Fahrbericht Jaguar F-Type:Auf sie mit Gebrüll

Der Jaguar F-Type im Test

Der E-Type war brachial und fragil, der F-Type ist nur noch brachial.

(Foto: Hersteller)

Endlich ein neuer Sportwagen von Jaguar. Beim Test des F-Type kommt aber Ernüchterung auf. Wer einen Nachfolger des E-Type sucht, wird enttäuscht.

Von Jochen Arntz

Man möchte dieses Auto eigentlich gut finden, zumindest aber interessant. Schließlich ist der neue F-Type von Jaguar der Nachfolger des legendären E-Types, jener rasenden Skulptur aus den Sechzigern, die nicht nur durch die Radikalität des Designs Maßstäbe setzte, mit der langen Schnauze und der lichten kleinen Kuppel für zwei Passagiere. Der E-Type war immer mehr als ein Auto, er war ein Stück Kunst in Bewegung. Jaguar hat sich jahrzehntelang nicht getraut, einen echten Nachfolger zu bauen.

Und nun, nun soll es der F-Type sein. Aber vielleicht ist das Ganze auch ein Missverständnis. Der E-Type war brachial und fragil zugleich, ein leichter, schwer zu fahrender, recht störrischer Sportwagen aus England. Der F-Type ist nur noch brachial, das Cabrio ist breit und bullig, sehr breit und sehr bullig; es hat so etwas mazdafordlexushaftes in der Linienführung und eine Front wie ein Schneepflug. Es fällt auf, wenn auch nicht allen Menschen sonderlich angenehm. Während der E-Type früher vielen den Kopf verdrehte, lässt der F-Type manche Leute den Kopf schütteln. Denn da wischt etwas Aggressives an ihnen vorbei. Ganz gut, dass man als Fahrer nicht viel von den Reaktionen mitbekommt, denn das Cockpit ist keine helle Kuppel mehr wie einst im E-Type, sondern eine Zelle mit Sehschlitzen. Und mit sehr, sehr vielen Knöpfen für die elektronische Sitzverstellung. Kaum zu glauben, dass vor den ganzen Instrumenten auch noch ein perfekt gestaltetes, ganz einfaches Lederlenkrad sitzt.

Sicher der F-Type ist ein technisch sehr interessantes Auto, ein außergewöhnlich direkter Sportwagen, der sich in spektakulären Driftwinkeln bewegen lässt, der - und das gilt besonders für den knapp 500 PS starken Achtzylinder - eine selten erlebte Kraft in allen Drehzahlbereichen vorhält. Aber dieses Auto ist auch ein außergewöhnlicher Poser.

Im Umkreis von 50 Metern schütteln die Leute den Kopf

Das beginnt schon beim Anlassen. Drückt man auf den Starterknopf, macht der F-Type, ohne dass man den Fuß auf dem Gaspedal hätte, von sich aus einen derart unsinnigen Lärm, dass im Umkreis von fünfzig Metern die Leute schon wieder die Köpfe schütteln. Man kann so etwas ja mögen, einen solchen Sound, aber irgendwie merkt man gleich, dass er künstlich gemacht ist, nicht vom Motor kommt, sondern von der akustisch aufgeladenen Auspuffanlage mit all ihren kleinen Klappen zum Krachmachen. Sogar auf Knopfdruck, "damit der Fahrer das Rennsport-Crescendo auf Wunsch entfachen kann", wie die Werbeleute trompeten. Geräuschkulisse pur, ganz wörtlich genommen. Der E-Type war auch manchmal laut, aber er war es deshalb, weil es damals nicht anders ging. Der F-Type ist laut, weil er sich laut anhören soll, und das ist, nun ja, Play-back-Gebrüll.

Aber wer's mag, kann dann auch noch im zweiten Gang die Hinterräder durchdrehen lassen, weil es ja nie zu spät ist für eine schöne Pubertät. Dass das Ganze im Grunde sinnfrei ist, wissen vermutlich auch die Jaguar-Entwickler, und weil die meisten Fahrer mit so viel Kraft ohnehin nicht umgehen können, gibt es den Entschärfungsknopf für "Regen/Schnee/Eis". Dann biegt auch der Jaguar halbwegs brav und kontrolliert um die Ecke. Und wenn ein anderer Wagen dem breiten Cabrio auf der Landstraße zu nahe kommt, blinken die Abstandswarner in den Seitenspiegeln.

Das alles erzählt eine Menge über unsere Zeit, in der die Ingenieure nahezu perfekte Autos mit langlebigen Hochleistungsmotoren entwickeln können, aber dann auch einen Jaguar-Sportwagen mit unzähligen elektronischen Helfern vollpacken müssen, um das Auto im Alltag für die Leute halbwegs beherrschbar zu machen. So, als nehme man Aufputschmittel und Schlaftabletten zugleich. Das Resultat ist eine Art Dauernervosität anstelle der lässigen Coolness, die einen einst im E-Type umfing, selbst beim Anlassen. Wie schrieb Fritz B. Busch 1961 in seinen berühmten E-Type-Test? "Die Detonation, die von den Leuten beim Druck auf den Starterknopf mit verstopften Ohren erwartet wurde, bleibt aus. Der Motor dreht ganz brav." Wie beruhigend das doch war.

© SZ vom 01.02.2014/reek
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB