, aber die kommen dann von anderen Herstellern, von Mercedes, Audi, BMW oder Lexus. In Deutschland war es ja schon immer so, dass große Autos gleichbedeutend sind mit Luxus. Der Straßenkreuzer aber war immer Mittelklasse. Allerdings nicht in seinen Proportionen: Der Crown Vic ist 5,38 Meter lang, kein deutsches Serienauto mit Ausnahme des Maybach hat solche Ausmaße. "Full size" nennen die Amerikaner das, als sei ein Auto unter fünf Metern nur eine halbe Sache. Und trotzdem nimmt der Crown Vic sich mit seinem freundlichen Gesicht bescheiden aus zwischen all den aggressiven Fratzen und all dem Chrom an den neueren Fahrzeugen auf dem Markt.

Platz im Überfluss und eine Technik, die so altbacken wie solide ist - das machte den Crown Vic zum idealen Flottenfahrzeug. Und so baute Ford den Wagen in seiner letzten Generation, die 1997 eingeführt wurde, über das eigentliche Produktionsende 2007 hinaus weiter, aber nur noch für die Polizei, die Feuerwehr und für Taxiunternehmen. Privatleute wurden nicht mehr beliefert.

Schon zu dieser Zeit hatte der Crown Vic quasi ein Monopol. Besonders nachdem General Motors die Produktion seiner Full-Size-Limousinen Chevrolet Caprice und Buick Roadmaster eingestellt hatte, gab es so viel Platz, so viel Robustheit und so einfache Reparaturen eigentlich nur noch bei ihm. Das machte den Crown Vic zum Taxi und Polizeiwagen schlechthin.

Platz im Überfluss und eine Technik, die so altbacken ist wie solide: der Ford Crown Victoria.

(Foto: mauritius images)

Am bekanntesten ist er vielleicht als gelbes Taxi in New York. Als die Stadt vor einigen Jahren entschied, sein Spritverbrauch sei nicht mehr zeitgemäß und statt des imposanten Crown Vic die Allerwelts-Hässlichkeit eines Nissan-Minivans durch die Straßen schickte, war die Empörung der New Yorker groß. Auch, dass Fahrgäste in den Nissans nun ihre Smartphones laden konnten, half da wenig.

Und dann ist der Crown Vic natürlich das klassische Cop-Auto der Neunziger- und Nullerjahre. Er war der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Polizeiwagen dieser Zeit. Auch aus der Popkultur ist er den Menschen vertraut: Es gibt kaum einen Action-Film, in dem nicht ein paar von ihnen schaukelnd um die Ecke quietschen oder sich ihr reichlich vorhandenes Blech zerdrücken lassen.