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Fahrbericht:Der VW Tiguan ist ein SUV ohne Charakter

Egal ob in der Stadt oder im Gelände: Der Tiguan fällt kaum auf. Weder positiv noch negativ. Glänzen kann er nur auf der Autobahn.

Test von Felix Reek

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Der neue Volkswagen Tiguan

Quelle: VW

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Als der VW Tiguan 2007 auf den Markt kam, war er ein Exot. Die Konkurrenz überschaubar, der Markt für kompakte und bezahlbare SUV gerade im Entstehen. Mittlerweile baut fast jede Marke mindestens ein handliches SUV: BMW den X1, Ford den Kuga, Mazda den CX-5. Um die 30 Modelle gibt es insgesamt in dieser Klasse. SUV sind das am stärksten wachsende Segment. Und der Tiguan ist mit 2,8 Millionen weltweit verkauften Exemplaren noch immer der Spitzenreiter.

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Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, musste der Tiguan wachsen. Im hart umkämpften Segment entscheiden Details wie Kofferraumgröße und der Platz für die Insassen. Also ist der Tiguan jetzt sechs Zentimeter länger (4,49 Meter) und drei Zentimeter breiter (1,83 Meter) als sein Vorgänger. Das klingt erst einmal nach nicht viel, der Unterschied zeigt sich aber im Innenraum.

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Vorne hat der Fahrer den gewohnten Platz, den er aus anderen Autos dieser Klasse kennt. Er sitzt aufrecht und blickt erhöht auf das Geschehen auf der Straße.

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Die Vorteile des gewachsenen Tiguan zeigen sich am deutlichsten auf der Rückbank. Drei Zentimeter mehr Fußraum bietet das SUV jetzt. Dadurch können auch große Menschen bequem sitzen, ohne mit den Knien gegen die Vordersitze zu stoßen.

Besonders praktisch sind die um 18 Zentimeter längs verschiebbaren Rücksitze. Dadurch wächst der Kofferraum von 520 auf 615 Liter. Das sollte auch für größere Familien reichen.

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Müssen einmal sperrigere Gegenstände transportiert werden, lassen sich die Rücksitze komplett umklappen. Der Stauraum wächst dann auf 1665 Liter an. Gegen Aufpreis lässt sich auch der Beifahrersitz umlegen.

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Abgesehen vom Komfort hat das Anwachsen des Tiguan natürlich auch einen wirtschaftlichen Grund: VW plant kleinere SUV, zum Beispiel eins auf Polo-Basis.

Wie fährt sich der neue Tiguan?

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So wie das Auto aussieht: unauffällig. Auch der Motor weiß nicht zu begeistern. Der VW Tiguan ist ein Auto ohne Eigenheiten. Solide, unauffällig, ohne irgendetwas, das es von anderen SUV unterscheidet.

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Im Testwagen kommt der Zwei-Liter-Diesel mit 150 PS zum Einsatz. Ein Motor, der sich in vielen VW findet. Der arbeitet zuverlässig, tut sich mit den fast zwei Tonnen Gewicht des Tiguan aber schwer. Das könnte natürlich auch an der verzögerten Reaktion des Gaspedals, beziehungsweise des Doppelkupplungsgetriebes liegen. Beides braucht ein wenig Anlauf, bevor es reagiert.

Wer entspannter fahren will, sollte einen der stärkeren Motoren mit bis zu 240 PS wählen.

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Von der Idee, dass ein SUV auch geländegängig sein muss, verabschiedet man sich bei VW allmählich. Zwar gibt es noch den Fahrmodischalter mit Optionen für Schnee oder Offroad, doch das Interieur erinnert eher an eine Mittelklasselimousine als an rustikalen Geländecharme.

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Das ist natürlich verschmerzbar. Mehr als eine Handvoll Geröll werden die meisten Tiguan-Fahrer sowieso nie unter den Rädern zu spüren bekommen. Seine Bestimmung findet das SUV als Langstreckenfahrzeug auf der Autobahn. Im Modus "Comfort" ist nur eines zu hören: "Brrrp". "Brrrp". "Brrrp". Das Abrollen der Räden über Unebenheiten. Wie bei einer Entspannungs-CD. Mehr bemerkt der Fahrer nicht. Die Federung des Tiguan schluckt alles. So geht Reisen.

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Vom "Sport"-Modus kann man das nicht behaupten. Der Motor heult laut auf, die Gänge schalten ruckartig. Und jenseits von Tempo 120 beschleunigt der Tiguan nur noch zäh, egal, wie weit man das Gaspedal durchdrückt.

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Interessanter sind die technischen Neuerungen. Der VW Tiguan ist vollgepackt mit Sicherheitssystemen. Der Crash-Warner erkennt jetzt Menschen ab einer Größe von 1,20 Metern und warnt den Fahrer bei einer drohenden Kollision.

Selbst im Stau muss man beim Tiguan nicht mehr selbst fahren. Der Tiguan gibt auf Wunsch selbständig Gas, bremst und lenkt.

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Parken muss der Fahrer noch selbst. Doch auch hier helfen diverse Systeme. Es piept vorne, hinten, an der Seite. Mehr Übersicht liefern diverse Kameras und eine Grafik, die bei der Wahl des optimalen Einschlagwinkels helfen soll. Die meiste Zeit ist das aber wenig hilfreich und sieht eher nach Integralrechnung aus.

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Zudem gehen die Zusatzsysteme des VW ins Geld. Etwa 30 000 Euro kostet der Tiguan in der Basisausstattung. Wer die aufgezählten Sicherheitssysteme auswählt, landet schnell jenseits von 40 000 Euro. Durch Zwangskopplungen kann es noch teurer werden (die Memoryfunktion der Sitze gibt es zum Beispiel nur mit Lederausstattung).

Spannender macht das den VW nicht. Er bleibt ein Auto mit minimalem Wiedererkennungswert. Dafür aber mit verlässlicher Technik aus dem Baukasten des Volkswagen-Konzerns.

Technische Daten VW Tiguan 2.0 TDI:

Dieselmotor mit 2,0 Litern Hubraum; Leistung 110 kW (150 PS); max. Drehmoment: 340 Nm bei 1750 - 3000/min; Leergewicht: 1808; Kofferraum: 615 - 1655 l; 0 - 100 km/h: 9,3 s; Vmax: 204 km/h; Testverbrauch: 6,5 l / 100 km (lt. Werk: 4,8; CO₂-Ausstoß: 125 g/km); Euro 6; Grundpreis: 30 025 Euro

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

© Süddeutsche.de/harl/mane
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