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Fahrbericht VW T5:Erobert Köpfe, keine Herzen

Der Transporter VW T5

Mit dem kugelrunden VW Bulli verbinden viele romantische Erinnerungen an ihre Jugend. Der T5 hingegen ist nur noch Funktion pur.

(Foto: VW)

Unser Autor verbrachte früher viele schöne Urlaube mit den Kindern im VW Bus. Das war unbezahlbar. Heute heißt der Transporter T5 und so nüchtern, wie sich das anhört, sieht er auch aus. Kein Auto zum Verlieben, aber eines mit viel Platz.

Geschichten über dieses Auto fangen mit seiner Geschichte an, das ist nun mal so. Meine früheste Erinnerung setzt zwar erst in den Achtundsechzigern ein, da war er schon im Teeniealter, hieß VW Bus und wenn man seine Türen öffnete, strömte einem nicht selten der sanfte Geruch aus kleinen Tütchen entgegen. Alles war Friede, Freude, Love und Peace. Die meisten Busse waren damals gebraucht, hatten diesen Scheinwerfer-Unschuldsblick und die aufgemalten Blumen rankten sich damals schon um das eine oder andere Loch, das der unerbittliche Rost hineingefressen hatte. Einige schafften es trotzdem bis Indien oder nach Nepal. Ach, unschuldige Zeiten.

Mein eigener kam in den Siebzigern: 70 PS, Heckmotor, luftgekühlt. Zur Einrichtung der Schlafstatt hatte Westfalia mitgeholfen, Klappdach, Spüle, Herd und so, Reserverad vorn über der Stoßstange. Richtig nobel war das alles und um die 15 000 Mark teuer, wenn ich mich richtig erinnere. Und viele schöne Urlaube mit den Kindern folgten, das war unbezahlbar.

Produktionsende VW T2

Bye-bye, Bulli

Das ganze Ding schreit förmlich danach, es bis zum Platzen aufzufüllen

Heute heißt der VW Bus nur noch T5 und so nüchtern, wie sich das anhört, sieht das ganze Auto auch aus. Nur noch Horizontale, geradlinig, germanisch irgendwie. Und schwer nutzwertig. Das ist kein Makel, es ist nur anders. Richtig anders. Vermutlich bezieht ihn jeder ernsthafte Familienvorstand irgendwann einmal in die Zukunftsplanung mit ein, zumindest dann, wenn das mit der Verhütung doch nicht ganz so geklappt hat. Platz genug ist ja. So wie er dasteht mit seinen sieben Sitzen - zwei davon drehbar - kann man auch die Nachbarskinder noch einladen. Und das Badezeug samt Wasserbecken. Und den Spielkram. Und den Kinderwagen. Das ganze Ding schreit förmlich danach, es bis zum Platzen aufzufüllen.

Doch kein Vorteil ohne Nachteil. Die Dame des Herzens scheut sich hartnäckig, die Außenmaße von 4,9 mal 1,9 mal 1,99 Meter in städtische Parkplätze zu pressen, auch wenn der aktuelle T5 im Grunde ein Muster von Übersichtlichkeit ist. Wo er fürs Auge aufhört, ist auch wirklich Schluss. Ansonsten betrachten die Insassen ihr Umfeld gelassen aus Kutschbockhöhe, was bei Vaumax von immerhin 190 km/h mit dem stärksten TDI doch einen starken Eindruck macht, auch auf den Vordermann. Dabei machen die gebotenen 180 PS noch nicht einmal den Eindruck von Überfluss - kein Wunder bei gut zwei Tonnen Leergewicht plus Basisbeladung vom Volumen einer Kindertagesstätte.

Natürlich hat sich VW über die Jahrzehnte bemüht, dem T5 seinen Handwerkercharme auszutreiben. Also sieht und fühlt sich das Innenleben an wie im normalen Personenwagen und ein bisschen lässt er sich auch so fahren. Trotzdem: So ganz kann er den Lieferwagen in sich dann doch nicht abschütteln. Da wankt der Aufbau, dröhnt der Resonanzkasten und zum Öffnen der riesigen Heckklappe braucht man ordentlich Schmackes im Oberarm. Der Rest ist ziemlich perfekt, fett ausgestattet und richtig teuer. Kein Auto zum Verlieben, das nicht. Eher schon ein Kompromiss zum Wohle aller, die viel Platz suchen im Leben.

VW T5 Multivan 2.0 TDI BMT Comfortline, Siebengang-DSG, 4-Zylinder: 132 kW (180 PS); max. Drehmoment: 400 Nm bei 1500-2000/min; Leergewicht: 2181 kg; Kofferraum: 657-4525 l; 0-100 km/h: 11,3 s; Vmax: 191 km/h; Verbrauch lt. Werk: 7,6 l; CO₂: 199 g/km; Euro 5; Anhängelast (gebremst): 2500 kg; Grundpreis: 52 978,80 Euro.