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Ferngesteuert im Straßenverkehr:Bald täglich im Einsatz?

"Nicht kooperative Fahrzeuge" - damit waren ursprünglich Fluchtwagen von Terroristen und Schwerverbrechern gemeint. Inzwischen sprechen die Savelec-Projektplaner in ihren Positionspapieren auch davon, dass die neue Technologie einen "wichtigen Zusatznutzen" bringe, der die Polizei bei ihren "täglichen Operationen" unterstützen werde.

Strahlenwaffen im täglichen Einsatz? Das geht den Kritikern des EU-Projekts zu weit. "Wenn überhaupt sollte ein solches Gerät nur gezielt bei wirklich schweren Straftaten und nach richterlichem Beschluss zum Einsatz kommen. Im täglichen Polizeidienst wird es mehr Risiken als Nutzen bringen", sagt Matthias Knobloch. Der verkehrspolitische Sprecher des Auto Club Europa (ACE) fragt sich, wer es im dichten Straßenverkehr verantworten könne, ein einzelnes Auto plötzlich mitten auf der Fahrbahn zu stoppen? Auch der ADAC zweifelt an der Genauigkeit des Strahlenangriffs: Was passiert, wenn unbeteiligte Fahrzeuge getroffen werden und Autofahrer die Kontrolle über ihre Wagen verlieren? Die Münchner warnen vor Unfällen durch den Einsatz der neuen Technik.

Noch "einige ungewollte Nebeneffekte"

Ebenso unklar ist derzeit auch, welche Risiken starke elektromagnetische Impulse oder Hochleistungs-Mikrowellen für die Gesundheit von Auto-Insassen und Passanten am Straßenrand bergen. Der letzte Savelec-Statusreport gibt dazu keine konkreten Antworten, wirft stattdessen aber noch mehr offene Fragen auf. So ist von "einigen ungewollten Nebeneffekten" die Rede, die noch untersucht werden sollen. Offenbar hat man erkannt, dass die Strahlung nicht nur die Motorelektronik, sondern auch andere Bauteile des Autos angreift - zum Beispiel den Airbag, der dann plötzlich während der Fahrt zündet.

Zweifel an der Technik, die mit EU-Geldern entwickelt wird, haben aber nicht nur Juristen und Unfallforscher, sondern vor allem jene Experten, die eines Tages damit arbeiten sollen: die Polizeibeamten. "Brauchen wir das wirklich?", fragt sich Arnold Plickert, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und spricht von "wenigen Anlässen", die den Einsatz eines elektromagnetischen Motorstopp-Systems wirklich rechtfertigen könnten. Plickert: "Bei den meisten Verfolgungsfahrten erscheint uns der Einsatz dieser Technik eher unverhältnismäßig zu sein, abgesehen von den rechtlichen Voraussetzungen, die noch zu klären sind." Außerdem macht sich der Polizeihauptkommissar aus Bochum Gedanken über den möglichen Missbrauch der neuen Technik. "Wenn so etwas in falsche Hände gerät oder von Hackern kopiert wird, könnten Verbrecher damit nicht nur Polizeiwagen lahmlegen, sondern womöglich noch weitaus größere Schäden anrichten."

Eine deutsche Firma baut die Strahlenwaffe bereits

Doch die Strahlenwaffe ist längst keine Vision mehr. Während die EU-Kommission ein solches Gerät noch aufwendig erforschen lässt, kann man es bei der süddeutschen Firma Diehl Defence bereits kaufen. Es heißt "HPEM Carstop" und besteht im Wesentlichen aus zwei zylinderförmigen Antennen, die im Kofferraum eines Offroaders Platz finden. HPEM steht für High Power Electro Magnetic. Auf Knopfdruck sendet der Apparat einen starken elektromagnetischen Impuls aus, der vorbeifahrende Autos stoppt. Die Strahlung reiche bis zu 15 Meter weit und lasse sich so zielgenau justieren, dass nur die Motorelektronik gestört werde, versichert der Hersteller. Das habe man an 60 verschiedenen Fahrzeugtypen erfolgreich getestet. Andere Bauteile des Autos und die Insassen würden nicht angegriffen.

Zu den Käufern des HPEM Carstop zählten bisher offenbar nur Militärs. Ob auch Polizeibehörden an der Strahlenkanone Interesse zeigen, will Diehl nicht verraten. Fachleute des Bundeskriminalamts haben es laut Auskunft der Bundesregierung bisher nur "in Augenschein genommen", aber nicht getestet.

Das nächste Ziel der Diehl-Entwickler ist eine mobile, elektromagnetische Straßensperre in Form eines Autoanhängers: Fahrzeuge, die von der Polizei um den Anhänger dirigiert werden, sollen auf diese Weise einzeln überprüft und bei Verdacht per Strahlenimpuls an der Weiterfahrt gehindert werden.

© SZ vom 25.04.2015/harl

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