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Lieferzeiten:Fahrräder bleiben rar und teuer

Rose Bikes von mangelnder Liefertreue betroffen

Ein Rose-Mitarbeiter bei der Bike-Montage - schon vor Beginn der Saison gibt es massive Lieferengpässe.

(Foto: Rose Bikes/obs)

Hersteller und Händler warnen: Wegen der großen Nachfrage dürfte es auch in dieser Saison zu Lieferengpässen bei Fahrrädern kommen.

Fahrradkäufer müssen sich wohl auch in diesem Jahr auf ein knappes Angebot einstellen - und auf steigende Preise. "Wir rechnen damit, dass die Warenverfügbarkeit auch 2021 knapp sein wird", sagt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Albert Herresthal vom Händlerverband VSF sieht es ähnlich: "Es wird eine gewisse Knappheit geben." Am Ende werde aber jeder Kunde ein gutes Rad finden, wenn auch nicht "jedes Rad in jeder Farbe" zur Verfügung stehen werde. Wer über die Anschaffung eines neuen Rades nachdenkt, der sollte sich bereits jetzt darum kümmern und nicht warten bis in den April oder Mai hinein, wenn viele Käufer in die Läden drängen, so Eisenberger - wenngleich man einschränkend sagen muss, dass derzeit wegen der Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung die meisten stationären Fahrradläden (noch) geschlossen sind und der Online-Handel umso stärker wächst.

Die Corona-Pandemie hatte bereits im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Fahrrädern kräftig angetrieben. So hatten die deutschen Hersteller laut Eisenberger 2020 ein Plus von etwa 20 Prozent bei den ausgelieferten Rädern erzielt, viele Lager bei Herstellern und Händlern waren zum Ende der Saison komplett leer.

Für 2021 erwartet die Branche laut Eisenberger einen ähnlich hohen Zuwachs. Wegen der kräftig gestiegenen Transportkosten könne es allerdings "an der einen oder anderen Stelle" Preiserhöhungen geben. Denn der Transport der Teile aus Asien nach Europa sei deutlich teurer geworden. Zudem schafften es die Hersteller von Rahmen und anderen Hauptkomponenten für die Fahrradherstellung nicht, ihre Produktion so rasch zu steigern, um sie der gewachsenen Nachfrage anzupassen. In der Regel werden Rahmen und viele Komponenten in Asien produziert, bei den Herstellern in Europa werden diese dann nur noch zu fertigen Rädern zusammengesetzt.

281 000 Beschäftigte in der Branche

Die Nachfrage nach Fahrrädern steigt indes nicht erst seit Auftreten der Covid-19-Pandemie. Einer Marktstudie der drei Branchenverbände ZIV, VSF und Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) zufolge haben die Unternehmen ihren Umsatz mit Herstellung und Handel sowie Dienstleistungen rund ums Rad von 2013 bis 2018 um 55 Prozent auf etwa 24,2 Milliarden Euro gesteigert. In diesen drei Kernbereichen der Fahrradbranche arbeiteten 2018 etwa 66 000 Menschen. Neuere Zahlen liegen den Angaben zufolge für die Studie nicht vor. Erstellt wurde sie vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie und dem Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule.

Rechnet man den Radtourismus sowie die in (meist kommunalen) Verwaltungen und in anderen nachgelagerten Bereichen Beschäftigten hinzu, stehen in der Radbranche laut der Studie insgesamt 281 000 Menschen in Lohn und Brot. Somit müsse sich die Branche "ganz sicher nicht hinter anderen verstecken", sagt Herresthal. Seinen Angaben zufolge zählt die Automobilbranche 832 000 Beschäftigte, die Bahnbranche kommt auf 269 000.

Fahrradleasing ist gefragt

Pro Jahr werden in Deutschland rund vier Millionen Fahrräder verkauft, mit steigender Tendenz. Ein immer größerer Anteil entfällt dabei auf Pedelecs, also Fahrräder mit Elektromotor. Für zusätzlichen Schwung habe das Leasing von Dienstfahrrädern gesorgt, das "regelrecht explodiert" sei, heißt es in der Studie. Die Zahl der geleasten Räder habe sich zwischen 2017 und 2019 auf rund 193 000 nahezu vervierfacht.

Unterm Strich sei das Fahrrad ein "kraftvoller Job- und Umsatzmotor", findet Herresthal. Zweiräder spielten nicht nur "eine immer wichtigere Rolle in der Klima- und Verkehrspolitik", ergänzt Eisenberger, "vielmehr haben sie auch eine wirtschaftliche Bedeutung." Deshalb müssten Bund, Länder und Kommunen alles daran setzen, den Radverkehr weiter zu fördern.

© SZ/dpa/mvö
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