Fahrbericht BMW M235i:Der kleine Wilde

Der BMW 235i im Test

Kompakte Abmessungen, Dreibox-Design, lange Motorhaube, knackiges Heck und Hinterradantrieb zeichnen das BMW 2er Coupé aus.

(Foto: STG)

"Aus Freude am Fahren" ist noch immer alles andere als ein hohler Werbespruch: Das M235i Coupé kommt dem Kern der weißblauen Marke so nahe wie kaum ein anderer BMW. Allerdings muss man es sich leisten können.

Von Michael Specht

Gerade Ziffern stehen bei BMW für ein Plus an Emotion und Sportlichkeit. Das sollte schon das Achter Coupé, der Sechser und besonders der kontrovers diskutierte X6 unter Beweis stellen. Jetzt kommen die Bayern mit dem Zweier Coupé, das vormals Einser Coupé hieß und bis heute keinen wirklichen Konkurrenten fürchten musste. Mit ein Grund, warum BMW von ihm seit dem Debüt Ende 2007 weltweit über 150.000 Einheiten verkaufen konnte. Der Zweier soll daran nahtlos anknüpfen. Daher beließen es die Entwickler auch beim klassischen Konzept. Bedeutet: kompakte Abmessungen, Dreibox-Design, lange Motorhaube, knackiges Heck und Hinterradantrieb. Vor allem Letzteres bleibt ein Alleinstellungsmerkmal von BMW.

Gegenüber dem Vorgänger wuchs der Zweier um 72 Millimeter in der Länge (4,43 Meter) und minimal in der Breite. Die weitere Spur und der größere Radstand lassen das Coupé noch ein bisschen satter auf der Straße stehen als zuvor. BMW will mit dem Zweier gezielt eine sportlich-orientierte und junge Klientel ansprechen - heißt es zumindest aus München. Für das Brot-und-Butter-Feld sei als Golf- und Audi- A3-Gegner der Einser mit zwei oder vier Türen zuständig. "Die Fließheckvariante wird überwiegend mit schwächeren Motorisierungen gekauft", sagt auch Produktmanager Thomas Ebner, "wer mehr Power möchte, greift in der Regel zum Coupé."

Der BMW 235i im Test

Weitere Spur und größerer Radstand verleihen dem BMW 235i Coupé einen bulligeren Auftritt.

(Foto: STG)

Das Hochdrehen des Sechszylinders ist ein Erlebnis

Manche sogar gleich zum M235i. Das Topmodell der Baureihe (ab 43 750 Euro) - leider die einzige Version, die für Testzwecke zur Verfügung stand - konnten wir sowohl im Straßenverkehr als auch auf der Rennstrecke bewegen. Letzteres macht, zugegebenermaßen, verdammt viel Spaß und zeigt, dass der alte Slogan "Aus Freude am Fahren" noch immer alles andere als ein hohler Werbespruch ist. Schon das sonore und seidenweiche Hochdrehen des 326 PS starken Sechszylinder-Reihenmotors ist ein Erlebnis. Fast überflüssig zu erwähnen, dass Fahrwerk, Lenkung und Bremsen ohnehin zum Besten gehören, was man in dieser Klasse kaufen kann.

Zielgenau und direkt lässt sich der Zweier auch um enge Kehren scheuchen, bleibt dabei weitestgehend neutral, mit leichter Tendenz, das Heck nach außen zu drücken. Gut zu spüren ist dies vor allem im Modus Sport+, wenn das ESP mehr Spielraum und damit leichte Drifts zulässt. Mit Automatik ausgerüstet verfügt der M235i sogar über eine sogenannte Launch Control. Eine Tastenkombination im Cockpit erlaubt so den perfekten Kavalierstart und BMW kleinstes Coupé schießt in nur 4,8 Sekunden von null auf 100 km/h.

Extras auf 44 Seiten

Etwas verhaltener, doch immer noch sportlich genug, dürften die Sache die beiden Einstiegsmotorisierungen im 220i und 220d Coupé angehen, die BMW zum Marktstart am 1. März anbietet. Beide Modelle sind mit 184 PS gleich stark und kosten 29 950 Euro beziehungsweise 32 500 Euro. BMW betont, man sei gegenüber dem Vorgänger ausstattungsbereinigt nicht teurer geworden. "Der Kunde zahlt keinen Cent mehr für Zwei", so Produktmann Ebner. Die Preisliste umfasst allerdings 44 Seiten und bietet viele Komfort- und Sicherheitsextras, die man noch vor kurzem allenfalls für den Fünfer und Siebener bekommen konnte. Und die den Zweier schnell in Richtung 50 000 Euro treiben können. Auch dies zeigt, was BMW mit der "Höherpositionierung" des ehemaligen Einser Coupés meint.

Bis zum Sommer wollen die Münchner weitere Motorisierungen nachreichen, darunter den 218d mit 143 PS sowie den 225d mit 218 PS, die im Normzyklus nur 4,2 bis 4,7 Liter verbrauchen sollen, und natürlich den stärksten Vierzylinder in der Baureihe, den 228i mit dem Zweiliter-Turbo und 245 PS. Sämtliche Motoren fahren serienmäßig mit einem manuellen Sechsganggetriebe und lassen sich gegen Aufpreis mit einer Achtgangautomatik ausstatten. "Im Wettbewerbsumfeld bietet solch eine Automatik kein anderer", sagt Zweier-Projektleiter Armin Hildisch. Das gilt auch für die Racing-Version, die nicht für den Straßenverkehr zugelassen ist. Für schlanke 59 500 Euro netto ermöglicht sie Privatfahrern den Einstieg in den Profirennsport. In der Szene gilt diese Summe als absolutes Schnäppchen. 40 M235i Racing hat BMW bereits verkauft.

Im Cockpit des Zweier Coupés fühlt sich der ehemalige Einser-Kunde sofort zu Hause. Klar gezeichnete Instrumente, einfache Bedienung, gute Übersicht, angenehme Materialien und eine gute Verarbeitung schaffen ein sportlich-gediegenes Ambiente. Ohne Kritik bleibt auch die Sitzposition - zumindest für Fahrer und Beifahrer. Hinten finden aber höchstens Kinder genügend Platz, auch wenn BMW von 21 Millimetern mehr Beinfreiheit spricht. Ohnehin dürfte das Zweier Coupé hauptsächlich als Zweisitzer genutzt werden. Dazu passen die umklappbaren Rücksitzlehnen, die das Ladevolumen auf deutlich mehr als 390 Liter erweitern.

© SZ vom 25.01.2014/reek
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB