Festival of Speed 2018 Goodwood, das PS-Konzentrat

Seinen großen Auftritt beim Goodwood Festival of Speed hat sich Porsche einiges kosten lassen.

(Foto: Markus Leser)

Geballt treten hier die stärksten, schnellsten und teuersten Sport- und Rennwagen auf. Doch das viele Geld der Autoindustrie nimmt dem Festival allmählich seinen britisch-charmanten Charakter.

Von Thomas Harloff, Chichester

Der Sommer zeigt sich warm und trocken in Südengland - so trocken, dass sich das satte Grün der Wiesen in ein blasses Braun verfärbt. Doch besonders viel Grün ist vor dem Goodwood House in der Grafschaft West Sussex ohnehin nicht zu entdecken: Dicht an dicht sind hier einfach zu viele wertvolle Autos auf den Rasenflächen geparkt. Alte und neue, schnelle und langsame, schöne und nicht so schöne. Zwischen ihnen wimmelt es von Menschen, die meisten tragen Mützen und manche haben Hüte, um sich vor der Sonne zu schützen. Ohropax trägt kaum jemand. Dabei wäre das angebracht, schließlich dröhnt im Hintergrund alle paar Sekunden ein Sport- oder Rennwagen über den Asphalt.

Oberhalb des Herrenhauses stehen endlose Reihen von Pavillons, in ihnen Dutzende bunte Rennwagen aus allen Epochen und Rennserien. Hier wird geschraubt und gehämmert und noch mehr gefachsimpelt, das Publikum kennt sich aus. Als ein Mechaniker den Motor eines Porsche aus den frühen Siebzigerjahren startet und mehrere Minuten warmlaufen lässt, bahnt sich der Abgasdunst seinen Weg aus dem Pavillon hinaus ins Freie. Das stört aber keinen, im Gegenteil. "The smell of power, and the smell of success", sagt ein Passant, um anschließend die Rennerfolge des Boliden aufzuzählen. Der Geruch von Kraft und Erfolg, er umweht die meisten Autos hier auf dem Festival of Speed, der wohl lautesten, auf jeden Fall aber schnellsten Gartenparty der Welt.

Goodwood 2018

Das Festival of Speed in Bildern

Der Hausherr persönlich lädt jedes Jahr im Juli und nun schon zum 25. Mal zu diesem Festival der Pferdestärken, Dezibel und qualmenden Reifen. Charles Gordon-Lennox, Träger der Titel Duke of Richmond, Duke of Lennox und Duke of Gordon, ging es ursprünglich darum, die in der frühen Nachkriegszeit von seinem Großvater erbaute Bergrennstrecke wiederzubeleben. Und um Fahrzeuge, nicht Stehzeuge zu präsentieren: "Man muss Autos im Fahren sehen, muss sie hören und riechen und nicht einfach nur auf einem Messestand anschauen", sagte er mal in einem Interview. Autos und Prominente sollten nahbar seien, befand der Duke und nicht in VIP-Zonen versteckt werden. Ein Erfolg war das Festival von Beginn an. 1993, bei der ersten Auflage, rechnete er mit 2500 Gästen - und schon am ersten Tag standen morgens zehnmal so viele vor den Toren seines Anwesens. Heutzutage finden sich an den vier Festivaltagen bis zu 200 000 Menschen ein.

Längst kooperiert der Herzog eng mit der Autoindustrie und vielen Sponsoren. Auf den Bannern neben dem Haupteingang des Goodwood House befinden sich Logos von 38 Firmen. Das Festival of Speed ist nicht mehr nur das Treffen britischer Motorsportenthusiasten, die die heimische Autoindustrie und ihre Rennsportszene feiern. Es ist ein durchkommerzialisiertes Event, ausgerichtet auf Show, Prestige und größtmögliche Medienreichweite. Autohersteller sonnen sich im Glanz des guten Namens des Festivals, gerade die hochpreisigen unter ihnen werden mit unterschriebenen Kaufverträgen in die Firmenzentrale zurückkehren. In Goodwood finden sie ein Publikum, das wohlhabend genug ist, um die teuren Preziosen direkt vom Hügel in die eigene Garage zu fahren.

Die Sportwagenschmiede im "Stockbroker Belt"

Natürlich ist auch die britische Luxusmarke McLaren Group in Goodwood vertreten und praktischerweise liegt die Firmenzentrale nur 40 Meilen nördlich des Festival-Geländes, in Woking, Grafschaft Surrey. Die 60 000-Einwohner-Stadt zählt zum "Stockbroker Belt", in dessen Backsteinhäusern sich jene Aktien-Dealer niederlassen, die es im nahen London zu etwas gebracht haben. Hier hat nicht nur das bekannte Formel-1-Team McLaren Racing seine Heimat, sondern auch der gleichnamige Sportwagenhersteller. Man residiert in einem monumentalen Glashaus, eingerahmt von einer asphaltierten Zufahrt und künstlich angelegten Gewässern, Wiesen und Wäldern.

Sowohl die Rennsport- als auch die Autoabteilung können von Erfolgen berichten - die Formel-1-Leute allerdings eher von vergangenen, aktuell läuft es für die Truppe um Starfahrer Fernando Alonso sehr bescheiden. Im Hier und jetzt produziert McLaren Automotive die Positivmeldungen. Von Quartal zu Quartal steigen die Gewinne, Absatz- und Umsatzzahlen, erhöht die Firma den Output an Modellen und vergrößert ihr Händlernetz. Eine englische Erfolgsgeschichte, so sehen sie das in Woking, obwohl die Mehrheit der Firmenanteile in den Händen einer in Bahrain ansässigen Holding liegt. Ohne das ausländische Geld hätte sich die Firma niemals dieses beeindruckende, von Norman Foster gestaltete und Queen Elizabeth im Mai 2004 eröffnete Gebäude leisten können, genauso wenig wie die benachbarte, 2011 eingeweihte Produktionshalle.