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Fallen beim Autokauf:Goldgrube für die Autoindustrie

An das Geld ihrer Kunden wollen die Autohersteller auch noch Jahre nach dem Verkauf der Wagen. Bei vielen Modellen dürfen nach einem Unfall oder Defekt nur Ersatzteile vom Originalhersteller eingebaut werden. Die Lobby der Autoindustrie kämpft dafür, dass in Deutschland weiterhin der "Designschutz" gilt, der den Einbau von günstigeren Produkten verbietet, wenn dieses Ersatzteil von außen zu sehen ist - also zum Beispiel bei Motorhauben, Kotflügeln oder Stoßstangen.

Freier Wettbewerb sieht anders aus

Für das Design muss also jeder Kunde in Deutschland mindestens zweimal zahlen, erst beim Neuwagenkauf und dann noch einmal, wenn der Spiegel abgefahren wurde. Freier Wettbewerb sieht anders aus. Für den Markenstoßfänger zahlt der Kunde bei Ford 300 Prozent Aufschlag, Volkswagen verlangt für die Golf Motorhaube 321 statt 157 Euro. Deutsche Autofahrer haben bei Reparaturen keine Wahl und müssen dies teuer bezahlen. Jedes Jahr fallen hierzulande Reparaturen im Gesamtwert von drei Milliarden Euro unter den "Designschutz". Diese kostentreibende Monopolstellung der Autohersteller hält auch die Kfz-Versicherungsprämien hoch.

Die NDR-Tester fanden noch perfidere Abzocktricks. Autoteile werden im Motorraum so verbaut, dass nur noch die Werkstatt drankommt. Um zum Beispiel bei einem Renault Modus, Baujahr 2006, die Glühlampe des Frontscheinwerfers zu wechseln, muss der gesamte Stoßfänger ab- und der Scheinwerfer ausgebaut werden. Sogar der Fachmann braucht dafür 30 Minuten und stellt für den Birnchenwechsel 54 Euro in Rechnung. Ging es um größere Ersatzteile, wurde es für die NDR-Reporter noch teurer. So wird der Luftmassenmesser einer Mercedes A-Klasse, der normalerweise 200 Euro kostet, mittlerweile in einem Steuergerät verbaut. Der Austausch schlug mit 1150 Euro zu Buche.

Werkstätten ärgern sich über die Hersteller

Diese Praxis der Autohersteller ärgert auch Kfz-Werkstattbetreiber. Der Kieler Kfz-Meister Ralph Jensen wundert sich regelmäßig beim Glühbirnenwechsel , dass niemand die Hersteller an solchen Praktiken hindert, wo es doch seit 2006 eine EU-Richtlinie zu Autoreparaturen gibt, die das Ziel hatte, dass Autofahren bezahlbar bleiben soll. Doch diese Richtlinie wird regelmäßig umgangen. An dem vom NDR in die Werkstatt gebrachten Mazda 6 ging die Höhenverstellung der Scheinwerfer nicht mehr. Den Stellmotor gibt es jedoch nicht mehr alleine. Der ganze Scheinwerfer musste für 700 Euro ausgetauscht werden.

Und auch beim neuen Audi, der in kalten Nächten unter der Laterne schlapp machte, war es nicht mehr möglich, die Batterie selber zu wechseln. Um den Umsatz zu steigern, muss bei einem Batteriewechsel jedes Mal ein Steuergerät neu kodiert werden - was nur in der Werkstatt geht. Professor Ferdinand Dudenhöffer sieht im Ersatzteil- und Reparaturgeschäft die Goldgrube der Autoindustrie: "Hier sind 20 prozentige Renditen zu erwirtschaften. Damit macht die Industrie hohe Gewinne."

Die "Tricks der Autobranche" decken NDR -Reporter an diesem Montag, 15. April, um 21 Uhr im NDR Fernsehen auf.

© süddeutsche.de/goro/jab/bavo
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